Therapie bei Brustkrebs (Mammakarzinom): Entfernung der Lymphknoten

Beinhaltet die Therapie bei Brustkrebs eine Operation, muss entschieden werden, ob auch die Lymphknoten in der Achsel entfernt werden sollen. In der Regel werden die Achsellymphknoten bei Frauen mit einem invasiven Mammakarzinom sowohl bei der brusterhaltenden Operation als auch bei der Brustamputation entnommen und feingeweblich untersucht.

Dadurch lässt sich das Stadium der Erkrankung feststellen und auch, ob sich der Krebs schon weiter ausgebreitet hat. Außerdem kann durch die Entfernung das Risiko für eine erneute Tumorbildung gesenkt werden.

Die Lymphknoten werden ensprechend ihrer Lage in der Achselhöhle in die Gruppen I, II und III eingeteilt. Waren die Lymphknoten bei der Voruntersuchung unauffällig, werden nur Lymphknoten der Gruppen I und II entnommen. Dabei reichen zehn Lymphknoten für die Bestimmung des Krankheitsstadiums aus. Lymphknoten der Gruppe III (obere Etage) werden nur bei deutlichem Befall der anderen Gruppen mit entfernt. Findet man dort Tochterkrebszellen, wird eine Chemotherapie notwendig. Eine lebensverlängernde Wirkung durch die Lymphknotenentfernung nimmt man heute nicht mehr an.

Der Wächterlymphknoten

Die Entfernung der Achsellymphknoten kann Beschwerden wie Taubheitsgefühl und Missempfindungen verursachen. Außerdem kann sich später ein Lymphödem an Hand oder Arm bilden: Die Lymphe kann nicht mehr richtig abfließen und staut sich in das Gewebe zurück, wodurch eine starke Schwellung entstehen kann. 

Von Bedeutung ist deshalb die Frage, ob es tatschlich nötig ist, bei Patientinnen mit Brustkrebs alle Lymphknoten zu entfernen. Bei dieser Frage hilft die Beurteilung des Wächterlymphknotens, auch Sentinel-Lymphknoten genannt. Ist dieser erste Lymphknoten im Lymphabflussgebiet des Brusttumors frei von Tumorzellen, sind erfahrungsgemäß meist auch die übrigen Lymphknoten tumorfrei und müssen nicht entfernt werden.

Ermittelt wird der Wächterlymphknoten entweder vor der Operation mithilfe einer schwach radioaktiven Substanz oder während der Operation mithilfe eines Farbstoffs. Dabei wird die Substanz in die Nähe des Tumors gespritzt. Der Lymphknoten, der sich dann als erster färbt oder markiert wird, ist der erste in der Lymphabflussbahn und somit der Wächterlymphknoten. Dieser Lymphknoten wird entfernt und untersucht. Weitere Lymphknoten werden dann nur entnommen, wenn der Wächterlymphknoten von Tumorzellen befallen ist.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.10.2016
  • Autor/in: Dr. med. Gerlind Souza-Offtermatt, Ärztin und Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Krebsinformation des Deutschen Krebsforschungszentrums: Brustkrebs
  • Brustkrebsinfo: www.brustkrebs-berlin.de
  • Deutsche Krebsgesellschaft e.V.: Brustkrebs
  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Leitlinienprogramm Onkologie, Juli 2012. Abrufbar unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OL_l_S3__Brustkrebs_Mammakarzinom_Diagnostik_Therapie_Nachsorge_2012-07.pdf
  • Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister in Deutschland, Robert Koch-Institut Berlin: Krebs in Deutschland - Häufigkeiten und Trends, 8. Ausgabe, 2012
  • Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2014