Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) – Versorgung mit Hilfsmitteln

Je nachdem in welchem Stadium die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist, werden unterschiedliche Mittel benötigt:
  • Bei Lähmungen im Bereich der Arme können Geräte bei Tätigkeiten, wie der Nahrungsaufnahme oder beim Umblättern von Buchseiten helfen.
  • Bei Lähmungen im Bereich der Beine wird die Versorgung mit einem Rollstuhl nötig. Dabei ist von vornherein darauf zu achten, dass der weitere Krankheitsverlauf berücksichtigt wird: Da mit der Zeit auch die Rumpfmuskulatur geschwächt wird, sollte der Rollstuhl sich in eine bequeme Rückenlage kippen lassen, sonst wird er in absehbarer Zeit unbrauchbar.
  • Umfeldsteuerungen ermöglichen Menschen mit körperlichen Einschränkungen, verschiedene Geräte in der Wohnung etwa durch Stimm- oder Augensteuerung zu bedienen. So kann das Licht eingeschaltet, das Radio, der Fernseher oder Türöffner betätigt werden. Diese Steuerungen werden über einen PC vorgenommen.
  • Für Patienten, die nicht ohne fremde Hilfe aus der liegenden Position zum Sitzen kommen können, gibt es motorisierte Aufstehbetten. Betroffene können damit in die sitzende Position an der Bettkante gebracht werden und sind dann bereit zum Transfer, etwa in den Rollstuhl.
  • Unterstützende Sprachsysteme verleihen Patienten mit Sprechproblemen ihre Stimme: Moderne Programme verwenden eine künstliche Intelligenz, und unterstützen die Patienten bei der Eingabe von Worten, Teilsätzen und ganzen Sätzen.
  • Bei weitergehenden Einschränkungen stehen Computereingabehilfen und Systeme für die Augensteuerung zur Verfügung.
  • Patienten im weit fortgeschrittenen Stadium benötigen oft eine Atemhilfe. Es gibt auch spezialisierte Anbieter für außerklinische Beatmungssysteme (Heimbeatmung). Informationen hierzu finden Sie auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke.
Einige Firmen aus dem Bereich der Orthopädie- und Rehabilitationstechnik haben sich auf Arbeitsplatzanpassungen spezialisiert, die es ALS-Patienten erlauben, möglichst lange beruflich tätig zu bleiben. Informationen über Ansprechpartner in Ihrer Region erhalten Sie über die an großen Kliniken angesiedelten ALS-Ambulanzen.

Die Anforderung der benötigten Hilfsmittel, die Anpassung des Wohnumfeldes und die Durchsetzung von Ansprüchen gegenüber den Kostenträgern bedeutet für ALS-Patienten und ihre Familien eine große zeitliche und emotionale Belastung. Eine Beratung ist sinnvoll, da sonst sehr schnell eine Überforderung eintritt. Adressen finden Sie unter Ratgeber und Selbsthilfe im deutschen ALS-Linkportal.

Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.06.2017
  • Autor/in: Dr. med. Susanne Segebrecht, Ärztin, Apothekerin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Markus Zens, Wissenschaftsjournalist, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Amyotrophe Lateralsklerose, Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 4. überarbeitete Auflage, ISBN 978-3-13-132414-6; Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Ein Ratgeber für Betroffene und Pflegende atman - Netzwerk für Beatmungspflege e. V., März 2011
  • Kollewe, K, Andersen PM, Borasio GD et al.: Klinische Leitlinien zur Behandlung der Amyotrophen Lateralsklerose. Nervenheilkunde 4/2008
  • Rosseau, Simone, Charité Zentrum für außerklinische Beatmung und Sauerstofftherapie (CABS): Beatmungstherapie. Vortrag am ALS-Tag in der Charité – Universitätsmedizin Berlin, 19.3.2011
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