Allergien: Formen

Wenn der menschliche Körper anscheinend plötzlich auf ein Antigen allergisch reagiert, ist dem  – je nach Allergen – eine jahre- oder jahrzehntelange Phase vorausgegangen, in der der Körper die Allergie entwickelt hat.

In dieser sogenannten Sensibilisierungsphase laufen unbemerkt Immunisierungsprozesse ab, die das Antigen für den Körper zum Allergen werden lassen. Da die Sensibilisierungsphase manchmal sehr lang ist, können wir plötzlich auf etwas allergisch reagieren, was uns jahrelang keine Probleme bereitet hat.

Typ-I- und Typ-IV-Reaktionen sind am häufigsten

Allergie ist nicht gleich Allergie. Man unterscheidet vier verschiedene allergische Reaktionen.
  • Typ-I-Reaktion (allergische Sofortreaktion)
  • Typ-II-Reaktion (zytotoxische Reaktion mit der Zerstörung körpereigener Zellen)
  • Typ-III-Reaktion (Immunkomplexbildung)
  • Typ-IV-Reaktion (zellvermittelte Immunantwort)
Vor allem Typ I und Typ IV spielen im alltäglichen Leben eine Rolle. Bei der Typ-I-Reaktion spricht der Arzt auch von einer „Reaktion vom Sofort-Typ“. Bei dieser Allergie bewirken Antikörper vom Typ Immunglobulin E eine Freisetzung des Botenstoffs Histamin und anderer Substanzen, die meist wenige Minuten nach dem Allergenkontakt zu Beschwerden führen. Allerdings findet diese Reaktion erst ab dem Zweitkontakt mit dem Allergen statt. Nach dem ersten Kontakt wird in einer symptomlosen Phase zunächst vermehrt Immunglobulin E – ein Antikörper – gebildet, an den sich dann bei einem weiteren Kontakt sofort das Allergen binden kann. Dadurch kommt es zur Histaminfreisetzung aus den Mastzellen, was zu den allergischen Symptomen führt. Als Reaktionen der Haut findet man beispielsweise die Nesselsucht (Urticaria).

Zu den Allergien, die durch eine Typ-I-Reaktion entstehen, gehören:

Typische Auslöser (Allergene) einer Typ-I-Reaktion sind:

Allergisches Kontaktekzem ist eine typische Typ-IV-Reaktion

Die Typ-IV-Reaktion wird auch „Reaktion vom verzögerten Typ“ genannt. Hier spielt die Einwanderung weißer Blutkörperchen (Lymphozyten) in die Haut eine wichtige Rolle. Ein typisches Beispiel ist das allergische Kontaktekzem: Zwei bis drei Tage nach dem Hautkontakt mit dem Allergen treten rote, stark juckende, manchmal mit Bläschen übersäte oder nässende Hautausschläge auf. Wirkt das Allergen weiterhin auf die Haut ein, beginnt sie zu schuppen, verdickt sich und es können schmerzhafte Risse entstehen. Bisher kennen die Mediziner etwa 3.000 Stoffe, die eine Kontaktallergie auslösen können.

Typische Auslöser einer Typ-IV-Reaktion sind:

  • Metalle (Nickel, Zahnmetall)
  • Farben in Kleidung, Lederwaren, Haarfarben
  • Duftstoffe
  • Inhaltsstoffe von Pflegeprodukten
  • Arbeitsstoffe
  • Gummimaterialien
Autoren und Quellen Aktualisiert: 24.01.2017
  • Autor/in: Dr. med. Michaela Axt-Gadermann, Hautfachärztin und Medizinjournalistin;Dr. Anne Dietel, Ärztin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Wolfram Sterry, Ralf Paus: Checkliste Dermatologie, Georg Thieme Verlag Stuttgart 2005
  • Friedrich Carl Sitzmann: Duale Reihe Pädiatrie, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2006
  • Interview mit Dr. Birgit Kessler, Fachärztin für Dermatologie im Allergiezentrum der Klinik für Dermatologie,Allergologie und Venerologie der Charité - Universitätsmedizin Berlin
  • S. Flade: Allergien natürlich behandeln, Gräfe und Unzer Verlag 2001
  • J. Ring: Angewandte Allergologie, MMV 2000
  • Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst
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