So wird die Diagnose Alkoholsucht gestellt

Wenn der Verdacht auf die Diagnose Alkoholsucht beziehungsweise Alkoholabhängigkeit besteht, wird der Arzt den Patienten zunächst ausführlich befragen (Anamnese). Eventuell spricht er auch mit anderen Personen aus dem Umfeld des Betroffenen (zum Beispiel Ehepartner oder Eltern).

Bei der Suche nach Hinweisen auf die Diagnose Alkoholabhängigkeit helfen dem Arzt spezielle Tests – etwa der AUDIT (Alcohol Use Disorders Identification Test) oder die CAGE-Fragen.

Drei erfüllte Kriterien für die Diagnose Alkoholsucht

Bei der Diagnostik der Alkoholsucht werden zum Beispiel die Diagnostischen Leitlinien für das Abhängigkeitssyndrom (nach ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation) herangezogen. Um die Diagnose Alkoholabhängigkeit stellen zu können, müssen mindestens drei der folgenden sechs Kriterien gleichzeitig während des vergangenen Jahres erfüllt worden sein:
  • starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu konsumieren
  • die Schwierigkeit, Menge, Art und Häufigkeit des Alkoholkonsums zu kontrollieren (verminderte Kontrollfähigkeit)
  • körperliche Beschwerden, wenn die Alkoholmenge reduziert wird oder überhaupt kein Alkohol mehr konsumiert wird (Entzugserscheinungen)
  • kontinuierliche Zunahme des Konsums, ohne dass gleichzeitig die Wirkung des Alkohols zunimmt (Toleranzentwicklung)
  • zunehmende Vernachlässigung anderer Interessen wie Familie, Freunde, Hobbies oder Beruf zugunsten des Alkoholkonsums, weil zum Beispiel mehr Zeit dafür benötigt wird, Alkohol zu besorgen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen
  • anhaltender Alkoholkonsum, obwohl der Betroffene um bereits eingetretene Schäden (körperlich, seelisch oder sozial) weiß

Diagnose Alkoholsucht: Erkennen der Anzeichen

Zudem führt der Arzt eine körperliche Untersuchung durch, bei der er auf Symptome der Alkoholsucht wie vermehrtes Schwitzen (vor allem feuchte Hände), Herzrasen, Zittern der Hände (Tremor), Gangunsicherheit und Hautveränderungen wie Rötungen achtet.

Um zur Diagnose Alkoholsucht zu gelangen, kann der Arzt auch mithilfe eines Bluttests die Blutalkoholkonzentration des Patienten feststellen und so erkennen, ob bereits ein gewisser Grad an Alkoholtoleranz vorliegt. Zeigt ein Patient beispielsweise bei ein bis zwei Promille noch keinerlei Anzeichen einer Alkoholvergiftung (Intoxikation), ist davon auszugehen, dass der Betroffene schon eine gewisse Alkoholtoleranz entwickelt hat.

Diagnostik von Folgeerkrankungen der Alkoholsucht

Wenn die Alkoholsucht bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat, kann der Mediziner zudem feststellen, ob bereits Folgeerkrankungen wie Organschäden aufgetreten sind. Dies ist häufig der Fall, da Alkoholsüchtige meist erst sehr spät einen Arzt aufsuchen.

Leberschäden können beispielsweise durch eine Bestimmung der Leberwerte aus dem Blutserum erkannt werden. Hierbei wird vor allem die Konzentration der Enzyme Aspartat-Aminotransferase (AST), Alanin-Aminotransferase (ALT), Gamma-Glutamyltransferase (Gamma-GT) und alkalische Phosphatase (AP) überprüft. Denn kommt es zu einer Schädigung der Leberzellen, werden diese Enzyme freigesetzt und lassen sich deshalb im Blut nachweisen. Je nachdem, welches der Enzyme vermehrt im Blut vorkommt und wie stark der Wert erhöht ist, kann der Arzt Rückschlüsse auf die Art und die Schwere der Lebererkrankung (etwa Fettleber, Leberentzündung oder Leberzirrhose) ziehen. Zudem kann das Blut auf bestimmte Langzeit- und Kurzzeitmarker (CDT und EtG) untersucht werden, mit deren Hilfe sich nachweisen lässt, ob der Patient in letzter Zeit Alkohol getrunken hat.

Ob auch das Gehirn aufgrund der Alkoholsucht des Betroffenen bereits Schaden genommen hat, kann ein Psychologe beziehungsweise Neuropsychologe mittels spezieller neuropsychologischer Testverfahren herausfinden. Zusätzlich findet eine medizinische Diagnostik statt.

Selbsttest Alkoholsucht

Wir haben für Sie auf Grundlage des AUDIT-Fragebogens einen Selbsttest erstellt, mit dem Sie herausfinden können, ob Sie für Alkoholsucht gefährdet sind.



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Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.02.2015
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Nina Prell, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen: Alkoholabhängigkeit, Suchtmedizinische Reihe, Band 1
  • Gastpar, Markus et al.: Psychiatrie und Psychotherapie
  • Blaues Kreuz: Was ist Sucht? (http://www.blaues-kreuz.de/bundeszentrale/uebersucht/info-abhaenige.html)
  • Pharmazeutische Zeitung online: Aussagekräftige Enzyme (http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=5377)
  • Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen (http://www.dg-sucht.de/fileadmin/user_upload/pdf/leitlilnien/AWMF_76-001_S3_Leitlinie_Alkohol.pdf)
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