Früherkennungs-/Vorsorgeuntersuchungen bei Darmkrebs

Darmkrebs ist heilbar – vorausgesetzt, er wird rechtzeitig erkannt. Deshalb ist die Früherkennung, die bei Darmkrebs sehr gut möglich ist, besonders wichtig.

Frau formt mit Händen Herz auf Bauch © Thinkstock
Personen über 50 können kostenlos regelmäßig an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen. Diese umfassen eine ausführliche Befragung, die Tastuntersuchung des Enddarms – da viele Tumoren nahe des Darmausgangs sitzen, können 30 Prozent der kolorektalen Karzinome bereits bei einer Untersuchung mit dem Finger ertastet werden – und einen Stuhltest auf verstecktes Blut im Stuhl. Je nach Alter und Risikofaktoren kann zusätzlich eine Darmspiegelung vorgenommen werden.

Laut Gemeinsamem Bundesausschuss (GBA) haben gesetzlich Versicherte folgende Möglichkeiten der Früherkennung:

  • Ab einem Alter von 50 Jahren bis zur Vollendung des 55. Lebensjahres kann jedes Jahr ein Schnelltest auf verborgenes Blut im Stuhl vom Arzt gemacht werden.
  • Ab dem 56. Lebensjahr können Patienten zwischen der Koloskopie und dem Schnelltest auf verborgenes Blut wählen. Die zweite Koloskopie kann frühestens zehn Jahre nach der ersten erfolgen, der Schnelltest auf verborgenes Blut kann alle zwei Jahre durchgeführt werden. Ärzte sollen die Patienten in einem Beratungsgespräch ausführlich über die Vor- und Nachteile sowie die Risiken beider Verfahren aufklären.

Kleinere Zeitintervalle werden für Patienten mit schon bekannten Risikofaktoren empfohlen:

  • Patienten mit Colitis ulcerosa, die über acht Jahre bekannt ist, wird empfohlen, zunächst eine jährliche, nach zwei Jahren eine zweijährliche Koloskopie des gesamten Dickdarms mit einer mikroskopischen Untersuchung von Gewebeproben aus mehreren Darmabschnitten durchführen zu lassen.
  • HNPCC = Lynch-Syndrom
    HNPCC-Risikopersonen (erstgradigen Verwandte von HNPCC-Patienten) wird empfohlen, spätestens ab dem 25. Lebensjahr zeitlebens jährlich eine körperliche Untersuchung, eine komplette Koloskopie, eine Sonografie, eine Urinuntersuchung und bei Frauen eine gynäkologische Untersuchung durchführen zu lassen.
  • Patienten mit gesicherter familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) wird geraten, schon vor dem 20. Lebensjahr den gesamten Dickdarm operativ entfernen zu lassen, falls die Anzahl der Darmpolypen sehr groß ist.
  • Bei Verwandten von FAP-Patienten sollte im Alter von zehn Jahren durch eine genetische Untersuchung festgestellt werden, ob Sie ebenfalls die Erbinformation für diese Erkrankung in sich tragen. Ist dies der Fall, so muss bei den Kindern eine jährliche Spiegelung des Sigmadarms beziehungsweise des gesamten Dickdarms durchgeführt werden.

Stuhltests liefern erste Anzeichen für Darmkrebs

Stuhltests sind ein wichtiger Bestandteil der Darmkrebsvorsorge. Sie können schon sehr früh erste Anzeichen für Darmkrebs liefern, bevor andere Symptome auftreten. Sie können diese Tests auch unabhängig von der Vorsorgeuntersuchung selbst machen. Die entsprechenden Testbriefchen erhalten Sie in Ihrer Apotheke.

Es gibt verschiedene Arten von Stuhltests. Sie unterscheiden sich in dem Stoff, den sie im Stuhl nachweisen und der Art, wie sie dies tun. So kann etwa Blut im Stuhl nachgewiesen werden, oder aber spezielle Enzyme, die der Darmkrebs produziert.
  • Hämoccult-Test nach der Guajak-Methode
    Bis April 2017 (und in einer Übergangsphase bis Oktober 2017) wurde der gFOBT – auch Guajak-Test genannt – zur Früherkennung von Darmkrebs durchgeführt. Dies ist die Untersuchung von Stuhlproben auf unsichtbares Blut (okkultes Blut). Der Patient erhält drei Testbriefchen und trägt Stuhl von drei verschiedenen Stuhlproben auf, die im Labor untersucht werden. Ist der Test positiv, sollte auf jeden Fall eine Darmspiegelung vorgenommen werden. Allerdings kann das Blut auch von einer Entzündung oder Hämorrhoiden stammen. Außerdem ist der Test sehr störanfällig durch Fremdstoffe aus der Nahrung. So kann der Verzehr von Vitamin C, Fleisch oder Blutwurst zu einem falschen positiven Ergebnis führen.
  • Immunologischer Test auf Blut im Stuhl
    Bei diesen Tests ist eine bestimmte Ernährung vor dem Test nicht erforderlich. Die Stuhltests sind, wie die Testbriefchen für den Test nach der Guajak-Methode, in Apotheken erhältlich. Die Auswertung findet im Labor statt. Seit April 2017 wird der sogenannte immunologische fäkale Okkultbluttest iFOBT von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Er ersetzt damit den Guajak-Test, da er sich in Studien als noch zuverlässiger und weniger störanfällig erwiesen hat. Der Arzt gibt den Test an den Patienten aus und erklärt ihm die Durchführung. Die Auswertung des Tests erfolgt in einem Speziallabor.
  • DNA-Stuhltest
    Dieser in den USA entwickelte Test untersucht Dickdarmzellen von Stuhlproben auf genetische Mutationen. Derzeit kann der Test sieben verschiedene genetische Mutationen erkennen. Er scheint zuverlässiger als der Hämoccult-Test zu sein, wird aber noch erprobt. Laut der aktuellen Leitlinien wird dieser Test zurzeit bei Personen ohne Symptome nicht empfohlen.
Früherkennung und Vorsorge
Früherkennungsuntersuchungen werden oft auch als Vorsorgeuntersuchungen bezeichnet. Streng genommen ist das falsch. Es gibt vorbeugende ("vorsorgende") medizinische Maßnahmen, die Krankheiten vermeiden sollen. Ein Beispiel ist die professionelle Zahnreinigung, die Karies vorbeugen soll. Bei einer Früherkennungsuntersuchung macht sich der behandelnde Arzt dagegen auf die Suche, ob bestimmte Krankheiten bereits im Anfangsstadium vorliegen. Beispiele sind die Darmkrebs-Früherkennung oder der allgemeine Gesundheits-Check-up, auf den Krankenversicherte ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre Anspruch haben.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.04.2017
  • Autor/in: Dr. med. Gerlind Souza-Offtermatt, Ärztin und Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Krebsinformation des Deutschen Krebsforschungszentrums: Darmkrebs
  • AWMF-Leitlinien : Kolonkarzinom und Rektumkarzinom, Stand 2002
  • Felix Burda Stiftung (http://www.darmkrebs.de/)
  • Leitlinie der Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS): S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-007OLl_S3_KRK_2014-08.pdf)
  • Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Darmkrebsvorsorge mit verbessertem Test: Antikörper suchen verstecktes Blut im Stuhl
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