Behandlung der Colitis ulcerosa: Immunsuppressiva und Antikörper

In einigen Fällen nimmt die Colitis ulcerosa einen komplizierten Verlauf: So kommt es vor, dass bei einem akuten Schub Kortisonpräparate (Kortikoide) nicht mehr wirken (steroid-refraktärer Verlauf), die Entzündung über Monate anhält (chronisch aktiver Verlauf) oder die Beschwerden nur mit anhaltend hoch dosiertem Steroid kontrolliert werden können (steroid-abhängiger Verlauf).

Früher musste in solchen Fällen meistens der Dickdarm entfernt werden. Heute können Immunsuppressiva helfen. Diese Medikamente, die ursprünglich aus der Transplantationsmedizin stammen, dämpfen die Aktivität des körpereigenen Abwehrsystems. Zu den häufig eingesetzten Immunsuppressiva zählen Azathioprin und bei steroid-refraktärem Verlauf auch Cyclosporin.

An erster Stelle steht Cyclosporin

Zunächst wird der Arzt in komplizierten Fällen versuchen, den Patienten mit Colitis ulcerosa mit Cyclosporin – im Rahmen von Studien auch mit Tacrolimus – zu behandeln. Cyclosporin wird zuerst meistens als Infusion verabreicht. Sobald die Beschwerden abgeklungen sind, stellt der Arzt die Medikation auf Tabletten oder Kapseln um.

Sollte Cyclosporin nicht wirken: Azathioprin

Allerdings ist die Remission, wie Mediziner die beschwerdefreie Phase nennen, in vielen Fällen nicht von Dauer. Manche Patienten müssen dann letztlich doch operiert werden. Bei anderen gelingt es, das beschwerdefreie Intervall mit Azathioprin zu verlängern oder dauerhaft zu erhalten. Azathioprin wird außerdem eingesetzt, um einen chronisch-aktiven Verlauf zu durchbrechen oder um bei steroid-abhängigen Verläufen Steroide abzusetzen oder zumindest einzusparen. Die meisten Patienten vertragen Azathioprin gut. Selten treten Fieber, Exantheme, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Blutbildveränderungen sowie Gelenk- und Muskelbeschwerden auf. Die Patienten müssen kontinuierlich ärztlich betreut werden, vor allem unter einer Therapie mit Cyclosporin und Tacrolimus.

Antikörper – wenn alles andere nicht hilft

Sollte selbst Azathioprin versagen, können Antikörper eine Alternative darstellen, genauer der Wirkstoff Infliximab, der ein Gegenspieler des körpereigenen Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-alpha) ist. Die TNF-alpha-Antikörper wirken – wie die Immunsuppressiva – bei einem steroid-refraktären, einem steroid-abhängigen und bei chronisch-aktivem Verlauf. Antikörper sind sehr teuer, weshalb sie wirklich erst eingesetzt werden, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten sich als unwirksam erwiesen haben. Verabreicht werden Antikörper intravenös oder subkutan (unter die Haut) – meistens im Krankenhaus, da sie Überempfindlichkeitsreaktionen hervorrufen können, auf die sofort reagiert werden muss.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.10.2016
  • Autor/in: Günter Löffelmann, Diplom-Biologe und Medizinjournalist; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité, Universitätsmedizin - Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Interview mit Dr. Thomas Ochsenkühn, CED-Ambulanz Klinikum Großhadern, München
  • Interview mit Dr. Carsten Büning, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Charité, Universitätsmedizin - Berlin
  • AWMF-Leitlinien, Colitis ulcerosa, Stand 2011
  • Dr. Hans Herfarth, Innere Medizin I, Uni Regensburg: Medizinische Online-Ringvorlesung
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