Therapie bei Blasenentzündung: Pflanzliche Mittel

Pflanzliche Mittel eignen sich für die Therapie einer Blasenentzündung.  Sie wirken harntreibend und antibakteriell. Doch auch pflanzliche Mittel können Neben- und Wechselwirkungen haben und sollten nicht jederzeit bedenkenlos eingenommen werden.

Bärentraubenblätter wirken bei einer Blasenentzündung antibakteriell

Die Wirkstoffe der Bärentraubenblätter können als Tabletten, Dragees, Tropfen oder Tee eingenommen werden. Sie gelangen über den Verdauungsweg in die ableitenden Harnwege. Dort wirken sie antibakteriell. Man bezeichnet Bärentraubenblätter beziehungsweise deren Extrakte auch als Harndesinfizienz.

Für Schwangere, Stillende und Kinder unter zwölf Jahren sind die Produkte mit Bärentraubenblättern nicht geeignet. Die pflanzlichen Mittel sollten bei einer Blasenentzündung außerdem nicht länger als eine Woche und nicht öfter als fünfmal im Jahr eingenommen werden. Bei langdauernder Anwendung besteht die Gefahr von Leber- und Nierenschäden.

Harntreibende pflanzliche Mittel: Keime werden ausgespült

Harntreibende pflanzliche Mittel sollen die Keime, die eine Blasenentzündung auslösen, ausspülen. Experten bezeichnen das als Durchspülungstherapie. In der Apotheke erhalten Sie Medikamente gegen Blasenentzündung mit verschiedenen pflanzlichen Mitteln – oft auch als Kombinationen mehrerer pflanzlicher Wirkstoffe. Harntreibend wirken beispielsweise Extrakte aus Birkenblättern, Orthosiphonblättern, Goldrutenkraut, Schachtelhalmkraut oder Hauhechelwurzel. Die Pflanzenextrakte werden als Tee, Tabletten, Kapseln, Dragees, Brausetabletten oder Tropfen angeboten.

Bitte beachten Sie, dass für diese Phytopharmaka keine ausreichenden, aussagekräftigen Studien zur Wirksamkeit vorliegen. Deshalb sollten sie bei einer Blasenentzündung nur unterstützend eingenommen werden. Vor allem Schwangere, Kinder, ältere Menschen und Patienten mit komplizierten Harnwegsinfekten sollten sich nicht nur auf diese Mittel verlassen, sondern vorher unbedingt zum Arzt gehen.

Cranberrys bei Blasenentzündung – Beeren-starke Unterstützung?

Bis vor Kurzem nahm man an, dass die herbsüße amerikanische Moosbeere (Cranberry) Harnwegsinfekte – besonders Blasenentzündungen – beseitigen könne. Die in den Cranberrys enthaltenen Farbstoffe, die Anthocyane, – so dachte man – sollten verhindern, dass sich Keime an die Blasenwand heften können. Man ging davon aus, dass sie stattdessen bei der nächsten Blasenentleerung aus dem Körper gespült würden. Reichlich trinken sollte diese Wirkung noch unterstützen.

Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass Patienten mit einem Harnwegsinfekt nicht von der Einnahme von Cranberries profitieren. Frühere Studien haben meist ungenaue Diagnosekriterien angelegt und sind aufgrund dessen zu falsch positiven Ergebnissen gekommen. Bei eindeutigen, also laborchemisch und klinisch nachgewiesenen Harnwegsinfekten verbesserten sich die Symptome durch die Einnahme von Cranberries nicht.

Vorsichtig mit der Einnahme von Cranberries sollten Patienten sein, die außerdem den Wirkstoff Warfarin (einen Gerinnungshemmer) einnehmen.

Pflanzliche Wirkstoffe gegen Blasenentzündung

  • Extrakt aus Bärentraubenblättern
  • Goldrutenkraut-Trockenextrakt
  • Trockenextrakt aus Birkenblättern
  • Trockenextrakt aus Bärentraubenblättern
  • Extrakte aus Orthosiphonblättern
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.02.2017
  • Autor/in: Dr. Borgwart, Medizinjournalistin; Elisabeth Kanz, Apothekerin und Fachjournalistin für Medizin und Pharmazie; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de; Redaktion vitanet.de: Anja Dolski, Medizinredakteurin.
  • Quellen: Zusätzliche Quellen: Juthani-Mehta, Manisha et al. (2016): Effect of cranberry capsules on bacteriuria plus pyuria among older women in nursing homes (http://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2576822)
  • Nicolle, Lindsay E. (2016): Cranberry for prevention of urinary tract infection? (http://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2576821)
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