Autoimmunhepatitis (AIH)

Die Autoimmunhepatitis (AIH) ist eine seltene chronisch-entzündliche Autoimmunkrankheit, bei der das eigene Immunsystem Zellen der Leber angreift. Eine gestörte Immunreaktion führt bei dieser Krankheit dazu, dass Antikörper gebildet werden, die sich vor allem gegen Antigene auf den Membranen von Leberzellen richten. Auf diese Weise entsteht eine Leberentzündung (Hepatitis).

Frauen leiden viermal häufiger unter Autoimmunhepatitis als Männer. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten. Bei den meisten Betroffenen bricht sie jedoch zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr aus. Über die Ursachen der Krankheit ist bis heute nur wenig bekannt.

Unspezifische Symptome bei Autoimmunhepatitis

Bei Autoimmunhepatitis sind meist die Leber und die Milz vergrößert. Hinzu kommen unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit, Schwäche, Gewichtsverlust, Juckreiz, Oberbauchbeschwerden, Fieber oder Durchfall. Auch Gelenkbeschwerden und -entzündungen können auftreten. Typische Anzeichen einer chronischen Lebererkrankung sind sogenannte Leberhautzeichen. Das sind charakteristische Veränderungen der Haut wie beispielsweise Lebersternchen (Spider naevi). Sie können auch bei Autoimmunhepatitis auftreten.

Wer unter AIH leidet, hat zudem meist bestimmte Begleiterkrankungen. Dazu gehören etwa Gallensteine, chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa und Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder der Schilddrüse. Außerdem leiden etwa 15 bis 30 Prozent der Betroffenen unter einer weiteren Autoimmunerkrankung der Leber, der primär biliären Zirrhose.

Frühe Diagnose und Therapie sind wichtig bei Autoimmunhepatitis

Da die Autoimmunhepatitis unbehandelt zu einer Leberzirrhose führt und tödlich enden kann, ist es wichtig, die Krankheit möglichst frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln. Die Diagnosestellung erfolgt über eine Blutuntersuchung. Bestimmte Blutwerte sind besonders aussagekräftig: Bei AIH sind die Transaminasen GPT und GOT sowie das Immunglobulin G erhöht. Zudem können im Blut bestimmte Antikörper nachgewiesen werden. Dazu gehören: ANA (Antikörper gegen Zellkerne), SMA (Antikörper gegen glatte Muskelfasern), LKM1 (Antikörper gegen Mikrosomen von Leber- und Nierenzellen), SLA (Antikörper gegen ein Leberantigen) und p-ANCA (Antikörper gegen Zellstrukturen in bestimmten weißen Blutkörperchen). Je nachdem, welche dieser Antikörper in welchen Mengen im Blut vorkommen, können verschiedene Formen der Autoimmunhepatitis unterschieden werden.

Ist die Diagnose sicher, muss sofort mit einer medikamentösen Therapie begonnen werden. Dabei kommen Kortisonpräparate (hier meist: Prednisolon) entweder allein oder in Kombination mit Immunsuppressiva zum Einsatz. Nimmt der Patient Immunsuppressiva ein, also Medikamente, die die Reaktion des Immunsystems unterdrücken, reicht meist eine geringere Kortisondosis aus. Je nach Verlauf und Form der Autoimmunhepatitis muss die medikamentöse Therapie individuell auf jeden einzelnen Patienten angepasst werden. Meist wird versucht, die Kortisondosis während der Behandlung zu reduzieren, bis eine sogenannte Erhaltungsdosis erreicht ist.

Wird die Autoimmunhepatitis richtig behandelt, ist die Prognose gut. Die Betroffenen haben eine fast normale Lebenserwartung. In seltenen Fällen kommt es jedoch vor, dass die Patienten nicht auf die medikamentöse Therapie ansprechen. Dann kommt eine Lebertransplantation infrage.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.02.2017
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Beatrix Deiss, Medizinredakteurin; Christina Wiener, Medizinredakteurin
  • Quellen: Konsensus der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten: Therapie der autoimmunen Hepatitis, primär biliären Zirrhose und primär sklerosierenden Cholangitis
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