Bewegung als Teil der Therapie bei Bluthochdruck (Hypertonie)

Regelmäßige körperliche Bewegung ist ein wichtiger Behandlungsbaustein, der sich nicht nur positiv auf den Blutdruck auswirkt. Sportliche Betätigung lässt den Kalorienverbrauch steigen und hilft so, überflüssige Pfunde zu verlieren.

Ein weiterer Vorteil von sportlicher Betätigung: Der Körper wird besser durchblutet und der Blutzucker besser verwertet. Damit sinkt das Diabetesrisiko. Mit ganz einfachen Mitteln können Sie Ihrem Körper auf die Sprünge helfen:
  • Gehen Sie so oft wie möglich zu Fuß oder benutzen Sie das Fahrrad anstelle des Autos.
  • Benutzen Sie häufiger die Treppe statt des Aufzugs.
  • Gehen Sie täglich mindestens eine halbe Stunde spazieren.
  • Gewöhnen Sie sich an, jeden neuen Tag mit ein paar Minuten Morgengymnastik zu begrüßen. Es bieten sich die unterschiedlichsten Übungen an, etwa Osteoporose-Prophylaxe, Yoga oder allgemeine Fitnessübungen. Wenn Sie bei geöffnetem Fenster üben, sorgen Sie gleichzeitig für einen erfrischenden Sauerstoffschub.
  • Ausdauersportarten wie Laufen, Walking, Radfahren, Schwimmen oder Skilanglauf sind ideal, um den Kreislauf zu trainieren und gleichzeitig ein paar Pfunde abzuspecken. Empfehlenswert sind mehrere Trainingseinheiten zwischen 30 und 45 Minuten – am besten an drei bis vier Tagen in der Woche. Das kann den Blutdruck um bis zu 13/8 mmHg senken und vermindert das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, um die Hälfte.
  • Das körperliche Training können Sie mit regelmäßigen Saunabesuchen unterstützen. Auf die anschließende Kaltwasser- oder Eisanwendung sollten Sie hingegen verzichten, da diese den Blutdruck erhöht.
Wenn Sie bereits unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, schon einen Schlaganfall oderHerzinfarkt hatten oder zuckerkrank sind, beraten Sie sich am besten mit Ihrem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten, welche Bewegungsmöglichkeiten für Sie optimal sind.

Eventuell wird Ihr Arzt ein Belastungs-EKG durchführen. Damit kann er feststellen, ob und ab welcher Belastung unerwünschte Blutdruckspitzen auftreten. So kann die individuelle Intensität des körperlichen Trainings besser geplant und die für Sie geeigneten Sportarten gefunden werden. Wenn Ihre Blutdruckwerte bereits in Ruhe und ohne körperliche Betätigung über 160/95 mmHg liegen, sollten Sie unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt oder einem Sportmediziner Rücksprache halten, welche Sportarten und welche Trainingsintensität geeignet sind.

Vorsicht vor zu großer Belastung bei Bluthochdruck

Einige Sportarten sind für Menschen mit Bluthochdruck nicht empfehlenswert. Dazu gehören Gewichtheben beim Body Building, Boxen oder Tauchen. Die große Kraftanstrengung dabei, wirkt sich negativ auf den ohnehin bereits erhöhten Blutdruck aus. Ein angemessenes Krafttraining, beispielsweise im Rahmen der Physiotherapie, kann das Ausdauertraining hingegen gut ergänzen. Wichtig dabei: Überschätzen Sie sich nicht. Eine Anleitung durch geschultes Personal wie spezielle Trainer oder Physiotherapeuten ist immer sinnvoll.

Zusammen mit Spaß bei der Sache

Wer Spaß beim Sport hat, bleibt länger am Ball. Suchen Sie sich eine Betätigung, die Sie schon immer einmal ausüben wollten oder die Ihnen bereits früher Freude bereitet hat. Sollten Sie schon immer eher ein Sportmuffel gewesen sein, suchen Sie sich Mitstreiter: In der Gruppe macht Sport mehr Spaß als allein. Wenn Sie Gleichgesinnte finden, treffen Sie sich regelmäßig zum gemeinsamen Üben – denn miteinander lässt sich der „innere Schweinehund“ meist leichter überlisten.

Ob körperlich eingeschränkt oder voll leistungsfähig – in jedem Fall gilt:

  • Steigern Sie Ihr körperliches Training behutsam.
  • Testen Sie aus, was Ihnen guttut. Jeder Mensch ist individuell und sollte sich für den Sport entscheiden, mit dem er sich wohlfühlt. 
  • Üben Sie nie über Ihre persönliche Leistungsgrenze hinaus – das birgt die Gefahr, dass gefährliche, sehr hohe Blutdruckspitzen erreicht werden.
Letztendlich sollte man sich bewusst machen: Jede körperliche Betätigung hilft. Hat man einige Wochen lang nur zweimal in der Woche kurz Sport getrieben, ist das kein Grund, sich schlecht zu fühlen und den Sport ganz sein zu lassen, weil man sein Pensum nicht erfüllen konnte. Zwar kann häufigere Bewegung den Blutdruck zuverlässiger senken und die eigene Gesundheit noch weiter fördern. Aber auch leichte sportliche Betätigung bringt positive Effekte und ist allemal besser, als gar keinen Sport zu treiben.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.07.2018
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin; Anja Dolski, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Saskia Thérèse Schirmer, Ärztin
  • Quellen: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF: Leitlinien für die Prävention, Erkennung, Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie der Deutschen Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdruckes e.V. (Deutsche Hochdruckliga), Stand: März 2012
  • Elliott WJ, Meyer PM: Incident diabetes in clinical trials of antihypertensive drugs: a network meta-analysis (Lancet. 2007 Jan 20 369(9557):201-7)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Vergleichende Nutzenbewertung verschiedener antihypertensiver Wirkstoffgruppen als Therapie der ersten Wahl bei Patienten mit essenzieller Hypertonie (Vorbericht), 2007
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. und Deutsche Hochdruckliga e.V.: Leitlinie für das Management der arteriellen Hypertonie (http://www.hochdruckliga.de/tl_files/content/dhl/downloads/2014_Pocket-Leitlinien_Arterielle_Hypertonie.pdf)
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2017, Selbstverlag Köln
  • Miamed Amboss: Fachwissen für Mediziner: arterielle Hypertonie
  • Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie
  • Pagonas N, Dimeo F, Bauer F et at. (2014) The impact of aerobic exercise on blood pressure variability. J Hum Hypertens. 28(6):367-71. (abgerufen am 04.01.2018)
  • Pal S, Radavelli-Bagatini S, Ho S. (2013) Potential benefits of exercise on blood pressure and vascular function. J Am Soc Hypertens. 7(6):494-506. (abgerufen am 04.01.2018)
  • Peter Kokkinos. (2014) Cardiorespiratory fitness, exercise, and blood pressure. Hypertension. 64(6):1160-4. (abgerufen am 04.01.2018)
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