Blutgerinnungsstörung (Koagulopathie)

Die Blutgerinnung ist gestört – diese Feststellung sagt zunächst wenig aus. Entscheidend ist, ob das Blut eine zu hohe oder zu niedrige Gerinnungsneigung hat. Am häufigsten ist eine überschießende Blutgerinnung. Sie ist gefürchtet, weil sie Thrombosen, also die Bildung von Blutgerinnseln fördert.

Frau klebt Pflaster auf Finger © Thinkstock

Art der Blutgerinnungsstörung: Thrombophilie

Eine Thromboseneigung, auch Thrombophilie genannt, liegt dann vor, wenn die Fließeigenschaften des Blutes verändert sind. Dies ist bei Änderungen der Blutzusammensetzung, der Blutströmung und der Gefäßwand (Virchow-Trias) der Fall. Die Ursachen für Änderungen einer oder mehrerer dieser Faktoren sind vielfältig. Besondere Risikofaktoren sind die erbliche Veranlagung, das Lebensalter, Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel, Schwangerschaft und östrogenhaltige Medikamente.

Vorsicht vor Lungenembolie

Eine Thrombose in den Venen kann sich durch Schmerzen und Schwellung des betroffenen Beines äußern. Ein Verdacht auf Thrombose sollte sofort ärztlich abgeklärt werden, da eine Lungenembolie entstehen könnte. Dieses Risiko lässt sich durch Heparin und zum Beispiel Phenprocoumon senken. In den Arterien können sich ebenfalls Thromben bilden und ablagern. Sie führen je nach Lokalisation zu einem Schlaganfall, Herzinfarkt oder akuten Gefäßverschluss in den Beinen.

Starke Blutungen steigern die Gerinnungsneigung

Eine gesteigerte Gerinnung, beispielsweise nach ausgedehnten Verbrennungen, nach einer großen Operation oder nach der Entbindung, führt zur Verbrauchskoagulopathie: Wenn der Körper dabei viel Flüssigkeit verliert, ändern sich die Zusammensetzung des Blutes und seine Fließeigenschaft. Außerdem nimmt die Gerinnungsneigung durch Gefäßverletzungen zu.

Allerdings ist die Folge dieser überall ablaufenden Gerinnung ein Verbrauch der Gerinnungsfaktoren (Einweißkörpern im Blut), was zu einer verstärkten Blutungsneigung führt. Insgesamt stellt das einen lebensbedrohlichen Zustand dar. Auch wenn bösartige Tumore (Malignome) durch eine Chemotherapie zerfallen, muss mit einer erhöhten Blutgerinnung gerechnet werden.

Infekte und Tumore können Zahl der Thrombozyten reduzieren

Es gibt aber auch gegenteilige Fälle: eine viel zu schwache Blutgerinnung. Sie kann durch einen Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) entstehen. Normalerweise zirkulieren 200.000 bis 400.000 Thrombozyten pro Mikroliter (µl) in unserem Blut und leben etwa neun bis zehn Tage. In der Regel entsteht eine Blutungsgefahr, wenn die Zahl funktionstüchtiger Blutplättchen unter 30.000/µl fällt. Neben der Behandlung der Grundkrankheit stehen Thrombozytenkonzentrate zur Verfügung.

Infekte, bestimmte Medikamente, Krebserkrankungen, Antikörper oder ein erhöhter Verbrauch können ebenso wie eine Reifestörung bei Vitamin-B12- oder Folsäure-Mangel zur verminderten Gerinnung führen.

Die bekannteste Blutgerinnungsstörung: die Bluterkrankheit

Die bekannteste Blutgerinnungsstörung ist sicherlich die Bluterkrankheit (Hämophilie). Dabei fehlt der Gerinnungsfaktor VIII oder IX. Die Hämophilie war in europäischen Königshäusern weitverbreitet, weil sie sich bei den oft recht engen Verwandtschaftsverhältnissen leicht vererbte. Die erhöhte Blutungsneigung der Patienten wird heute durch die Gabe der fehlenden Gerinnungsfaktoren behandelt. Früher sind viele Betroffene verblutet.

Einige Gerinnungsfaktoren werden von der Leber gebildet und sind von der Vitamin-K-Aufnahme durch die Nahrung abhängig. Bei Lebererkrankungen, etwa infolge von Alkoholsucht, und bei Vitamin-K-Mangel werden diese Gerinnungsfaktoren deshalb nicht mehr ausreichend gebildet. Eine erhöhte Blutungsneigung kann die Folge sein.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.11.2014
  • Autor/in: Blutgerinnungsstörung: Ursache, Therapie, Hilfe
  • Quellen: P. Kumar, Michael C.: Clinical Medicine, W.B. Saunders 1994
  • J. Braun, U. Renz: Klinikleitfaden Innere Medizin, Elsevier 2006
  • A. Hellenbrecht, D. Messerer, N. Gökbuget: "Häufigkeit von Leukämien bei Erwachsenen in Deutschland", Kompetenznetz Leukämie 2003
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