Therapie bei Colitis ulcerosa: Welche Möglichkeiten gibt es?

Die Colitis ulcerosa ist vermutlich auf eine fehlgeleitete Immunantwort und eine genetische Disposition zurückzuführen. Beide Ursachen lassen sich nicht direkt bekämpfen.

Die Ärzte konzentrieren sich deshalb darauf,
  • einen akuten Ausbruch der Entzündung einzudämmen,
  • chronische Entzündungen zum Abklingen zu bringen,
  • beschwerdefreie Intervalle möglichst lange zu erhalten (Remissionserhalt),
  • ein Wiederausbrechen der Erkrankung zu verhindern (Rezidivprophylaxe) und
  • Begleiterkrankungen wie Arthritis, Osteoporose und Mangelernährung zu kontrollieren (extraintestinale Manifestationen, Ernährungsdefizite).
In vielen Fällen hilft Patienten mit Colitis ulcerosa nur ein umfassendes Therapiekonzept, das neben der medikamentösen Behandlung auch Ernährungstherapie und psychologisch-psychotherapeutische Verfahren beinhaltet. Manchmal ist auch eine Darmentfernung notwendig. Medikamente spielen jedoch die wichtigste Rolle: Entzündungshemmende 5-Aminosalizylsäure (5-ASA) und Sulfasalazin sind die Standardmedikamente der Colitis-ulcerosa-Therapie. Sie greifen in den Entzündungsprozess ein, indem sie die Bildung von Entzündungsstoffen vermindern. Auch Kortison wirkt entzündungshemmend, allerdings werden Kortisone wegen ihrer Nebenwirkungen nicht langfristig gegeben.

In schweren Fällen: Immunsuppressiva und Immunmodulatoren

Thiopurine wie Azathioprin, und Ciclosporin werden oft in schweren Fällen als Akuttherapie eingesetzt. Patienten mit schwer zu therapierenden Verläufen werden oft mit Infliximab, einem monoklonalen Antikörper oder Tacrolimus behandelt. Beides sind Immunmodulatoren, die das Immunsystem und damit die Entzündungsreaktion dämpfen.

Probiotika bei Colitis ulcerosa oft sehr hilfreich

Um ein beschwerdefreies Intervall zu verlängern, haben sich bei Unverträglichkeit von Aminosalicylaten Probiotika mit Escherichia-coli-Bakterien vom Stamm Nissle oder bei Kindern auch VSL#3 – ein probiotisches Mittel, das aus verschiedenen Bakterienstämmen hergestellt wird – als wirksam erwiesen. Das sind Präparate, die lebende Mikroorganismen enthalten und die Darmflora positiv beeinflussen.

Operativer Eingriff bei Colitis ulcerosa

In der Regel sind die Symptome der Colitis ulcerosa mit Medikamenten gut in den Griff zu bekommen. Nur in wenigen Fällen muss der Dickdarm entfernt werden. Der operierende Arzt kann dabei heutzutage die Schließmuskulatur oft erhalten. Ein künstlicher Darmausgang ist nur noch selten nötig.

Komplementäre Medizin bei Colitis ulcerosa

Ein Präparat, das die herkömmliche Therapie mit Medikamenten ergänzt, ist der indische Flohsamen (Plantago ovata). Untersuchungen zeigen, dass der indische Flohsamen die beschwerdefreien Zeiträume verlängern kann. Es gibt aber bisher zu wenig Beweise für seine Wirksamkeit, um eine generelle Anwendung zu empfehlen. Bei leichten und moderaten Schüben kann – zusätzlich zur konservativen Therapie – Akupunktur eingesetzt werden. Auch eine Kombinationsbehandlung aus Myrrhe, Kamillenblütenextrakt und Kaffeekohle kann helfen, eine beschwerdefreie Periode zu verlängern.
Info
Anders als bei Morbus Crohn erhalten Patienten mit Colitis ulcerosa Medikamente auch in der beschwerdefreien Zeit.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.08.2018
  • Autor/in: Günter Löffelmann, Diplom-Biologe und Medizinjournalist; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité, Universitätsmedizin - Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Interview mit Dr. Thomas Ochsenkühn, CED-Ambulanz Klinikum Großhadern, München
  • Interview mit Dr. Carsten Büning, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Charité, Universitätsmedizin - Berlin
  • AWMF-Leitlinien, Colitis ulcerosa, Stand 2011
  • Dr. Hans Herfarth, Innere Medizin I, Uni Regensburg: Medizinische Online-Ringvorlesung
  • Leitlinie S3 – Colitis ulcerosa von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) (Stand: Mai 2018), online unter: www.awmf.org (aufgerufen am 25.06.2018).
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