Arthrose: Entstehung und Verlauf

Die Entstehung einer Arthrose ist von vielen Faktoren abhängig – der genaue Mechanismus ist bisher noch nicht geklärt. Bewegung spielt aber eine große Rolle. 

Warum eine Arthrose entsteht

Arthrose entsteht in der Regel, wenn ein Gelenk stärker beansprucht wird, als es belastbar ist, etwa durch schwere körperliche Arbeit, zu viel gelenkbelastenden Sport oder ein zu hohes Körpergewicht. Die Belastbarkeit der Gelenke mindert sich im Laufe des Alterungsprozesses oder aufgrund von Stoffwechselstörungen.

Außerdem ist ein vorgeschädigtes Gelenk anfälliger für Arthrose: Verletzungen, Entzündungen oder Fehlstellungen im Gelenk erhöhen das Arthroserisiko. Aber auch jüngere Menschen ohne Gelenkvorerkrankungen erkranken an Arthrose. Genetische und Umweltfaktoren, Geschlecht und Stoffwechselerkrankungen können bei der Entwicklung einer Arthrose ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Daneben könnten auch spezielle Zytokine am Knorpelabbau maßgeblich beteiligt sein. Zytokine sind Eiweißstoffe, die unter anderem das Zellwachstum beeinflussen. Weißes Fettgewebe, das bei Übergewicht in größeren Mengen im Körper vorhanden ist, produziert diese Zytokine. Da diese Stoffe den Knorpelabbau verstärken können, haben sie Einfluss auf den Stoffwechsel und sind somit Teil einer metabolischen Ursache der Arthrose (silent inflammation).

Veränderter Stoffwechsel in den Knorpelzellen führt schließlich zu Arthrose

Durch diese Faktoren kommt es zunächst zu einem veränderten Stoffwechsel in den Knorpelzellen. Der so veränderte Knorpel bekommt leicht Risse und Brüche. Dies führt wiederum dazu, dass bei Druck kleine Knorpelstücke herausbrechen können, ihrerseits die Knorpel-Oberfläche schädigen und ein Fortschreiten der Arthrose verursachen.

Beginn der Arthrose: Knorpelschädigung und Reparaturversuch

Für die regelrechte Gelenkmechanik ist gesunder Knorpel entscheidend. Die Funktion des Knorpels wird durch den Stoffwechsel der Knorpelzellen gesteuert. Im physiologischen Zustand halten sich Auf- und Abbau von Knorpelgewebe die Waage.

Kontinuierlich geht Knorpel verloren
Das Gleichgewicht zwischen Auf- und Abbau von Knorpel kann durch schädigende Einflüsse – zum Beispiel Fehlstellungen und damit Fehlbelastungen oder innere Störfaktoren wie Veränderungen im Hormonhaushalt – zugunsten des Abbaus verschoben werden. Die Mechanismen sind im Einzelnen zwar immer noch Gegenstand der Forschung, aber das Hauptmerkmal bei Arthrose ist der kontinuierliche Verlust von Knorpelsubstanz (Degeneration).

Gesteigerte Knorpelproduktion soll den Schwund ausgleichen
Anfänglich versuchen die Knorpelzellen durch gesteigerte Produktion den Schwund auszugleichen. Dieser Reparaturversuch kann jahrelang anhalten. Irgendwann wird aber der Punkt erreicht, an dem die Grenzen der Selbstheilung überschritten sind: Die auslösende Schädigung mit nachfolgender Reparaturaktivität mündet in Gewebeverlust, der nicht mehr aufzuhalten ist. Es kommt folglich zu Funktionsbeeinträchtigungen, deren Ursache bis jetzt nicht behandelbar ist. Dies ist der Beginn der Arthrose. Der Knorpel ist bei der Entstehung von Arthrose zentraler Ort des Geschehens.

Fortgeschrittene Arthrose: Die typischen Veränderungen im Knochen

Zu Beginn der Arthrose findet die sogenannte Knorpelerweichung mit Rissbildung und langsam einsetzendem Knorpelabrieb statt. Die Knorpeloberfläche ist nicht mehr glatt und glänzend, sondern rau und stumpf. Mit zunehmender Krankheitsdauer nehmen die Tiefe und die Zahl der Risse und Defekte zu. Schließlich liegt der eigentlich vom Knorpel geschützte Knochen frei. Im Knochen werden dadurch Reparaturversuche in Gang gesetzt: Es zeigen sich knöcherne Anbauten an den Rändern (Osteophyten) und innerhalb des Knochens bilden sich Hohlräume (Zysten), die die Festigkeit des Knochens reduzieren. Der gelenknahe, tragende Knochen verdickt sich (Sklerosierung) und der Gelenkspalt wird schmaler.

Gelenkerguss bei Arthrose

Während der massiven Veränderungen im Knorpelstoffwechsel wird eine Begleitreaktion der Kapsel angeregt. Es kommt zur Bildung eines Gelenkergusses. Dieser wird nicht durch Erreger ausgelöst, sondern durch die mechanische Reizung. Im Erguss befindliche Enzyme verstärken ihrerseits den Abbau der Knorpelsubstanz. Ein krankhafter Kreislauf setzt ein.

Auch betroffen: Meniskus, Diskus und Muskeln

Gelenkscheiben und Zwischenknorpel verändern sich ebenfalls degenerativ. Sie können der wachsenden Beanspruchung unter Umständen nicht standhalten und gehen kaputt. Auch die gelenknahe Muskulatur reagiert mit. Sie verspannt und verkürzt sich langfristig, was wiederum die Stabilität des Gelenkes verschlechtert.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.09.2019
  • Autor/in: Dr. med. Kathrin Fahl, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: M. Hackenbroch: Arthrosen. Basiswissen zu Klinik, Diagnostik und Therapie, Thieme-Verlag Stuttgart
  • Liao L, Chen Y, Wang W: The current progress in understanding the molecular functions and mechanisms of visfatin in osteoarthritisRahman MW, Kopec JA, Cibere J, Goldsmith CH, Anis AH: The relationsship between osteoarthritis and cardiovascular disease in a population healths survey cross-sectional study
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