Dekubitus (Druckgeschwür, Wundliegen)

Wenn der Druck zu groß wird

Selten wachen wir am Morgen in derselben Position auf, in der wir am Abend zuvor eingeschlafen sind. Denn: Durch nächtliches Drehen schützt sich der Körper vor zu viel Druck auf eine Körperstelle. Ältere, bettlägerige Menschen können das oft nicht mehr. Die Folge: ein Dekubitus – auch Druckgeschwür oder Wundliegen genannt.

Ein Dekubitus ist eine chronische Wunde. Er kann – je nach Stadium – nur die oberen Hautschichten betreffen, sich aber auch auf das Bindegewebe oder sogar bis hin zum Knochen ausbreiten.

Betroffen sind vor allem pflegebedürftige Menschen, die sich nicht mehr ausreichend bewegen können oder unter Sensibilitätsstörungen leiden. Oft spüren sie nicht, wenn sie zu lange in der gleichen Position liegen oder können diese nicht verändern.

Ursachen: so entsteht ein Dekubitus

Hauptursache für einen Dekubitus ist Druck. Lastet auf einer Körperstelle zu viel Druck – und das über einen zu langen Zeitraum – wird die Haut dort nicht ausreichend durchblutet und damit auch nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt. Sie stirbt langsam ab. Besonders gefährdet sind Körperstellen, an denen Knochen direkt unter der Haut liegen. Zum Beispiel die Fersen, das Kreuzbein, die Hüftknochen, die Ellenbogen und die Sprunggelenke.

In der Regel kann sich die Haut wieder erholen, wenn sie weniger als zwei Stunden von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten war. Jedoch spielen bei einem Dekubitus viele weitere Risikofaktoren eine Rolle. Diese Risikofaktoren verkürzen die Zeit, in der irreversible Schäden entstehen. Dazu gehören: hohes Alter, ein schlechter Allgemein- und Ernährungszustand, Über- aber auch Untergewicht, Krankheiten wie Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fehler bei Lagerung oder Transfer, bei denen die Haut gedrückt oder verschoben wird und Vorschädigungen der Haut – etwa durch Feuchtigkeit bei Inkontinenz.

Wie groß das Risiko für einen Dekubitus bei einem Pflegebedürftigen ist, lässt sich mithilfe der sogenannten Norton-Skala abschätzen.

Vorbeugen: Umlagern, Pflege und Vorsicht

Bei dekubitusgefährdeten Menschen ist die Vorbeugung entscheidend. Besonders wichtig dabei: die Druckentlastung. Immobile Menschen sollten möglichst häufig umgelagert werden. Wer sich noch selbst bewegen kann, sollte ermuntert werden, es auch zu tun. Außerdem können bestimmte Lagerungstechniken und Hilfsmittel wie etwa Lagerungskissen, weiche Decken und spezielle Matratzen den Druck auf gefährdete Hautareale vermindern.

Weitere Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe: Die Haut sollte richtig gepflegt werden – insbesondere bei Inkontinenz. Wichtig ist, sie möglichst trocken zu halten. Doch Vorsicht: Fönen ist kontraproduktiv, es kann die Haut schädigen. Auch faltenfreie und nicht zu eng anliegende Kleidung schützt die Haut. Beim Transfer sollte darauf geachtet werden, dass die Haut nicht zu sehr gedrückt oder gerieben wird.

Einen Dekubitus erkennen – auf die Anzeichen achten

Es ist entscheidend, einen Dekubitus so früh wie möglich zu erkennen. Denn bei einem weit fortgeschrittenen Dekubitus ist die Behandlung oft sehr langwierig und schwierig. Deshalb sollte die Haut von Pflegebedürftigen genau beobachtet werden. Erste Anzeichen eines Dekubitus sind Rötungen, die auch nach Druckentlastung anhalten. Hinweise dafür gibt der sogenannte Fingertest. Dazu drückt man mit der Fingerkuppe in die Mitte der Rötung. Wird die gedrückte Stelle nicht weiß, sondern bleibt rot, spricht das für einen beginnenden Dekubitus. Aufmerksamkeit ist auch bei Bläschen, Läsionen oder weißlichen Verfärbungen angebracht.

Behandlung eines Dekubitus – Entlastung ist das A und O

Auch bei der Therapie eines Dekubitus ist die wichtigste Maßnahme: Druckentlastung. Dabei muss darauf geachtet werden, dass andere Körperstellen nicht stattdessen erhöhtem Druck ausgesetzt werden. Spezielle Lagerungstechniken können das verhindern. Außerdem ist eine gesunde Ernährung bei Dekubituspatienten wichtig. Für eine gute Wundheilung braucht der Körper Proteine, Vitamine und Mineralstoffe sowie genügend Flüssigkeit. Durch den Dekubitus entstehende Schmerzen sollten gelindert werden.

Entscheidend ist es, die Wunde richtig zu versorgen. Dabei ist die feuchte Wundbehandlung Mittel der Wahl. Denn: Austrocknen verzögert die Heilung. Zur Reinigung wird der Dekubitus gespült, etwa mit einer sogenannten Ringerlösung. Zeigen sich Anzeichen einer Infektion, muss diese bekämpft werden. Dazu wird die Wunde entweder mit einem Antiseptikum gespült oder der Betroffene erhält Antibiotika. Nekrosen, also abgestorbenes Gewebe in der Wunde, müssen entfernt werden. Sind sie sehr ausgedehnt, ist eine Operation notwendig. Bei sehr großen Dekubiti, die schlecht heilen, muss eventuell Haut transplantiert werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.06.2014
  • Autor/in: Christina Landauer, Medizinredakteurin, vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Köther, Ilka (2011): THIEMEs Altenpflege; 3. Auflage
  • Vorbeugen und frühzeitiges Erkennen von Wundliegen (=Dekubitusprophylaxe). Leitlinie für Betroffene, Angehörige und Pflegende: http://patientenleitlinien.de/Dekubitus/dekubitus.html
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