Bulimie (Bulimia nervosa): Ess-Brech-Sucht

Bulimie wird auch als Ess-Brech-Sucht bezeichnet. Bei Heißhunger- und Essanfällen, die aus einem Gefühl der inneren Leere heraus auftreten, werden in kurzer Zeit große Nahrungsmengen verschlungen. Dabei bevorzugen Betroffene hochkalorische, leicht zu essende Nahrungsmittel.

Frau übergibt sich © Thinkstock
Die Essanfälle werden als Kontrollverlust und sehr belastend erlebt. Diesen Anfällen folgen absichtliches Erbrechen, der Missbrauch von Abführmitteln und harntreibenden Medikamenten sowie rigoroses Fasten, das durch die Einnahme von Appetitzüglern und/oder Schilddrüsenhormonen unterstützt wird. Darüber hinaus versuchen viele Menschen mit Bulimie einer drohenden Gewichtszunahme vorzubeugen, indem sie extrem sportlich und überaus aktiv sind.

In Gesellschaft unauffällig – zu Hause hemmungslos

Ähnlich der Magersucht haben Menschen mit Bulimie eine gestörte Körperwahrnehmung und eine übergroße Furcht davor, zuzunehmen. Doch nach außen ist ihr Erscheinungsbild und ihr Umgang mit Essen völlig normal. Denn Bulimiker sind meist normalgewichtig, eher angepasst, diskret und unauffällig. Die Ess-Brech-Attacken finden in aller Heimlichkeit statt. Die Betroffenen schämen sich für ihr bulimisches Essverhalten, das häufig von einem Gefühl des Ekels vor sich selbst und depressiven Verstimmungen begleitet wird. Oft kommen Mehrfachabhängigkeiten – zum Beispiel von Alkohol, Drogen oder Medikamenten – und selbstverletzendes Verhalten vor.

Häufigkeit der Bulimie

Schätzungen zufolge leiden zwei bis vier Prozent in der Risikogruppe der 18- bis 35-jährigen Frauen an Bulimie. Genaue Angaben sind wegen der hohen Dunkelziffer dieser Erkrankung nicht möglich. Die Zahl der Neuerkrankungen nimmt aber ständig zu und ist höher als die der Magersucht. Auch ist das Alter bei Erkrankungsbeginn – zwischen 20 und 30 Jahren – meist etwas höher als bei der Magersucht. Bulimie kann aber auch in der Folge einer Magersucht auftreten.

Menschen mit Bulimie sind zumeist weiblich (90 Prozent), treten oft sehr kontrolliert, zielstrebig und ehrgeizig auf und kommen aus der sozialen Mittelschicht. Zwischen den Essattacken haben sie ihr Leben äußerlich gut im Griff und sind in ihrem Lebensbereich erfolgreich.

Ursachen und Therapie der Bulimie

An der Entstehung einer Bulimie können viele verschiedene Faktoren beteiligt sein – zum Beispiel genetische Einflüsse, das gesellschaftliche Schlankheitsideal oder traumatische Erlebnisse.

Bei der Therapie der Bulimie geht es in erster Linie darum, die Ess-Brech-Attacken zu reduzieren und das Essverhalten des Betroffenen zu normalisieren. Ein langfristiger Therapieerfolg ist jedoch nur möglich, wenn auch die ursächlichen Faktoren behandelt werden. Hierbei kommen Methoden wie Psycho-, Gestaltungs- und Familientherapie zum Einsatz.

Folgen der Bulimie

Bulimie kann sowohl körperliche als auch psychische Folgen haben: So kann es durch das ständige Erbrechen beispielsweise zu Elektrolytentgleisungen und Fehlernährung kommen, was wiederum zu Konzentrationsstörungen, aber auch Herzrhythmus- und Hormonstörungen führen kann. Psychische Folgen können zum Beispiel Angstzustände und Depressionen sein.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.06.2015
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Bulimie-Online (www.bulimie-online.de)
  • Dr. med. Dipl. Psych. M. Graf-Morgenstern, Psychiatrische Klinik und Poliklinik der Universität Mainz: Ess-Störungen
  • Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., DHS info: Essstörungen
  • Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Essstörungen (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essst%C3%B6rungen.pdf)
  • Universität Göttingen: Bulimia nervosa (http://www.psychosomatik.uni-goettingen.de/download/51%20Praktikum%20Bulimie.pdf)
  • Julius-Maximilians-Universität Würzburg: Infos zum Thema Essstörungen im Internet (http://www.uni-wuerzburg.de/fuer/beschaeftigte/beratung_und_hilfe/suchtberatung/infos_zum_thema/essstoerungen/)
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