Therapie bei Brustkrebs (Mammakarzinom): Chemotherapie

Krebszellen teilen sich schneller als die meisten anderen Zellen des Körpers. Diese Tatsache machen sich Chemotherapeutika, auch Zytostatika genannt, bei der Brustkrebs-Therapie zu Nutzen. Die Medikamente zerstören Zellen, die sich rasch teilen, also besonders Krebszellen.

Chemotherapeutika werden bei Brustkrebs angewandt als:
  • adjuvante (unterstützende) Chemotherapie 
    Sie soll der Tumorstreuung vorbeugen, wenn der Tumor schon infiltrierend in anderes Gewebe wächst, aber noch keine Tochtergeschwülste nachweisbar sind.
  • neoadjuvante Chemotherapie 
    Sie wird vor einer Operation eingesetzt, wenn der Tumor relativ groß ist. So kann die Tumorgröße reduziert werden, um günstigere Bedingungen für den Eingriff zu schaffen.
  • palliative (Lebensqualität verbessernde) Chemotherapie 
    Im fortgeschrittenen Stadium lindert die Chemotherapie Schmerzen, die von Metastasen verursacht werden.

Chemotherapie: ja oder nein? Der uPA/PAI-1-Test kann Auskunft geben.

Da eine Chemotherapie sehr belastend sein kann, möchten sie viele Patientinnen nur durchführen lassen, wenn sie unumgänglich ist. Der Test auf uPA/PAI-1 kann bei dieser Entscheidung helfen. Er identifiziert die Eiweißkörper uPA und PAI-1, die als prognostische Faktoren für das Rückfallrisiko nach einer Brustkrebs-Therapie dienen. 

Bei sehr niedrigen Werten dieser Eiweißkörper ist das Rückfallrisiko gering und es kann eventuell auf eine Chemotherapie verzichtet werden. Für den Test wird ein Teil des während der Operation entnommenen Gewebes sofort eingefroren. Der Test kann dann in Speziallabors durchgeführt werden, an die die Klinik das eingefrorene Material schickt. Zurzeit wird der Test allerdings noch nicht von allen Krankenkassen bezahlt. Fragen Sie also vorher bei Ihrer Kasse nach – auch mit dem Arzt muss vor der Operation abgesprochen werden, ob ein Test möglich und sinnvoll ist.

Der uPA/PAI-1-Test kostet etwa 300 Euro. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) hat in seinem Abschlussbericht 20141 festgestellt, dass für Patientinnen mit mittlerem Rückfallrisiko dieser Test keine eindeutige Therapieentscheidung liefert. Auch in den Leitlinien wird er deshalb nicht erwähnt.

Chemotherapie verläuft nach Schema

Für die Chemotherapie stehen mehrere Medikamente aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen zur Verfügung. Sie werden kombiniert nach einem bestimmten Schema eingenommen, das individuell auf die Patientin abgestimmt wird. Entweder wird die Chemotherapie als Infusionstherapie in Zyklen verabreicht oder sie kann in Tablettenform angewandt werden. Ein Zyklus ist ein Behandlungsabschnitt. Zwischen den Zyklen erfolgt eine Behandlungspause von zwei bis vier Wochen, damit sich der Körper erholen kann. Die orale Chemotherapie, also die Therapie mit Tabletten, wird meistens nur in fortgeschrittenen Stadien durchgeführt. 

Ob und in welcher Form eine Frau eine Chemotherapie bekommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
  • Lebensalter
  • Allgemeinzustand
  • Erkrankungsstadium
  • Rezeptorstatus, also ob sich auf den Krebszellen Andockstellen für Hormone befinden
  • Menopausenstatus, also ob die Frau schon ihre letzte Regelblutung gehabt hat

Nebenwirkungen der Chemotherapie

Die Chemotherapie hat erhebliche Nebenwirkungen, weil die eingesetzten Substanzen auch gesunde Körperzellen schädigen. Besonders Gewebe mit sich rasch teilenden Zellen ist betroffen – zum Beispiel die Schleimhäute. Diese Erscheinungen sind jedoch nur vorübergehend und verschwinden nach Beenden der Therapie wieder.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind:
  • Schädigung des Knochenmarks 
    Das blutbildende Knochenmark ist besonders empfindlich gegenüber Zytostatika. Schädigungen machen sich in Form einer verringerten Zahl weißer und roter Blutkörperchen (Leukozyten und Erythrozyten) sowie Blutplättchen (Thrombozyten) bemerkbar. Aus diesem Grund kann es zu einer gesteigerten Infektionsanfälligkeit und Blutungsneigung kommen. Um die Patientin nicht zu gefährden, werden regelmäßige Blutbilduntersuchungen durchgeführt. Mittlerweile stehen auch Medikamente zur Verfügung, die die Neubildung von Blutzellen anregen.
  • Haarausfall 
    Auch die Haarwurzelzellen teilen sich rasch. Bei einer Chemotherapie kommt es deshalb häufig zu einem teilweisen oder vollständigen Haarverlust, der für viele Patienten und Patientinnen sehr belastend ist. Nach Beenden der Therapie wachsen die Haare wieder nach. Um die Zeit zu überbrücken, können Sie sich eine Perücke besorgen, an deren Kosten sich die Krankenkasse beteiligt.
  • Reizerscheinung im Verdauungstrakt 
    Eine Schädigung der Schleimhaut im Mund- und Magen-Darm-Trakt kann zu Trockenheit und Entzündungen im Mund beziehungsweise zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen. Gegen den Brechreiz werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Viele Patienten klagen außerdem über eine ausgeprägte Appetitlosigkeit.
  • chronische Müdigkeit oder Schwäche (Fatigue)
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.10.2016
  • Autor/in: Dr. med. Gerlind Souza-Offtermatt, Ärztin und Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Krebsinformation des Deutschen Krebsforschungszentrums: Brustkrebs
  • Brustkrebsinfo: www.brustkrebs-berlin.de
  • Deutsche Krebsgesellschaft e.V.: Brustkrebs
  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Leitlinienprogramm Onkologie, Juli 2012. Abrufbar unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OL_l_S3__Brustkrebs_Mammakarzinom_Diagnostik_Therapie_Nachsorge_2012-07.pdf
  • Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister in Deutschland, Robert Koch-Institut Berlin: Krebs in Deutschland - Häufigkeiten und Trends, 8. Ausgabe, 2012
  • https://www.iqwig.de/de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen/biomarker-upa/pai-1-bei-mammakarzinom-nutzen-und-schaden-des-tests-unklar.6359.html
  • Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2014