Therapie der Blasenentzündung: Antibiotika gezielt einsetzen

Mittel der Wahl gegen Harnblasenentzündungen (kurz: Blasentzündung, medizinisch: Zystitis) gibt es einige. Sie sollen den Erreger sicher bekämpfen und keine bis wenige unerwünschte Nebenwirkungen haben. Oft werden Antibiotika eingesetzt, die den Stoffwechsel des Erregers hemmen, sodass dieser sein Wachstum einstellt (bakteriostatisch) oder der Keim sogar abgetötet wird (bakteriozid).

Viele Ärzte verschreiben bei einer Blasenentzündung Nitrofurantoin oder Fosfomycintrometamol. Diese Medikamente entfalten ihre volle Wirkung im Urin. Während der Therapie einer Blasenentzündung mit Nitrofurantoin ist Alkohol absolut tabu. Muss es über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, sollten regelmäßig Blutbild, Leber- und Nierenwerte überprüft werden. Die Langzeiteinnahme – beispielsweise zur Vorbeugung eines Wiederauftretens von Harnwegsinfekten (Rezidivprophylaxe) – sollte auf sechs Monate begrenzt werden.

Gute Wirksamkeit haben auch Aminopenicilline gemeinsam mit Betalaktamasehemmern. Als Reservemittel gelten Fluorchinolone – deren Wirkstoff wird manchmal auch als Mittel der ersten Wahl betrachtet. Trimethoprim wird aufgrund bereits vieler Resistenzen meistens nicht mehr bei einer Blasenentzündung verordnet.

Oft klingen die Symptome schon ab, bevor der Einnahmezyklus für Antibiotika – in der Regel drei bis fünf Tage – beendet ist. Auf keinen Fall sollten die Antibiotika jedoch dann schon abgesetzt werden. Denn das kann nicht nur dazu führen, dass die Infektion wieder aufflammt, weil die Erreger noch gar nicht vollständig abgetötet sind, sondern auch, dass sie resistent gegen das Antibiotikum werden, also nicht mehr darauf ansprechen.

Antibiotika auch in der Schwangerschaft?

Viele Frauen scheuen mit Rücksicht auf das ungeborene Kind die Einnahme von Antibiotika in der Schwangerschaft. Gerade in dieser Zeit gilt aber: Eine konsequente Antibiotikatherapie schützt die Gesundheit von Mutter und Kind. Unbehandelte Blasenentzündungen können nicht nur zu bleibenden Schäden bei der Mutter führen, sie können auch vorzeitige Wehen auslösen. Bei einer Blasenentzündung kann also auf Antibiotika nicht verzichtet werden.

Die Ärztin oder der Arzt wird dann ein Antibiotikum wählen, das auch in der Schwangerschaft unbedenklich ist – zum Beispiel Penicillin, Cephalosporine und Erythromycin. Zu beachten ist, dass bestimmte Antibiotika die Wirkung von Folsäure mindern. Zu diesen Antibiotika gehören Trimethoprim und Sulfonamide, die in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten nicht eingenommen werden sollten. Sulfonamide eignen sich auch nicht für die Therapie einer Blasenentzündung in den letzten Schwangerschaftswochen, weil sie die Neugeborenengelbsucht noch verstärken können.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt neben Penicillin (zum Beispiel Amoxicillin) auch Nitrofurantoin als Mittel der ersten Wahl. Manche Veröffentlichungen weisen jedoch darauf hin, dass die Einnahme von Nitrofurantoin auf die ersten sechs Schwangerschaftsmonate begrenzt werden sollte, weil es im letzten Schwangerschaftsdrittel die Neugeborenengelbsucht verstärken könne.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.02.2017
  • Autor/in: Dr. Borgwart, Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Leitlinie Harnwegsinfektionen: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie und Management unkomlizierter bakterieller ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-044l_S3_Harnwegsinfektionen.pdf)
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