Bluthochdruck (Hypertonie): Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) sind vielfältig. Oft handelt es sich dabei um eine Kombination verschiedener Faktoren. Vor allem spielen der Lebensstil und die Ernährung des Betroffenen eine große Rolle. Weitere Risikofaktoren für Bluthochdruck: Übergewicht, Rauchen und Alkohol sowie Stress. Auch bestimmte Erkrankungen, Schmerzen oder Medikamente können die Ursache einer arteriellen Hypertonie sein.

So entsteht zu hoher Blutdruck

Die Höhe des Blutdrucks wird über einen komplexen Regelkreislauf gesteuert. Bei der Entstehung des Blutdrucks spielen vor allem zwei Faktoren eine Rolle: die Blutmenge, die das Herz pro Minute in den Kreislauf pumpt (Herzminutenvolumen) und der Widerstand, den die Blutgefäße dem Blutstrom entgegensetzen. Dauerhaft erhöhter Blutdruck entsteht auf zwei Wegen:
  • Wenn das Herz vermehrt Blut durch den Körper pumpen muss, um alle Organe ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.
  • Wenn Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) die Gefäßwände starr und unelastisch macht und somit dem Blutstrom einen höheren Widerstand entgegensetzt. Auch Nierenerkrankungen können zu einem höheren Gefäßwiderstand führen. Die Niere produziert dann verstärkt bestimmte Botenstoffe, die die Gefäße verengen.

Gene und Lebensstil als Ursache für die primäre Hypertonie

Der Arzt unterscheidet bei Bluthochdruck zwei Formen: die primäre arterielle Hypertonie und die sekundäre arterielle Hypertonie. Bei einem Großteil der Betroffenen handelt es sich um die primäre Form – auch essenzielle Hypertonie genannt. Die Ursachen für diese Art von Bluthochdruck sind bisher nicht vollständig geklärt. Eine Kombination aus genetischer Veranlagung, Lebensweise und anderen Faktoren wie Stress oder zunehmendem Alter spielen eine Rolle bei der Entstehung:
  • Rauchen
    Rauchen gilt als Haupt-Risikofaktor für Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Viele Inhaltsstoffe des Tabakrauchs schädigen die Zellen der Gefäßwände und die elastischen Fasern in den Arterienwänden. Dadurch werden die Blutgefäße starr und aufgrund der Verkalkung enger. Beides trägt zu einer Blutdruckerhöhung bei. Zusätzlich aktiviert das inhalierte Nikotin das vegetative Nervensystem: Das Herz schlägt schneller, die Blutgefäße verengen. Das Herz muss stärker gegen den Widerstand der verengten Gefäße anpumpen. Die Folge ist ein erhöhter Blutdruck.
  • Alkohol
    Schon kleine Mengen Alkohol aktivieren unser vegetatives Nervensystem. Die Folge: Das Herz schlägt schneller, der Blutauswurf steigt und damit auch der Blutdruck. Die Gefäße verengen sich. Dauerhafter Alkoholgenuss führt zu gefährlichem Bluthochdruck. Auf Alkohol zu verzichten hilft auch Menschen, deren Bluthochdruck nicht durch Alkoholmissbrauch bedingt ist, den Druck zu normalisieren.
  • Übergewicht und Bewegungsmangel
    Bei Übergewicht muss das Blut eine größere Körpermasse mit ausreichend Nährstoffen versorgen. Das bedeutet eine höhere Belastung für das Herz und den Kreislauf. Auch bedingt Übergewicht erhöhte Blutfettwerte und die Entstehung von Arteriosklerose: Die Gefäße werden starr und Ablagerungen, sogenanntes Plaque, bildet sich an ihren Wänden. Übergewicht beeinflusst auch den Hormonhaushalt. Der Körper produziert zu viel Insulin, ein Hormon, das den Blutzuckerspiegel senkt und den Abbau des Eiweißes ANP fördert. ANP reguliert ebenfalls den Blutdruck. Ist zu wenig ANP vorhanden, weil das Insulin zu viel abbaut, steigt der Blutdruck. Eine Gewichtsreduktion kann den Blutdruck deutlich senken. Auch sportliche Aktivitäten, die die Ausdauer trainieren wie Radfahren, Joggen oder Wandern, sind hilfreich.
  • Stress
    Anspannung, Termindruck, Hektik, psychische Belastungen und Ärger wirken sich auf Dauer negativ auf den Blutdruck aus. Auch Stress aktiviert das vegetative Nervensystem. Hypertoniker scheiden unter Anspannung mehr Stresshormone im Urin aus als Menschen mit normalen Blutdruckwerten.
  • Ernährung
    Eine stark salzhaltige Ernährung mit viel tierischen Fetten begünstigt einen erhöhten Blutdruck. Wer sich ausgewogen ernährt – das bedeutet viel Obst, Gemüse, Fisch und wenig, aber dafür hochwertiges Fleisch – kann einen hohen Blutdruck senken. Ebenfalls interessant: Ein übermäßig starker Lakritzkonsum sorgt ebenfalls für einen Blutdruckanstieg.
  • Medikamente
    Eine große Anzahl von Medikamenten kann sich negativ auf den Blutdruck auswirken. Dazu gehören beispielsweise Ovulationshemmer (die Pille), nichtsteroidale Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac und Kortikosteroide. Entsteht der Bluthochdruck durch ein Medikament, sollten Betroffene das mit ihrem behandelnden Arzt besprechen. Oft gibt es die Möglichkeit, das Medikament durch ein anderes zu ersetzen.
  • Genetische Faktoren
    Kinder von Hypertonikern haben ein doppelt bis dreifach erhöhtes Risiko, ebenfalls Bluthochdruck zu entwickeln. Nur in Ausnahmefällen wird ein isolierter Gendefekt vererbt. Meist finden sich Veränderungen an verschiedenen Genen, die im Zusammenspiel mit Umweltfaktoren (zum Beispiel Konstitution, Stress, Ernährung, Rauchen) zur Erkrankung führen.
  • Hormonelle Faktoren
    Hormone können – bei entsprechender Veranlagung – Bluthochdruck begünstigen. Bei Frauen steigen die Blutdruckwerte häufig in den Wechseljahren.
  • Stoffwechselerkrankungen
    Bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen wie Hypercholesterinämie erhöhen das Bluthochdruck-Risiko. Der Grund ist vor allem, dass diese Erkrankungen die Gefäße angreifen und Arteriosklerose bedingen.

Sekundäre Hypertonie: Krankheiten als Ursache für Bluthochdruck

Von einer sekundären Hypertonie spricht man, wenn eine andere Erkrankung der Auslöser für die zu hohen Blutdruckwerte ist. Obwohl das nur bei ungefähr zehn Prozent der Betroffenen der Fall ist, können viele Krankheiten den Blutdruck in die Höhe treiben. Dazu gehören: chronische Entzündungen, Tumoren, Nierenerkrankungen oder hormonelle Störungen. Auch Medikamente oder eine Schwangerschaft können die Ursache sein.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.07.2018
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin; Anja Dolski, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Saskia Thérèse Schirmer, Ärztin
  • Quellen: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF: Leitlinien für die Prävention, Erkennung, Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie der Deutschen Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdruckes e.V. (Deutsche Hochdruckliga), Stand: März 2012
  • Elliott WJ, Meyer PM: Incident diabetes in clinical trials of antihypertensive drugs: a network meta-analysis (Lancet. 2007 Jan 20 369(9557):201-7)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Vergleichende Nutzenbewertung verschiedener antihypertensiver Wirkstoffgruppen als Therapie der ersten Wahl bei Patienten mit essenzieller Hypertonie (Vorbericht), 2007
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. und Deutsche Hochdruckliga e.V.: Leitlinie für das Management der arteriellen Hypertonie (http://www.hochdruckliga.de/tl_files/content/dhl/downloads/2014_Pocket-Leitlinien_Arterielle_Hypertonie.pdf)
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2017, Selbstverlag Köln
  • Miamed Amboss: Fachwissen für Mediziner: arterielle Hypertonie
  • Miamed Amboss: Fachwissen für Mediziner: metabolisches Syndrom
  • Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie
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