Bluthochdruck (Hypertonie) – Diagnose

Da Bluthochdruck lange Zeit keine Symptome verursacht, wird er häufig zufällig festgestellt. Neben der Selbstmessung zu Hause und Blutdruckmessungen beim Arzt, liefert eine Langzeitmessung über 24 Stunden dem Arzt wichtige Informationen, anhand derer er die Diagnose Hypertonie stellen kann.

Die Anamnese – der Ursache des Bluthochdrucks auf der Spur

Hat Ihr Arzt den Verdacht, dass Sie an Bluthochdruck leiden, wird er Sie genau über Ihre Vorerkrankungen, Erkrankungen in Ihrer Familie und von Ihnen eingenommene Medikamenten befragen. Herzerkrankungen, Krankheiten der Nieren und die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus oder ein bereits stattgefundener Schlaganfall können Hinweise darauf liefern, wie lange Ihr Blutdruck schon erhöht ist.

Leiden bereits Ihre Eltern und Großeltern an einer arteriellen Hypertonie, ist das für den Arzt ebenfalls eine wichtige Information. Manche Formen des Bluthochdrucks werden von Generation zu Generation weitergegeben. Auch Ihr Lebensstil spielt eine große Rolle bei der Anamnese. Körpergewicht, sportliche Betätigung Ernährungsgewohnheiten und insbesondere Rauchen und Alkoholkonsum sind bedeutende Risikofaktoren für Bluthochdruck.

Mehrmalige Messungen sind für die Diagnose wichtig

Ein einmalig erhöhter Blutdruckwert lässt nicht unmittelbar auf eine arterielle Hypertonie schließen. Um die Diagnose Bluthochdruck stellen zu können, sind mehrmalige Messungen notwendig. Dazu müssen mindestens drei Blutdruckmessungen an zwei verschiedenen Tagen stattfinden. Sind die Werte bei allen Messungen in der Arztpraxis höher als 140/90 mmHg, erhärtet das die Diagnose.

Zusätzlich sollten Sie Ihren Blutdruck zu Hause selbst messen. Das soll eine falsche Diagnose verhindert. Durch Aufregung, Angst oder andere Emotionen können die Blutdruckwerte beim Arzt erhöht sein, obwohl Betroffene eigentlich keinen zu hohen Blutdruck haben. Dieses Phänomen nennt man Sprechstundendruck oder Weißkittelsyndrom.

In manchen Fällen empfiehlt der Arzt eine Blutdruckmessung über 24 Stunden. Dann wird ein Messgerät in der Arztpraxis angelegt. Man trägt es zu Hause einen ganzen Tag und eine Nacht lang. Den Blutdruck misst das Gerät automatisch. In einem Protokoll notieren Sie Mahlzeiten, Spaziergänge oder Einkäufe und Emotionen wie Ärger, Wut, Freude oder Aufregung.
Gut zu wissen!
Die erste Blutdruckmessung erfolgt an beiden Armen und Beinen, um Blutdruckdifferenzen – beispielsweise durch Gefäßverengungen – auszuschließen. Kleinere Unterschiede sind dabei normal. Ab einer Differenz von 20/15 mmHg wird nach deren Ursachen geforscht. Auch der Puls wird getastet.

Weitere Untersuchungen zur Bluthochdruckdiagnose

Weil Bluthochdruck mit zusätzlichen Erkrankungen – zum Beispiel Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen – einhergehen kann, wird der Arzt eventuell weitere Untersuchungen durchführen. So kann er feststellen, ob und welche anderen Erkrankung für den hohen Blutdruck verantwortlich sind. Sind andere Krankheiten für den Bluthochdruck verantwortlich, spricht man von einer so genannten sekundären arteriellen Hypertonie. Außerdem können bereits durch den Bluthochdruck eingetretene Schäden erkannt und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingeschätzt werden.

Folgende Untersuchungen können zur weiteren Diagnose eingesetzt werden:
  • Laborwerte wie Blutbild, Blutzucker, Blutfettwerte, Gesamtcholesterin, Harnsäure, Mineralstoffe wie Kalium und Natrium, Nierenwerte und eine Urinuntersuchung
  • Elektrokardiogramm (EKG) und Echokardiografie
  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes und der großen Arterien
  • Beurteilung des Augenhintergrundes mithilfe einer Fundoskopie (Augenhintergrundspiegelung)
  • Röntgenaufnahme des Brustkorbes
  • Hormonbestimmungen (zum Beispiel Schilddrüse, Nebenniere)
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.07.2018
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin; Anja Dolski, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Saskia Thérèse Schirmer, Ärztin
  • Quellen: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF: Leitlinien für die Prävention, Erkennung, Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie der Deutschen Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdruckes e.V. (Deutsche Hochdruckliga), Stand: März 2012
  • Elliott WJ, Meyer PM: Incident diabetes in clinical trials of antihypertensive drugs: a network meta-analysis (Lancet. 2007 Jan 20 369(9557):201-7)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Vergleichende Nutzenbewertung verschiedener antihypertensiver Wirkstoffgruppen als Therapie der ersten Wahl bei Patienten mit essenzieller Hypertonie (Vorbericht), 2007
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. und Deutsche Hochdruckliga e.V.: Leitlinie für das Management der arteriellen Hypertonie (http://www.hochdruckliga.de/tl_files/content/dhl/downloads/2014_Pocket-Leitlinien_Arterielle_Hypertonie.pdf)
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2017, Selbstverlag Köln
  • Miamed Amboss: Fachwissen für Mediziner: arterielle Hypertonie
  • Miamed Amboss: Fachwissen für Mediziner: Grundlagen des Kreislaufes
  • Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie
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