Behandlung der ALS-Symptome (Amyotrophe Lateralsklerose)

Die symptomatische Therapie der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) zielt darauf ab, die Begleiterscheinungen der Krankheit so gut es geht abzumildern. Dafür stehen unterschiedliche Methoden und Medikamente zur Verfügung.

Krämpfe

Für die Behandlung von Krämpfen gibt es einige bewährte Arzneistoffe. Ergänzend zu diesen, kann Magnesium gegeben werden. Wichtig ist die regelmäßige krankengymnastische Betreuung, gegebenenfalls in Verbindung mit Hydrotherapie (Wassertherapie).

Muskelzuckungen (Faszikulationen)

Diese kleinen, von außen sichtbaren Muskelzuckungen treten auch bei gesunden Menschen auf und sind häufig völlig harmlos. Sie sind aber auch ein typisches Symptom bei ALS und werden von den Kranken als sehr unangenehm empfunden. „Therapeutisch besteht hier die Möglichkeit, etwa durch detonisierende Maßnahmen im Rahmen der Physiotherapie einzugreifen“, erklärt Physiotherapeut Alexander Ratzinger von der Charité Berlin.

Lähmungen (Paresen)

Funktionsstörungen, wie die Lähmungen (Paresen) können bei ALS nicht behandelt werden. „Ziel der Therapie ist stattdessen der Erhalt der Restfunktion und die Vermeidung schmerzhafter Fehlstellungen“, so Ratzinger.

Spastik

Bei ausgeprägter Spastik wird regelmäßige Physiotherapie empfohlen. Hydrotherapie (Wassertherapie) mit Übungen in warmen Pools (32 – 34°) und Kryotherapie (gezielter Einsatz von Kälte) können hilfreich sein. Antispastika (krampflösende Mittel) wie beispielsweise Baclofen und Tizanidin können manchmal ebenfalls helfen. Allerdings sollten diese Medikamente möglichst niedrig dosiert eingesetzt werden, da durch Muskelentspannung die Lähmungssymptome verstärkt werden können.

Sprechstörungen (Dysarthrie)

Im fortgeschrittenen Stadium kommt es bei ALS-Patienten häufig zu Sprechstörungen, sogenannten Dysarthrien. Hier kann eine Behandlung durch Logopäden (Sprachtherapeuten) helfen, um die Sprachverständlichkeit so lange wie möglich zu erhalten. Bei weit fortgeschrittenen Sprechstörungen ist der Einsatz von Hilfsmitteln wie Computern mit Sprachausgabe sinnvoll.

Schluckstörungen (Dysphagie)

Im Laufe der ALS-Erkrankung entwickeln Patienten häufig Schluckstörungen, so dass nur Nahrung einer bestimmten Konsistenz aufgenommen werden kann; zu flüssige, aber auch zu feste Speisen sind für den Betroffenen sehr schwer zu verzehren. In der Situation können hochkalorische Nahrungszusätze (Astronautenkost) verschrieben werden und das Erlernen bestimmter Schlucktechniken durch qualifizierte Logopäden kann den Patienten helfen. Mit fortschreitender Erkrankung aber kann das Schlucken zunehmend beeinträchtigt oder unmöglich werden.

Abgesehen von hierdurch ausgelösten Komplikationen, muss Mangelernährung und dadurch bedingter Schwäche entgegengesteuert werden; die Ernährung über eine PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie) wird erforderlich. Diese wird von außen durch die Haut mit Zugang zum Magen gelegt. Mit so einer Ernährungssonde kann der Patient versorgt werden, wenn die orale Nahrungsaufnahme nicht mehr ausreichend ist. Wichtig ist in jedem Fall, die Art und Weise der Nahrungsaufnahme an das jeweilige Krankheitsstadium anzupassen und das normale Essen so lange wie möglich beizubehalten, da dies in hohem Maße mit Wohlbefinden, Geselligkeit und angenehmer Atmosphäre verbunden ist.

Speichelfluss (Sialorrhoe)

Die Lähmungserscheinungen der Muskulatur im Mundbereich und der gestörte Schluckakt führen häufig dazu, dass ALS-Patienten an einer sogenannten Sialorrhoe leiden – dabei fließt der Speichel ungehindert aus dem Mund. Patienten empfinden das meist als sehr belastend. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Speichel in die Luftröhre und die Lunge gelangt und zu Atemproblemen führt. Deshalb wird von therapeutischer Seite versucht, die Speichelproduktion herabzusetzen und symptomatisch Linderung verschaffen, etwa durch sogenannte Anticholinergika. Neuerdings kann auch die Injektion von Botulinumtoxin Typ A (Botox) in die Speicheldrüsen oder eine Bestrahlung der Speicheldrüsen vorgenommen werden.

Zwanghaftes Lachen und Weinen

Etwa die Hälfte aller ALS-Patienten leidet zeitweilig oder dauerhaft an zwanghaftem Lachen oder Weinen, manchmal auch zwanghaftem Gähnen. Diese sogenannte Affektlabilität kann sowohl für Patienten als auch das soziale Umfeld zur Belastung werden, lässt sich aber medikamentös behandeln. Dafür kommen verschiedene Wirkstoffe in Frage, die beispielsweise auch zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden, etwa Lithium oder Citalopram. Auch Dopamin kommt zum Einsatz. Wenn die Anfälle nicht häufig auftreten oder nicht als große Belastung empfunden werden, kann auf eine Behandlung aber auch verzichtet werden.

Atemprobleme (Respiratorische Insuffizienz)

Am Ende des typischen Krankheitsverlaufes bei ALS steht die fortschreitende Lähmung der Atemmuskulatur und die damit einhergehenden Atemprobleme. Am Anfang dieser letzten Krankheitsphase klagen Patienten häufig über Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit oder Atemnot beim Sprechen. Anfangs lassen sich die Symptome mit einer begleitenden Atemtherapie durch Krankengymnastik positiv beeinflussen.

Allerdings müssen sich Patienten spätestens jetzt entscheiden, ob sie im Falle einer kompletten Ateminsuffizienz künstlich beatmet werden wollen oder auf diese Maßnahme verzichten möchten. Bei Betroffenen, die sich gegen eine künstliche Beatmung entscheiden, können Medikamente helfen. Patienten sollten auf jeden Fall eine Patientenverfügung verfassen, damit sie sicher sein können, dass ihren Wünschen von Angehörigen und Ärzten auch entsprochen wird.

Die Beatmung erfolgt vorzugsweise in Form einer nicht-invasiven Beatmung über eine Maske, manchmal auch zunächst nur nachts. Das atman - netzwerk für Beatmungspflege berichtet in einer Broschüre über Patienten in den USA, die mehr als zehn Jahre bei guter Lebensqualität künstlich beatmet wurden.

Das Thema Beatmung stellt einen Bereich dar, der umfassende Vorbereitung und viel Wissen erfordert. Eine rechtzeitige Aufklärung und Planung sind für den einzelnen Patienten von größter Wichtigkeit.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.01.2014
  • Autor/in: Dr. Susanne Segebrecht, Charité – Universitätsmedizin Berlin; Markus Zens, Wissenschaftsjournalist, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Amyotrophe Lateralsklerose, Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 4. überarbeitete Auflage, ISBN 978-3-13-132414-6; Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Ein Ratgeber für Betroffene und Pflegende atman - Netzwerk für Beatmungspflege e. V., März 2011
  • Kollewe, K, Andersen PM, Borasio GD et al.: Klinische Leitlinien zur Behandlung der Amyotrophen Lateralsklerose. Nervenheilkunde 4/2008
  • Rosseau, Simone, Charité Zentrum für außerklinische Beatmung und Sauerstofftherapie (CABS): Beatmungstherapie. Vortrag am ALS-Tag in der Charité – Universitätsmedizin Berlin, 19.3.2011
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