Demenz und Alzheimer: Neuropsychologische Tests in der Diagnostik

Bei neuropsychologischen Untersuchungen wird versucht, mithilfe von Befragungen und psychologischen Tests zu beurteilen, ob es beim Patienten Hinweise auf einen geistigen Leistungsabbau gibt. Dabei werden Funktionen des Gehirns untersucht, die zur Bewältigung des Alltags unerlässlich sind.

Zu diesen Funktionen gehören zum Beispiel Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisleistung, Lernfähigkeit, Sprache, Denken und Wahrnehmung. Außerdem befragt der Neuropsychologe den Patienten ausführlich zu seinen Lebensumständen, zum Beispiel zu seinem sozialen Netzwerk, seinem Tagesablauf, zur Organisation seines Alltags sowie seinem früheren oder gegenwärtigen Berufsleben.

Wichtig: Wie erlebt der Patient den geistigen Abbau?

Darüber hinaus wird nach psychischen Belastungen, beispielsweise dem Verlust eines nahestehenden Menschen, einer Unzufriedenheit mit dem Ruhestand oder Ähnlichem gefragt. Sehr wichtig für den Arzt ist, vom Patienten zu erfahren, wie er den geistigen Abbau erlebt und einschätzt. Dazu gehört auch, nach seelischen Erkrankungen wie zum Beispiel einer Depression zu fahnden. Diese können die geistige Leistungsfähigkeit und die Persönlichkeit manchmal vorübergehend so schwer beeinflussen, dass die Störungen wie Auswirkungen einer schweren Hirnerkrankung erscheinen.

Test erstmals zu Beginn der Krankheit durchführen


Besonders wichtig ist eine Test-Teilnahme zu Beginn der Erkrankung, da die Fähigkeit zur Mitarbeit bei den Patienten dann noch am größten ist. Bei halbjährlich aufeinander folgenden Untersuchungen kann so festgestellt werden, ob und in welchen Bereichen sich die geistige Leistungsfähigkeit verschlechtert hat. Bei den Tests handelt es sich meist um Fragebögen, in die die Betroffenen Lösungen eintragen sollen, oder auch um Prüfungen der Merkfähigkeit einer zuvor vorgelesenen Wortreihe.

Hier drei der bewährtesten Testverfahren zur Diagnosestellung einer Demenz:
  • Der Mini-Mental-Status-Test (MMST) ist ein bewährtes Instrument zur Überprüfung der Merkfähigkeit, der Orientierung, der Konzentration und des Sprachverständnisses. Insgesamt können 30 Punkte erreicht werden, wobei am Beginn der Erkrankung oft noch eine Punktzahl im Normbereich möglich ist. Werte zwischen 10 und 26 verstärken den Verdacht auf eine Demenz, Werte unter 10 sprechen schon für eine schwere Störung.
  • Der Zahlen-Verbindungs-Test ist eine leicht durchführbare Prüfung der Konzentrationsfähigkeit. Hierzu sollen von dem Patienten auf einem Blatt zufällig verteilte Zahlen in aufsteigender Reihenfolge mit einer Linie verbunden werden. Auch die hierfür benötigte Zeit gibt Auskunft über eine eventuelle Hirnleistungsstörung.
  • Der Uhrenzeichentest ist ebenfalls einfach, aber aussagekräftig. Hierfür wird der Patient gebeten, innerhalb eines vorgegebenen Kreises auf einem Blatt Papier zunächst das Ziffernblatt einer Uhr mit allen Zahlen einzuzeichnen. Eine zusätzliche Aufgabe ist das Einzeichnen von Stunden- und Minutenzeiger auf eine vorgegebene Uhrzeit – etwa zehn Minuten vor fünf. Demenz-Patienten sind dazu meist nicht in der Lage und machen häufig Fehler.

Der Neuropsychologe bezieht auch die Angehörigen ein

Bei der Auswertung der Ergebnisse berücksichtigen Neuropsychologen immer auch unterschiedliche Vorerfahrungen des Patienten, zum Beispiel durch Bildung und Beruf, sowie Altersunterschiede. Auch wird in Betracht gezogen, dass der Patient durch Aufregung oder andere Umstände vielleicht nicht seine tatsächliche Leistungsstärke zeigen kann.

In jedem Fall fragt der Untersuchende auch einen Angehörigen oder eine andere dem Patienten nahestehende Person nach ihrer Einschätzung. So kann der Neuropsychologe etwas über die frühere Leistungsfähigkeit und auch die Persönlichkeit des Patienten erfahren. Erst mit diesem Wissen kann er die Ergebnisse der testpsychologischen Untersuchung angemessen bewerten. Einen Angehörigen einzubeziehen ist auch sinnvoll, weil Patienten ihre Leistungseinbußen und die Schwierigkeiten im Alltag oft nicht erkennen oder sie nicht wahrhaben wollen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.02.2015
  • Autor/in: Dr. phil. Dipl.-Psych. Gernot Lämmler, leitender Neuropsychologe am EGZB; Dipl.-Psych. Stefan Mix, stellv. leitender Neuropsychologe am EGZB; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: G. Lämmler, J. Herms und B. Hanke: Demenz. In E. Steinhagen-Thiessen und B. Hanke (Hrsg.): Neurogeriatrie auf einen Blick, Blackwell-Verlag 2003
  • G. Krämer: Alzheimer Krankheit -Antworten auf die häufigsten Fragen, Reihe TRIAS ärztlicher Rat, Georg Thieme Verlag 2000
  • Universität Witten/Herdecke: Leitlinie für Betroffene, Angehörige und Pflegende: Demenzkrankheit (Alzheimer und andere Demenz-Formen) (http://www.patientenleitlinien.de/Demenz/demenz.html)