Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie die Amyotrophe Lateralsklerose (Differenzialdiagnose)

Andere langsam verlaufende Motoneuronenerkrankungen können ähnliche Symptome zeigen wie die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Hierzu gehören beispielsweise die spastische Spinalparalyse (SSP), die spinale Muskelatrophie (SMA) oder Erkrankungen der Gruppe Muskeldystrophien.

Die spastische Spinalparalyse (SSP)

Die spastische Spinalparalyse (SSP), auch hereditäre spastische Paraplegie (HSP) genannt, ist eine vererbbare Erkrankung. Sie befällt die sogenannten „ersten motorischen Neurone“, also jene Nervenfasern, die von Gehirn kommend durch das Rückenmark laufen. Eine Schädigung dieser Neurone äußert sich in einer Spastik – in diesem Falle in den Beinen.

Die spinale Muskelatrophie (SMA)

Eine andere seltene Erkrankung, die mit verminderter Muskelspannung, Muskelschwund und schlaffen Lähmungen einhergeht, ist die spinale Muskelatrophie (SMA). Hier sind die sogenannten „zweiten motorischen Neurone“ betroffen, deren Zellkörper in den Vorderhörnern des Rückenmarks liegen und die von dort aus zu den jeweiligen Muskeln ziehen. Wenn auch Hirnnerven betroffen sind, kommt es zur Beeinträchtigung der Sprech- und Schluckfunktion, was als progressive Bulbärparalyse bezeichnet wird.

Muskeldystrophien

Die beiden oben genannten Erkrankungen, denen eine Schädigung von Nerven zugrunde liegt, muss weiterhin von der großen Gruppe der Muskeldystrophien abgegrenzt werden. Bei diesen liegt das Problem im Muskel selbst und Betroffene entwickeln eine Muskelschwäche.

Es gibt etliche weitere Erkrankungen, die Nerven oder Muskeln betreffen und Funktionsstörungen der Muskulatur des Bewegungsapparates hervorrufen. Die Abgrenzung der verschiedenen degenerativen Erkrankungen und eine genaue Diagnose kann bei Verdacht auf ALS nur durch Spezialisten gestellt werden. Da eine Diagnose von Erkrankungen aus diesem Bereich besondere Auswirkungen für den Betroffenen hat und meistens sein ganzes Leben beeinflusst, ist Sorgfalt bei der Diagnostik hierbei von größter Bedeutung.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.03.2018
  • Autor/in: Dr. med. Susanne Segebrecht, Ärztin, Apothekerin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Markus Zens, Wissenschaftsjournalist, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Amyotrophe Lateralsklerose, Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 4. überarbeitete Auflage, ISBN 978-3-13-132414-6; Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Ein Ratgeber für Betroffene und Pflegende atman - Netzwerk für Beatmungspflege e. V., März 2011
  • Kollewe, K, Andersen PM, Borasio GD et al.: Klinische Leitlinien zur Behandlung der Amyotrophen Lateralsklerose. Nervenheilkunde 4/2008
  • Rosseau, Simone, Charité Zentrum für außerklinische Beatmung und Sauerstofftherapie (CABS): Beatmungstherapie. Vortrag am ALS-Tag in der Charité – Universitätsmedizin Berlin, 19.3.2011
  • Amyotrophe Lateralsklerose (Motoneuronerkrankungen), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-001l_Amyotrophe_Lateralsklerose_ALS_2015-06.pdf
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