Therapie bei Brustkrebs (Mammakarzinom): (Anti)-Hormontherapie

Die (Anti)-Hormontherapie ist eine wichtige Therapieform bei Brustkrebs. Voraussetzung ist, dass bei der Diagnostik auch der sogenannte Rezeptorstatus bestimmt wurde. Dabei wird festgestellt, ob sich auf den Tumorzellen Andockstellen (Rezeptoren) für Hormone befinden. Denn Östrogene oder Gestagene, die an die Rezeptoren binden, regen den Tumor zum Wachstum an. Mit einer Blockade der Bindung kann dieser Einfluss der Hormone auf den Tumor verhindert werden.

Die (Anti)-Hormontherapie wird bei Brustkrebs nach der Operation und der Chemotherapie eingesetzt und soll verhindern, dass aus vielleicht noch vorhandenen Krebszellen neue Tumoren wachsen. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Tumor „hormonrezeptor-positiv" ist, also Hormonrezeptoren in ausreichender Menge nachweisbar sind. Die Entscheidung welches Präparat eingesetzt werden soll ist unter anderem vom Menopausenstatus der Patientin abhängig, also ob sich die Patientin in den Wechseljahren befindet oder nicht.

Zur (Anti)-Hormontherapie bei Brustkrebs stehen folgende Medikamente zur Verfügung:
  • Antiöstrogene
    Diese Medikamente wirken als Gegenspieler des körpereigenen Hormons Östrogen, indem sie es von den Hormonrezeptoren der Krebszellen verdrängen. Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist Tamoxifen. Es senkt das Risiko für die Entstehung eines neuen Tumors bei Frauen mit rezeptorpositiven Tumoren jeden Alters und sollte über fünf Jahre eingenommen werden. Nebenwirkungen aufgrund des künstlichen Östrogenmangels sind Hitzewallungen, Spannungsgefühl in der Brust und Trockenheit und Juckreiz im Scheidenbereich. Außerdem erhöht sich das Risiko für Blutgerinnsel oder Veränderungen an der Gebärmutterschleimhaut, weshalb regelmäßige Kontrollen beim Frauenarzt nötig sind. Neben Tamoxifen ist das Antiöstrogen Fulvestrant seit März 2004 zugelassen. Es ist besonders für Frauen mit sehr weit fortgeschrittenem Brustkrebs geeignet.
  • GnRH-Agonisten
    Der Großteil des Östrogens wird bei Frauen vor den Wechseljahren in den Eierstöcken (Ovarien) gebildet. Deshalb sollte bei diesen Frauen die Hormonproduktion der Eierstöcke gestoppt werden. Das gelingt zum einen durch die operative Entfernung oder Bestrahlung der Eierstöcke. Eine Alternative ist die Therapie mit Gonadotropin-Releasing-Hormon-Agonisten (GnRH-Agonisten). Diese Medikamente beeinflussen die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die ihrerseits daraufhin die Hormonproduktion in den Eierstöcken drosselt.
  • Aromatase-Hemmer
    Diese Medikamente werden vor allem bei Brustkrebs-Patientinnen in den Wechseljahren eingesetzt, die Tamoxifen nicht vertragen oder bei Patientinnen, bei denen die Eierstöcke entfernt wurden. Sie hemmen ein Enzym, das die Bildung von Östrogen im Fettgewebe, in Muskeln, Leber und Brustdrüse verhindert, nicht aber in den Eierstöcken.
  • Gestagene
    Gestagene hemmen sowohl die Östrogenproduktion, als auch die Bildung von Östrogenrezeptoren. Ihr Einsatz ist heute nur noch auf seltene Ausnahmefälle beschränkt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.10.2016
  • Autor/in: Dr. med. Gerlind Souza-Offtermatt, Ärztin und Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Krebsinformation des Deutschen Krebsforschungszentrums: Brustkrebs
  • Brustkrebsinfo: www.brustkrebs-berlin.de
  • Deutsche Krebsgesellschaft e.V.: Brustkrebs
  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Leitlinienprogramm Onkologie, Juli 2012. Abrufbar unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OL_l_S3__Brustkrebs_Mammakarzinom_Diagnostik_Therapie_Nachsorge_2012-07.pdf
  • Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister in Deutschland, Robert Koch-Institut Berlin: Krebs in Deutschland - Häufigkeiten und Trends, 8. Ausgabe, 2012
  • Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2014