Therapie der Alkoholabhängigkeit (Alkoholsucht)

Bei der Entstehung einer Alkoholkrankheit (auch Alkoholsucht oder Alkoholabhängigkeit) spielen sowohl psychische, körperliche als auch soziale Faktoren eine Rolle. Daher ist ein Therapieplan notwendig, der all diese Faktoren berücksichtigt.

Von der Reduktion der Trinkmenge hin zur Abstinenz

Bei der Behandlung der Alkoholabhängigkeit wird heute versucht, bereits sehr früh anzusetzen. Der Arzt ist bemüht, ein Alkoholproblem schon in einer frühen Phase aufzudecken, um beim Patienten Einsicht und Verhaltensänderungen erreichen zu können. In der Regel wird er versuchen, in einem frühen Gespräch herauszufinden, ob der Patient zur Mitarbeit bereit ist. Mithilfe spezieller Verfahren – auch Kurzinterventionen genannt – spricht der Arzt den Patienten auf die Alkoholproblematik an und bietet ihm sofort Hilfe an. Zunächst wird dabei die Schwere der Alkoholkrankheit ermittelt. Je nach Ausprägung wird dann ein Therapiekonzept erstellt.

Bei risikoarmem Alkoholkonsum wird der Arzt auf die möglichen Folgen eines übermäßigen Konsums hinweisen. Eine weiterführende Therapie ist in diesem Fall jedoch nicht erforderlich. Anders sieht das bei riskantem Alkoholkonsum aus: Trinkt ein Mann täglich mehr als 24 Gramm und eine Frau mehr als zwölf Gramm reinen Alkohol, so liegt ein riskanter Alkoholkonsum vor. Dann wird der Arzt versuchen, den Patienten zu einer Änderung seines Trinkverhaltens zu motivieren. Ein mögliches Behandlungsziel kann hier bereits eine Reduktion des Alkoholkonsums sein. Die beste aller Lösungen ist jedoch die komplette Abstinenz.

Bei schädlichem Alkoholkonsum kann die erste Etappe auf dem Weg zum Behandlungsziel (Abstinenz) – die Reduktion der Trinkmenge – auch medikamentös unterstützt werden. Beispielsweise können Stoffe wie Nalmefen den Alkoholkonsum reduzieren. Nalmefen soll bewirken, dass der Patient keine Lust mehr auf Alkohol hat. Dabei handelt es sich um einen Opioidrezeptorblocker, der sich an die Opioidrezeptoren anheftet und so deren Wirkung hemmt.

Alkoholentzug – stationär oder ambulant

Wenn der Patient es wünscht oder wenn seine Erkrankung es erfordert, wird eine Alkoholentzugsbehandlung durchgeführt. Die Entzugsbehandlung – auch Entgiftung genannt – erfolgt meist in stationärer Behandlung, also im Krankenhaus oder in einer psychiatrischen Klinik. Das ist vor allem erforderlich, wenn der Patient sehr viel Alkohol konsumiert, in schlechtem Allgemeinzustand ist oder wenig soziale Unterstützung hat. In der Klinik überwachen speziell ausgebildete Fachkräfte die Entgiftung, die meist mit unangenehmen Entzugserscheinungen verbunden ist. Bei manchen Patienten mit Alkoholsucht ist es notwendig, diese Entzugserscheinungen mit Medikamenten zu behandeln. In der Therapie einer Alkoholsucht kommen zum Beispiel Carbamazepin, Clomethiazol oder Benzodiazepine zum Einsatz, aber auch Antipsychotika wie Haloperidol.

Je nach individuellen Gegebenheiten ist auch ein ambulanter Alkoholentzug möglich. Dieser dauert etwa zwei Wochen: In der ersten Woche sucht der Patient im Normalfall täglich die Arztpraxis auf, in der zweiten Woche nur noch jeden zweiten Tag.

Entwöhnungsphase: gegen die psychische Abhängigkeit vorgehen

Nach der körperlichen Entgiftung wird in der Entwöhnungsphase gegen die psychische Abhängigkeit vorgegangen. Die Entwöhnung schließt im Idealfall gleich an die Entgiftung an, in der Praxis ist dies jedoch nicht immer der Fall. Sie findet entweder ambulant, teilstationär oder stationär in Fachkliniken und spezialisierten Abteilungen psychiatrischer Kliniken statt.

Ziel dieser Phase der Therapie ist es, beim Patienten den Wunsch nach Abstinenz zu festigen und ihn auf das „Leben ohne Alkohol“ vorzubereiten. Hierfür haben sich verschiedene Therapiekonzepte bewährt – beispielsweise soziales Kompetenztraining, Gruppentherapie-Verfahren sowie Sport- und Bewegungstherapie. Wie lange die Entwöhnungsbehandlung dauert, wird für jeden Alkoholabhängigen individuell festgelegt – je nach Stadium der Alkoholabhängigkeit, Folgeschäden sowie persönlichen und sozialen Ressourcen des Patienten.

Ambulante Entwöhnung führen meist Beratungsstellen durch

Eine ambulante Entwöhnung führen meist Beratungsstellen mit ausgebildeten Suchttherapeuten durch. Ein Vorteil der ambulanten Entwöhnung liegt darin, dass sich der Betroffene während der Therapie in seinem normalen sozialen Umfeld befindet (zum Beispiel am Arbeitsplatz und in der Familie) und seine Probleme deshalb lebensnah bearbeitet werden können. Auch Bezugspersonen können so leichter in die Therapie einbezogen werden. Zudem ist die ambulante Entwöhnung günstiger als eine stationäre Behandlung. Ein Nachteil zeigt sich in der relativ hohen Abbruchquote. Voraussetzung für den Erfolg einer ambulanten Entwöhnung ist, dass der Patient zu einer regelmäßigen und aktiven Teilnahme bereit ist.

Stationäre Entwöhnung bei instabilen Lebensumständen

Nach einer stationären Entwöhnung ist die Rückfallquote niedriger als bei einer ambulanten Entwöhnung. Eine stationäre Therapie ist vor allem Menschen mit Alkoholsucht zu empfehlen, deren Lebensumstände eher instabil sind und für die es in ihrer gewohnten Umgebung nicht möglich ist, über längere Zeit keinen Alkohol zu trinken. Denn das Verlassen des durch Alkohol geprägten Umfelds kann den Heilungsprozess erleichtern. Zusätzlich zu psychosozialen und psychotherapeutischen Maßnahmen werden in der stationären Therapie manchmal auch Medikamente (sogenannte Anticraving-Substanzen) wie Acamprosat zur Rückfallprophylaxe eingesetzt. Hierbei bedarf es jedoch einer ständigen ärztlichen Kontrolle.

Nachsorgephase

Die sogenannte Nachsorgephase dauert meist mehrere Jahre. In dieser Zeit wird der Patient von Fachambulanzen oder Beratungsstellen ambulant weiterbetreut. Zusätzlich ist der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe (zum Beispiel der Anonymen Alkoholiker, des Kreuzbundes, der Guttempler oder des Blauen Kreuzes) empfehlenswert, um langfristig abstinent zu bleiben. In der Regel treffen sich die Gruppen einmal in der Woche für zwei bis drei Stunden. Dort lernen die Mitglieder andere Menschen mit Alkoholsucht kennen, mit denen sie über ihre persönlichen Anliegen und Sorgen sprechen können.

Auch Angehörige von Alkoholabhängigen können vom Besuch einer Selbsthilfegruppe profitieren. Es werden sowohl Gruppen angeboten, die sich ausschließlich an Angehörige richten, als auch Gruppen, die Menschen mit Alkoholsucht und deren Angehörige gemeinsam besuchen können.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.02.2015
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Nina Prell, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen: Alkoholabhängigkeit, Suchtmedizinische Reihe, Band 1
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Alkohol? Kenn dein Limit: Schritt 2: Der Entzug (http://www.kenn-dein-limit.de/alkohol/alkoholabhaengigkeit/behandlung-therapie/der-entzug)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Alkohol? Kenn dein Limit: Schritt 3: Die Entwöhnung (http://www.kenn-dein-limit.de/alkohol/alkoholabhaengigkeit/behandlung-therapie/die-entwoehnung)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Alkohol? Kenn dein Limit: Nachsorge (http://www.kenn-dein-limit.de/alkohol/alkoholabhaengigkeit/nachsorge-und-selbsthilfe
  • Fachverband Sucht e.V.: Der Entzug / Die Entgiftung (http://www.sucht.de/der-entzug-die-entgiftung.html)
  • Fachverband Sucht e.V.: Leben ohne Alkohol (http://www.sucht.de/leben-ohne-alkohol.html)
  • Gastpar, Markus et al.: Psychiatrie und Psychotherapie
  • Paulitsch, Klaus / Karwautz, Andreas (2008): Grundlagen der Psychiatrie
  • Arolt, Volker et al. (2011): Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie
  • Laux, Gerd / Möller, Hans-Jürgen (2011): Psychiatrie und Psychotherapie
  • Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen (http://www.dg-sucht.de/fileadmin/user_upload/pdf/leitlilnien/AWMF_76-001_S3_Leitlinie_Alkohol.pdf)
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung
  • afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2015/11: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über vitapublic GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: www.vitanet.de
  • Logo der Health On the Net Stiftung. das Gesundheitsportal vitanet.de ist von der Health On the Net Stiftung (HON) akkrediert. Zur Prüfung klicken Sie hier.
  • Logo der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW)
  • Logo der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung e.v. (AGOF)