Therapie der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS)

Die Therapie der ALS gestaltet sich außerordentlich schwierig. Da der Entstehungsmechanismus der Erkrankung nicht bekannt ist, gibt es zurzeit keine ursächlich wirkende Therapie, mit der sich ALS heilen ließe. Das einzige für die Behandlung der ALS zugelassene Medikament ist Rilutek® mit dem Wirkstoff Riluzol. Es hat einen neuroprotektiven, also Nervenzellen und Nervengewebe schützenden Effekt. Allerdings sind etliche Nebenwirkungen bekannt, die vor allem die Leber betreffen, so dass der Arzt insbesondere bei Patienten mit vorgeschädigter Leber oder erhöhten Leberenzymwerten Riluzol nur mit Vorsicht verordnet. Falls unter der Therapie eine starke Erhöhung der Leberwerte auftritt, muss die Einnahme des Medikaments häufig abgebrochen werden.

Etliche bereits auf dem Markt befindliche Medikamente wurden hinsichtlich ihres Nutzens bei der ALS untersucht, allerdings zeigten sich keine oder nicht gesicherte positive Effekte auf den Krankheitsverlauf. Der ALS-Experte Prof. Thomas Meyer von der Charité – Universitätsmedizin Berlin erklärt dazu: „In Zukunft wird am ehesten eine Kombination verschiedener Medikamente erfolgversprechend sein. Eine einzelne ‚Wunderdroge’ ist aber nicht zu erwarten“. Zurzeit laufen einige Studien mit Patienten, die von ALS-Hochschulambulanzen betreut werden.

Es gibt einige Erfahrungsberichte von ALS-Patienten, die täglich hohe Dosen von Antioxidantien und auch Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Darunter finden sich vor allem: Vitamin C und E, B-Vitamine, Mineralien, Leinöl bzw. Omega-3-Fettsäuren und vieles mehr. Subjektiv wurde durchaus von positiven Effekten berichtet, beweisende Studien liegen hierzu noch nicht vor.

So bleibt zurzeit nur die symptomatische Therapie der ALS. Mit Medikamenten wird versucht, die verschiedenen Begleiterscheinungen der Krankheit, wie Krämpfe, Muskelzuckungen, Lähmungen, Spastiken, Sprechstörungen, Schluckstörungen, Speichelfluss, Pathologisches Lachen/ Weinen und Atemprobleme zu mildern.

Einen wichtigen Bereich in der Therapie stellen die diversen Hilfsmittel dar, auf deren Gebiet es in den letzten Jahren große Fortschritte gegeben hat. Insbesondere durch technische Neuerungen und spezielle Software-Lösungen können ALS-Patienten heute in einem Maß kommunizieren und mobil sein, wie es noch vor kurzem undenkbar war.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.05.2011
  • Autor/in: Dr. med. Susanne Segebrecht, Ärztin, Apothekerin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Markus Zens, Wissenschaftsjournalist, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Charité - Universitätsmedizin Berlin;
  • Quellen: Amyotrophe Lateralsklerose, Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 4. überarbeitete Auflage, ISBN 978-3-13-132414-6; Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Ein Ratgeber für Betroffene und Pflegende atman - Netzwerk für Beatmungspflege e. V., März 2011
  • Kollewe, K, Andersen PM, Borasio GD et al.: Klinische Leitlinien zur Behandlung der Amyotrophen Lateralsklerose. Nervenheilkunde 4/2008
  • Rosseau, Simone, Charité Zentrum für außerklinische Beatmung und Sauerstofftherapie (CABS): Beatmungstherapie. Vortrag am ALS-Tag in der Charité – Universitätsmedizin Berlin, 19.3.2011
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