Therapie bei Bluthochdruck (Hypertonie): Medikamente

Reicht eine Änderung des Lebensstils nicht aus, den Blutdruck dauerhaft zu normalisieren, dann kommen Medikamente, die Antihypertensiva (= Medikamente gegen erhöhten Blutdruck) zum Einsatz. Bei den meisten Bluthochdruckpatienten steht die medikamentöse Therapie aber nicht an erster Stelle. Nur bei mittelschwerem bis schwerem Bluthochdruck verordnet der Arzt sofort Medikamente.

Betroffene sollten sich stets im Klaren sein: Eine ausreichende Blutdrucksenkung ist allein durch die regelmäßige Tabletteneinnahme nicht gewährleistet, wenn die Lebensweise nicht gleichzeitig entsprechend angepasst wird.

Prinzipiell gilt: Entscheidend für die Therapie ist das individuelle Risiko des Patienten. Das bedeutet, dass Vorerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall wie auch bereits eingetretene Organschäden in den Therapieplan einfließen und ein wesentlicher Faktor bei der Wahl des Präparats sind.

Ziel-Blutdruck – die optimalen Blutdruckwerte

Die Leitlinien der Europäischen Fachgesellschaften für Hypertonie und Kardiologie empfehlen, den Blutdruck auf Werte unter 140/90 mmHg zu senken. Andere Richtwerte gelten für Kinder, Jugendliche und Schwangere. Bei Kindern und Jugendlichen spielen Alter und Größe eine Rolle bei der Festlegung der Zielwerte. Eine Besonderheit gibt es bei Betroffenen, die zusätzlich an Diabetes mellitus leiden: Ihre diastolischen Werte sollten 85 mmHg nicht überschreiten. Bei Patienten, die älter als 80 Jahre sind, wird angestrebt, die Werte unter 150/90 mmHg zu senken.

Je nach individuellen Risiken, Begleiterkrankungen und Besonderheiten des Einzelnen werden auch höhere Werte toleriert. Dennoch: Jede weitere Senkung, die erreicht werden kann, ist von Nutzen. Optimal sind Werte um die 120/80 mmHg – also Werte im Normalbereich. Diese lassen sich jedoch in vielen Fällen nur zum Preis von mehr Nebenwirkungen erreichen. Daher wird eine solche Entscheidung stets von Arzt und Patient gemeinsam abgewogen, um festzustellen, ob sie Vorteile für den Betroffenen mit sich bringt.

Generell wird der Arzt darauf achten, den Blutdruck nicht zu schnell zu senken. Diese Überlegung wird er in die Dosierung der Medikamente einfließen lassen. Entscheidend für das individuelle Tempo sind vor allem die Ausgangswerte des Betroffenen. Liegen sie sehr hoch, sollen die Zielwerte im Verlauf von Monaten erreicht werden, damit der Organismus sich an die veränderten Verhältnisse nach und nach anpassen kann.

Verlässliche Blutdrucksenkung mit bewährten Medikamenten

Folgende Substanzen kommen in der Blutdruckbehandlung hauptsächlich zum Einsatz:

Verschiedene medikamentöse Behandlungsstrategien sind möglich

  • Monotherapie: Beginn mit einem Medikament, das bei ungenügender Wirkung gegen ein anderes ausgetauscht werden kann.
  • Stufentherapie: Therapie mit zunächst einem Medikament, bei unzureichender Wirkung wird ein zweites dazugegeben.
  • Kombinationstherapie: Von Beginn an wird eine Kombination verordnet (zum Beispiel Betablocker plus Diuretikum).
Generell wird eine Behandlung zunächst mit einem Medikament begonnen. Tritt nach einiger Zeit keine oder nur eine unzureichende Verbesserung der Blutdruckwerte ein, kann es gegen ein anderes ausgetauscht oder mit einem zweiten kombiniert werden.


Der direkte Beginn mit einer Kombinationstherapie, bei der zwei Präparate verordnet werden, ist vor allem dann notwendig, wenn der Betroffene sehr hohe Ausgangswerte hat oder an Begleiterkrankungen wie beispielsweise einer Herzinsuffizienz leidet. Meistens wird dabei zunächst ein Diuretikum mit einem anderen Medikament kombiniert.

Reserve-Medikamente bei unzureichender Blutdrucksenkung

Diuretika und Betablocker können bei Menschen mit Diabetes den Blutzuckerspiegel erhöhen – dann besteht ein höherer Insulinbedarf. Betroffene mit einer Zuckererkrankung oder mit einer gestörten Glucosetoleranz werden deshalb vorrangig mit ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptorantagonisten behandelt.

Hat der Betroffene bestimmte Begleiterkrankungen, die normalerweise vorrangig mit Betablockern therapiert werden, wird der Arzt individuelle Entscheidungen treffen und angepasste Therapiekombinationen wählen. Von einigen Alpha-I-Blockern ist wiederum bekannt, dass sie den Fettstoffwechsel verbessern, da sie den Cholesterinspiegel senken und den HDL-Spiegel erhöhen. Sie sind deshalb besonders für Hypertoniker mit Fettstoffwechselstörungen geeignet.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 26.07.2018
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin; Anja Dolski, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Saskia Thérèse Schirmer, Ärztin
  • Quellen: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF: Leitlinien für die Prävention, Erkennung, Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie der Deutschen Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdruckes e.V. (Deutsche Hochdruckliga), Stand: März 2012
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  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. und Deutsche Hochdruckliga e.V.: Leitlinie für das Management der arteriellen Hypertonie (http://www.hochdruckliga.de/tl_files/content/dhl/downloads/2014_Pocket-Leitlinien_Arterielle_Hypertonie.pdf)
  • Thomas Karow, Ruth Lang-Roth: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 21. Auflage, Selbstverlag Pulheim.
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2017, Selbstverlag Köln
  • Miamed Amboss: Fachwissen für Mediziner: arterielle Hypertonie
  • Miamed Amboss: Fachwissen für Mediziner: Insuline
  • Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie
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