Knochenmarkspende: ein Erfahrungsbericht

Es war eine spontane Aktion, als Anne sich bei einer Veranstaltung für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei registrieren ließ. Und dann kam plötzlich die Nachricht: Du passt! Wie die 26-Jährige ihre Knochenmarkspende erlebt hat.

Zwei Hände halten Puzzleteile © Thinkstock
Vor etwa einem Jahr ließ ich mich mit ein paar Freunden bei einer Veranstaltung für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisieren. Es war eine ziemlich spontane Aktion.
Wattestäbchen für die Registrierung bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) © DKMSWattestäbchen für die Registrierung
Das Ganze ging sehr schnell: Wir mussten nur ein paar Sekunden lang mit einem Wattestäbchen an unserer Mundschleimhaut entlangfahren. Nicht, dass wir uns nichts dabei gedacht hätten – uns war schon klar, dass so möglicherweise einem Menschen das Leben gerettet werden kann.
Die Registrierung habe ich danach relativ schnell wieder vergessen – wurde aber immer mal wieder durch Werbung oder Aufrufe der DKMS daran erinnert. Dann dachte ich: Ob ich wohl jemals als Spender infrage kommen werde? Die Trefferquote wird immerhin mit einem Sechser im Lotto verglichen…

Ein Jahr später kam ein dicker Brief

Fast ein Jahr später hatte ich einen dicken Umschlag von der DKMS im Briefkasten. „Bitte nicht öffnen, sondern zuerst den Brief lesen!“ stand darauf. Ich war ziemlich gespannt, was mich erwarten würde. Das kleine Päckchen war ein Blutentnahme-Set – dazu Infomaterial und ein Brief, in dem mir meine Ansprechpartnerin bei der DKMS genannt und mitgeteilt wurde, dass ich möglicherweise als Spender für einen an Leukämie erkrankten Menschen passe.  

Als ich bei der DKMS anrief, wurden mir sofort sehr freundlich alle Fragen beantwortet, die mir durch den Kopf gingen. Meine Ansprechpartnerin vereinbarte für mich einen Termin bei meinem Hausarzt und ein paar Tage später saß ich auch schon in seiner Praxis. Dort wurde mir Blut abgenommen, um zu testen, ob tatsächlich eine genetische Übereinstimmung mit dem Patienten besteht.

Die Möglichkeit, einem Menschen ein zweites Leben zu schenken

Dann hieß es warten. Nach drei Wochen erhielt ich wieder ein Schreiben der DKMS: Ich war der bestpassendste Spender für den (anonymen) Patienten. Wahnsinn! Ich habe die Möglichkeit, einem Menschen ein zweites Leben zu schenken.  

Nach einem weiteren Telefonat mit meiner DKMS-Betreuerin standen auch schon die Termine für die Voruntersuchung – hierbei geht es vor allem um den Schutz des Spenders – und die Knochenmarkentnahme fest. Für beide Termine sollte ich nach Köln fliegen. Wenige Tage später hatte ich die Flugtickets in der Hand. Auch für eine Freundin, die mich zur Spende begleiten sollte, erhielt ich Reiseunterlagen. Denn jeder Spender darf eine Begleitperson mitnehmen, für die ebenfalls Reise- und Hotelkosten übernommen werden.  

Insgesamt ist die DKMS stets darum bemüht, dass dem potenziellen Spender so wenige Unannehmlichkeiten wie möglich entstehen. Der Arbeitgeber hat die Wahl, ob er die Kosten für den Ausfall seines Arbeitnehmers erstattet oder eine Spendenquittung über diesen Betrag erhalten möchte.

Letzter Schritt vor der Entnahme: die Voruntersuchung

Der Tag der Voruntersuchung kam schnell – und schon saß ich mit einem Fragebogen zu meiner Gesundheit und netten Mitarbeitern der Cellex GmbH in Köln. Das Unternehmen betreut die Untersuchung für die Knochenmarkspende. Die Ärzte von Cellex sind es auch, die später die Entnahme durchführen.  

Die Voruntersuchung lief wie folgt ab: Nachdem ich den Fragebogen ausgefüllt hatte, bekam ich einen Informationsfilm gezeigt, der bereits fast alle meine Fragen beantwortete. Für mich wurde die operative Variante der Knochenmarkentnahme gewählt. Es gibt auch eine nichtoperative Variante – die sogenannte Stammzellapherese zur Stammzellengewinnung. Nach dem Film wurde mir Blut abgenommen, um noch einmal alle Werte und meinen Körper auf absolute Gesundheit zu überprüfen. Es folgten eine körperliche Untersuchung, ein EKG, ein Ultraschall meiner inneren Organe und ein Gespräch mit der leitenden Anästhesistin, die mich über die möglichen Risiken der bevorstehenden Vollnarkose aufklärte.  

Wenige Tage später erhielt ich meinen Befund mit der Bestätigung, dass die Spende tatsächlich stattfinden kann. Da der Termin bereits feststand, musste ich nichts weiter tun – außer auf den Tag der Entnahme zu warten.

Zur Knochenmarkentnahme nach Köln

Annes Zimmer in der Klinik © privatAnnes Zimmer in der Klinik
Da ich nicht aus Köln komme, sollte ich bereits einen Tag vor der Operation anreisen. Die Entnahme fand in einer Privatklinik statt. Die Zimmer waren sehr komfortabel und ich hatte nicht das Gefühl, in einem Krankenhaus zu sein. Am Anreisetag wurde mir erneut Blut abgenommen, um es noch einmal auf mögliche Infektionen zu untersuchen. Anschließend konnte ich den restlichen Abend in Köln genießen.  

Am nächsten Morgen ging es dann auch schon los: Krankenhaushemd an und ab in den OP. Ich habe zuvor noch keine Operation gehabt und war deshalb etwas nervös. Die Aufregung war allerdings nur von kurzer Dauer, da alle OP-Schwestern sehr freundlich waren – und das Narkosemittel ziemlich schnell wirkte… Gefühlt eine Sekunde später wachte ich wieder auf und fand mich im Aufwachraum der Klinik wieder. Kurz darauf wurde ich in mein Zimmer zurückgebracht, wo meine Freundin auf mich wartete.
So funktioniert die Knochenmarkentnahme
Am besten lässt sich Knochenmark aus dem Beckenkamm entnehmen. Je nach Gewicht des Patienten werden zwischen 500 und 1500 Milliliter Knochenmarkblut mithilfe einer Punktionsnadel abgesaugt. Die Operation dauert ungefähr eine Stunde.

Keine Schmerzen – eher eine Art Muskelkater

Anne nach der Knochenmarkentnahme © privatAnne kurz nach der Knochenmarkentnahme
Schmerzen hatte ich kaum – eher eine Art Muskelkater an einer Stelle, an der man ihn nie vermuten würde. Müdigkeit und Benommenheit hielten sich in Grenzen. Es dauerte eine Weile, bis sich mein Kreislauf wieder stabilisiert hatte. Aber das war auch schon alles. Mir ging es gut.

Einen Tag nach der Entnahme konnte ich die Klinik ohne Kreislaufbeschwerden und große Schmerzen schon wieder verlassen und nach Hause fliegen.

Die Spende war ein durchweg positives Erlebnis

Während des gesamten Spendeprozesses – von der möglichen Übereinstimmung über die Voruntersuchung bis zur eigentlichen Entnahme – wurde ich von Seiten der DKMS beziehungsweise Cellex immer wieder gefragt, ob ich wirklich spenden möchte. Doch das habe ich in keinem Moment infrage gestellt. Und nun, da ich mit diesem Erlebnis weder Komplikationen noch starke Schmerzen verbinde, habe ich eine durchweg positive Erinnerung an meine Knochenmarkspende. Ich kann jedem nur empfehlen, sich typisieren zu lassen und – wenn sich die Chance ergibt – selbst Spender zu werden, nicht zu zögern und sich auf diese tolle Erfahrung einzulassen.  

Inzwischen kenne ich Alter, Geschlecht und Herkunftsland „meines“ Patienten. Ich werde die nächsten Monate kräftig die Daumen drücken, bis ich über seinen Gesundheitszustand informiert werde. Der Patient hat durch die Spende nun eine 50:50-Chance auf Heilung. Ich wünsche ihm alles Gute!
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.04.2015
  • Autor/in: Annegret Beick; vitanet.de
  • Quellen: Deutsche Stammzellspenderdatei: Ablauf einer Spende (https://www.stammzellspenderdatei.de/informationen-stammzell-knochenmarkspender/ablauf-spende.php)