Allergien: Ursachen und Risikofaktoren

Mit Pollen und Hausstaubmilben kommt jeder Mensch in Kontakt, aber längst nicht alle reagieren allergisch darauf. Was sind die Ursachen einer Allergie?

Warum das Immunsystem bei einer Allergie Stoffe wie Nahrungsmittel, Medikamente oder Duftstoffe, die für den Körper ungefährlich sind, als schädlich interpretiert und unangemessen heftig angreift, ist nicht abschließend geklärt. Man nimmt an, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen.

Unter anderem liegt bei den Betroffenen eine Allergieneigung vor. Mediziner sprechen von der sogenannten Atopie. Atopiker neigen dazu, auf alltägliche Umweltstoffe überempfindlich zu reagieren. Oft macht sich die Allergieneigung schon beim Kleinkind bemerkbar – etwa als Milchschorf oder Hautekzem. Menschen mit einer Atopie müssen im Laufe ihres Lebens oft die Erfahrung machen, dass sie nicht nur auf einen einzelnen Auslöser allergisch sind, sondern auf viele Allergene gleichzeitig reagieren. So haben viele Heuschnupfen-Geplagte gleichzeitig eine Neurodermitis oder eine Tierhaarallergie.

Bei der Typ-I-Allergie spielen die Erbanlagen eine Rolle

Je mehr Familienmitglieder unter Allergien leiden, desto größer ist das Risiko für die nächsten Generationen, auch an Heuschnupfen, allergischem Asthma oder Neurodermitis zu erkranken. So liegt das Allergierisiko für Kinder, deren Eltern beide allergisch sind, bei 40 bis 60 Prozent. Es steigt auf 50 bis 70 Prozent, wenn die Eltern die gleichen Allergiesymptome wie Heuschnupfen oder Asthma haben.

Typ-IV-Reaktion durch alltägliche Umweltstoffe

Neben der angeborenen Allergieneigung spielt auch das sogenannte allergene Potenzial eines Stoffes eine Rolle: Von den derzeit etwa 3.000 verschiedenen Stoffen, die eine Kontaktallergie verursachen können, lösen manche sehr rasch eine allergische Reaktion aus, bei anderen treten die Symptome oft erst nach jahrelangem Kontakt auf.

Männer reagieren auf Duftstoffe, Frauen auf Nickel

Synthetische Stoffe, auf die viele Menschen empfindlich reagieren, nehmen in unserem Alltag rasant zu. So gelten inzwischen Duftstoffe in Parfüms, Duschgels, Rasierwässern oder Haarsprays als häufigste Auslöser von allergischen Kontaktekzemen bei Männern. Bei Frauen ist noch immer die Nickelallergie führend.

Kontaktallergie durch hautbelastende Tätigkeiten

Das Risiko für eine Kontaktallergie steigt außerdem, wenn die Haut besonders belastet ist und dadurch ihre Schutzfunktion einbüßt. Die schützende Hautbarriere leidet berufsbedingt etwa bei Friseuren, Bauarbeitern (vor allem Maurern), Reinigungspersonal, Metallarbeitern, Ärzten, Krankenschwestern, Gärtnern oder Landwirten.

Das kindliche Immunsystem braucht Keime zum Trainieren

Eine wichtige Rolle bei der Allergieentstehung spielt wahrscheinlich auch die Umgebung, in der ein Kind aufwächst. So fanden Wissenschaftler heraus, dass nur drei Prozent der Kinder, die auf einem Bauernhof lebten, unter Heuschnupfen litten. Bei Stadtkindern trat Heuschnupfen dagegen dreimal so oft, Asthma sogar viermal häufiger auf. Zwar können die Forscher dieses Ergebnis noch nicht zweifelsfrei erklären. Fest steht jedoch, dass das kindliche Immunsystem die Auseinandersetzung mit Keimen und potenziellen Allergenen braucht, um sich gut entwickeln zu können.

Wächst ein Kind in einer penibel sauberen und praktisch keimfreien Umgebung auf, sucht sich das Abwehrsystem andere Reize, an denen es „reifen“ kann. Das können Pollen, Hausstaubmilben oder andere Umweltstoffe sein. Einen Vorteil scheinen auch Krippenkinder und Kinder in Großfamilien zu haben. Durch die zahlreichen Infekte ist ihr Immunsystem „immer auf Trab“ und lässt sich womöglich durch Allergene nicht so leicht ablenken.

Einer Erdnussallergie vorbeugen

Die Leitlinie zur Vorbeugung einer Erdnussallergie empfiehlt: Säuglinge, die unter Ekzemen und/oder einer Eiallergie leiden, sollten schon ab dem vierten bis sechsten Lebensmonat mit erdnusshaltiger Kost ernährt werden. Beide Erkrankungen gelten als hohe Risikofaktoren für eine Erdnussallergie. Eine frühe Ernährung mit Erdnussprodukten soll in diesen Fällen der Entwicklung einer Erdnussallergie vorbeugen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 24.01.2017
  • Autor/in: Dr. med. Michaela Axt-Gadermann, Hautfachärztin und Medizinjournalistin;Dr. Anne Dietel, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Wolfram Sterry, Ralf Paus: Checkliste Dermatologie, Georg Thieme Verlag Stuttgart 2005
  • Friedrich Carl Sitzmann: Duale Reihe Pädiatrie, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2006
  • Interview mit Dr. Birgit Kessler, Fachärztin für Dermatologie im Allergiezentrum der Klinik für Dermatologie,Allergologie und Venerologie der Charité - Universitätsmedizin Berlin
  • S. Flade: Allergien natürlich behandeln, Gräfe und Unzer Verlag 2001
  • J. Ring: Angewandte Allergologie, MMV 2000
  • Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst
  • SienceDaily: Clinical guidelines to rescue risk of peanut allergy (https://www.sciencedaily.com/releases/2017/01/170105082916.htm)
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