Colitis ulcerosa – ein Fallbeispiel

Hermann W. ist heute 55 Jahre alt. Mit 52 Jahren stellt er erstmals Blutbeimengungen im Stuhl fest. Ein Internist diagnostiziert Hämorrhoiden und verordnet Zäpfchen, die die Schmerzen lindern und die Entzündung bekämpfen sollen. Die Beschwerden lassen auch tatsächlich nach, bis sich ein halbes Jahr später die Ereignisse überschlagen.

Donnerstag: Die Blutungen im Analbereich treten erneut auf, dazu hat W. heftige Bauchmerzen und sechs bis sieben Stuhlgänge pro Tag.

Freitag: W. bekommt Fieber, hat starke Schmerzen und zahlreiche Durchfälle. Die Einläufe kann er nicht mehr halten.

Sonntag: Notaufnahme in einer Uniklinik. Die Laborwerte weisen auf eine starke Entzündung, einen Flüssigkeitsmangel sowie eine Blutarmut hin. Heftige Schmerzen machen eine Darmspiegelung unmöglich, stattdessen ordnet der Arzt eine Computertomographie (CT) an. Das Ergebnis: Der Dickdarm ist über weite Bereiche hochgradig entzündet, der Dünndarm scheint nicht betroffen zu sein. Damit mehren sich die Hinweise auf eine Colitis ulcerosa. W. darf nichts mehr essen und erhält Infusionen, um den Flüssigkeitsmangel auszugleichen. Die Beschwerden bessern sich.

Dienstag: W. nimmt erstmals wieder Nahrung zu sich, reagiert jedoch sofort mit starken Durchfällen.

Mittwoch: Erneuter Versuch einer Darmspiegelung, bei der wegen der Schmerzen nur der Mastdarm – also der Enddarmabschnitt – untersucht werden kann. Der Befund erhärtet den Verdacht auf eine Colitis ulcerosa. W. erhält Kortisonpräparate und wird über einen Venenkatheter ernährt. Die Durchfälle hören auf, die Körpertemperatur normalisiert sich.

Erfolgreiche Therapie mit Immunsuppressiva

W. nimmt die Kortisonpräparate in abnehmender Dosierung drei weitere Monate ein. Dann setzt er sie ab und die Darmentzündung flammt erneut auf. W. erhält daraufhin Immunsuppressiva. Sie dämpfen die überschießende Aktivität des Immunsystems und ermöglichen ihm seit zweieinhalb Jahren ein beschwerdefreies Leben.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.10.2016
  • Autor/in: Günter Löffelmann, Diplom-Biologe und Medizinjournalist; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charit, Universitätsmedizin - Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Interview mit Dr. Thomas Ochsenkühn, CED-Ambulanz Klinikum Großhadern, München
  • Interview mit Dr. Carsten Büning, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Charité, Universitätsmedizin - Berlin
  • AWMF-Leitlinien, Colitis ulcerosa, Stand 2011
  • Dr. Hans Herfarth, Innere Medizin I, Uni Regensburg: Medizinische Online-Ringvorlesung
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