Therapie bei Altersbeschwerden: Ginkgo biloba

Bei einigen demenzbedingten Altersbeschwerden kann die Einnahme von Ginkgo-biloba-Extrakten (Lebensbaum) helfen. Die Anwendung der Arzneipflanze hat eine lange Tradition: Sie wird bei Durchblutungsstörungen eingesetzt, soll die kognitiven Fähigkeiten verbessern und gegen dementielle Entwicklungen helfen.

Ginkgo-Extrakte werden empfohlen bei

  • alters- oder gefäßbedingten Hirnleistungsstörungen (demenzielles Syndrom) mit Symptomen wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, schnellen Ermüdungserscheinungen, Antriebs- und Motivationsmangel, altersbedingter depressiver Verstimmung, Schwindel, Ohrensausen oder Kopfschmerzen
  • Schwindel (gefäßbedingter bzw. organischer Ursache)
  • Tinnitus (Ohrgeräusche – gefäßbedingter bzw. organischer Ursache)
Vielfach werden Extrakte aus der Ginkgo-Pflanze angeboten. Sie sollen bestimmte Neurotransmitter – also Botenstoffe des Gehirns – bilden und auch die Fließgeschwindigkeit des Blutes verbessern. Sie werden als Antidementiva angewandt.

Wirkt Ginko biloba? Die aktuelle Studienlage.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat in seinem Bericht vom November 2008 – allerdings nur den medizinischen Zubereitungen in hohen Dosen aus Ginkgo biloba – bezüglich der Aktivitätsverbesserung des täglichen Lebens bei Demenzkranken einen Nutzen bestätigt. Bei allen weiteren Anwendungen, wie beispielsweise den kognitiven, also den bewussten, intellektuellen Fähigkeiten, ergaben sich nur geringe Hinweise auf eine Wirkung.  

In einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2017 werden positive Effekte auf das Verhalten von Demenzpatienten beschrieben:  Verstimmtheit, Angst, Apathie und Schlaf besserten sich, allerdings zeigte sich kein Effekt auf psychotische Symptome wie Wahnvorstellungen. Nicht an Demenz Erkrankte wurden hier nicht untersucht.  

Die Verbesserung der Durchblutung in den Beinen und damit die Verlängerung der möglichen Gehstrecke war Thema einer Übersicht der cochrane collaboration: Ein geringer Vorteil der mit dem Ginkgo biloba Extrakt behandelten Patienten war erkennbar. Er reicht aber nicht aus, um klinisch signifikant zu sein.  

Abgesehen von der traditionellen Nutzung von Ginkgo, scheint der nachgewiesene Nutzen eher begrenzt. Wichtig zu beachten ist, dass die Studien mit standardisierten Extrakten in einer Dosierung von 240mg/Tag über eine Dauer von mehr als 22 Wochen durchgeführt wurden. Wässrige Zubereitungen (z.B. Tee) enthalten andere Inhaltsstoffe und die Ergebnisse sind daher nicht übertragbar.
Ginkgo-Extrakte helfen nicht bei Depressionen
Ginkgo-Extrakte eignen sich wenn, dann nur zur Behandlung von „altersbedingten“ depressiven Verstimmungen. Gemeint sind Gemütsschwankungen, die im Rahmen des Alterungsprozesses auftreten, keine echten Depressionen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 26.02.2018
  • Autor/in: Elisabeth Kanz, Apothekerin und Fachjournalistin für Medizin und Pharmazie; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de; Susanne Segebrecht, Ärztin und Apothekerin;
  • Quellen: 1 IQWiG-Berichte - Jahr: 2008 Nr. 39 Ginkgohaltige Präparate bei Alzheimer Demenz
  • Treatment effects of Ginkgo biloba extract EGb 761® on the spectrum of behavioral and psychological symptoms of dementia: meta-analysis of randomized controlled trials Egemen Savaskan (a1), Heiko Mueller (a2), Robert Hoerr (a2), Armin von Gunten (a3) ... https://doi.org/10.1017/S1041610217001892 Published online: 21 September 2017
  • From the Cochrane library: Ginkgo biloba for intermittent claudication. Nicolaï SP1, Gerardu VC, Kruidenier LM, Prins MH, Teijink JA. Vasa. 2010 May;39(2):153-8. doi: 10.1024/0301-1526/a000021.
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