Arthrose: Orthopädische Hilfsmittel

Manche Arthrosepatienten empfinden so starke Schmerzen, dass sie jede Bewegung vermeiden. Das hat oft vielerlei Auswirkungen auf und Einschränkungen im Alltag zur Folge. In diesem Fall sind orthopädische Hilfsmittel wie Gehstock, Vier-Punkt-Stock, Unterarmgehstütze, Rollator oder Deltarad sinnvoll: Sie können den Bewegungsschmerz lindern. Außerdem verleihen sie Stabilität.

Zu bedenken ist nämlich, dass sich die Sturzgefahr durch starke Schmerzen erhöht: Bei der Coxarthrose zum Beispiel knicken die Beine leicht weg.

Bei Hilfsmitteln gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich

Allerdings gilt für orthopädische Hilfsmittel jeglicher Art das Prinzip: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. „Bevor ein Patient ein Hilfsmittel erhält, sollte zuerst ein Maximum an Eigenaktivität therapeutisch erarbeitet werden. Hilfsmittel haben den Nachteil, dass sie noch vorhandene Aktivität nehmen", sagt Günter Adlung, leitender Physiotherapeut im Evangelischen Geriatriezentrum Berlin (EGZB).

Wenn ein Patient ein Hilfsmittel erhält, sollten Physiotherapeuten und Ärzte in regelmäßigen Abständen prüfen, ob das Hilfsmittel noch nötig ist. Möglicherweise haben die Schmerzen inzwischen nachgelassen. In diesem Fall wäre das Hilfsmittel kontraproduktiv: Der Patient würde sein Bewegungspotenzial nicht vollständig ausschöpfen und durch das mangelnde Training Fähigkeiten einbüßen.

Von Achselgehstützen bis Vier-Punkt-Stock

Für Patienten mit Arthrose gibt es eine Reihe von Hilfsmitteln, die ihre Mobilität erhalten und ihre Schmerzen lindern können:

Ein Gehstock und ähnliche Gehilfen entlasten die Knie- und Hüftgelenke von Arthrosepatienten. Außerdem verbessern sie das Gleichgewicht, da sie die Unterstützungsfläche vergrößern. Dies trifft allerdings nur zu, wenn der Patient den Gehstock auf der nicht betroffenen oder weniger betroffenen Seite hält. Ein Gehstock hat den Vorteil, leicht und handlich zu sein. Allerdings bietet er – verglichen mit anderen Gehhilfen – nur geringe Sicherheit. Unterarmgehstützen verleihen größere Stabilität. Aber: „Sie belasten durch die rotierten Arme die Brustwirbelsäule. Sie sind keine Dauerlösung – auch, weil sie die Handgelenke stark belasten", so Adlung..

Achselgehstützen sind für die Handgelenke schonender, doch beeinträchtigen auch sie die Lendenwirbelsäule. Außerdem sind sie sehr sperrig. Ein Vier-Punkt-Stock empfiehlt sich nur in Ausnahmesituationen, da er den normalen Ablauf des Gehens stört. Auch passt er oft nicht auf Treppenstufen, was ihn zum Sturzrisiko werden lässt. Seine breiten, in den Raum ragenden Standfüße stellen eine zusätzliche Stolpergefahr dar.

Vier-Rad-Rollator bietet großen Komfort

Wenn ein Stock nicht ausreicht, ist ein Rollator – auch Gehwagen genannt – empfehlenswert. Es gibt einen Drei-Rad-Rollator (Physiotherapeuten sprechen auch von Deltarad), der klein, wendig und auch zusammenklappbar ist. Sein Nachteil: Es besteht Kippgefahr und es fehlt die Möglichkeit, etwa den Einkauf zu transportieren.

Mehr Stabilität und Komfort verleiht ein Vier-Rad-Rollator:
  • seine Sitzfläche ermöglicht Arthrosepatienten Sitzpausen
  • eine Feststellbremse sorgt für Sicherheit
  • es lässt sich ein Tablett oder ein Korb anbringen
  • es ist ein flüssiger Gangrhythmus möglich
Für Patienten, die zu schnellen und überschießenden Vorwärtsbewegungen neigen (zum Beispiel Parkinsonpatienten), ist der Vier-Rad-Rollator allerdings nicht geeignet: Der Rollator rollt leicht nach vorne weg und führt auf diese Weise zum Sturz. Diesen Patienten ist mit einem Zwei-Rad-Rollator besser gedient, der vorne Räder und hinten Gummistopper hat. Er verleiht größere Stabilität, wenn er auch einen flüssigen Gang verhindert und keine Sitz- sowie Transportmöglichkeit bietet.

Gute Stoßdämpfer: Weichgummisohlen und Pufferabsatz

Insbesondere bei einer Arthrose des Fußes und des Sprunggelenks können Maßschuhe und Einlagen sinnvoll sein. Eine Weichgummisohle, ein Pufferabsatz oder Abrollhilfen besitzen einen Stoßdämpfer-Effekt und tragen so zur Linderung der Schmerzen bei. Schienen bieten sich gelegentlich bei Sprunggelenkarthrose, Handgelenkarthrose oder Daumensattelgelenkarthrose an. Sie werden allerdings nur noch selten verordnet.

Außerdem gibt es Hilfsmittel für spezielle Alltagssituationen:
  • Toilettensitzerhöhung für Patienten mit Kniearthrose und Hüftgelenkarthrose
  • ein Sitzkissen (Arthrodesenkissen) mit Vertiefung für die betroffene Seite nimmt den Druck bei Hüftgelenkarthrose
  • Strumpfanzieher
  • helfende Hand: ein Metallstab mit Kralle am unteren Ende – mit der sich Dinge ohne Bücken vom Boden aufheben lassen
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.07.2014
  • Autor/in: Dr. med. Kathrin Fahl, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: M. Hackenbroch: Arthrosen. Basiswissen zu Klinik, Diagnostik und Therapie, Thieme-Verlag Stuttgart 2002
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