Alkoholsucht (Alkoholabhängigkeit)

Sekt zum Anstoßen am Geburtstag oder zum Jahreswechsel, ein Gläschen Wein zum Abendessen – Alkohol gehört in unserer Gesellschaft bei vielen Gelegenheiten einfach dazu. Viele verbinden ihn mit Feiern und Geselligkeit.

Frau trinkt Rotwein © Thinkstock
Die Übergänge vom normalen Alkoholkonsum über Alkoholmissbrauch bis zur Alkoholkrankheit (auch Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholismus genannt) sind dabei fließend.

Alkoholabhängigkeit seit 1968 als Krankheit anerkannt

Seit 1968 ist Alkoholabhängigkeit als Krankheit anerkannt. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird in diesem Zusammenhang korrekterweise von alkoholbezogenen Störungen gesprochen. Etwa 1,6 Millionen Deutsche gelten als alkoholkrank. Am häufigsten sind Männer betroffen – bei ihnen stellt Alkoholsucht die häufigste psychische Störung dar. Doch auch unter Frauen und Jugendlichen („Komasaufen“) nimmt der Alkoholkonsum immer mehr zu. Pro Jahr sterben in Deutschland bis zu 74.000 Deutsche an den Folgen von Alkoholkonsum oder einer Kombination aus Alkohol- und Tabakkonsum. Am häufigsten sind Männer mittleren Alters betroffen.

Die Wirkung von Alkohol im Körper

Wenn wir Alkohol trinken, wird dieser über die Schleimhaut des Verdauungstrakts ins Blut aufgenommen und so im gesamten Körper verteilt. Auf diese Weise gelangt er auch ins Gehirn. Dort beeinflusst er die Informationsübertragung der Nervenzellen. Abhängig von der getrunkenen Menge wirkt der Alkohol entweder anregend und stimmungsaufhellend oder berauschend und reaktionshemmend. Zudem hat Alkohol eine „belohnende“ Wirkung. Diese ist darauf zurückzuführen, dass durch den Alkohol – ähnlich wie bei anderen Suchtmittel – der Neurotransmitter Dopamin freigesetzt wird. Dopamin ist ein Botenstoff, der für Glücksgefühle sorgt.

Die höchste Alkoholkonzentration lässt sich im Blut etwa 45 bis 75 Minuten nach dem Konsum nachweisen. Bei der gleichen Menge Alkohol liegt die Blutalkoholkonzentration bei Frauen höher als bei Männern, weil Männer normalerweise größer und schwerer sind und mehr Körperflüssigkeit haben als Frauen. Pro Stunde kann der Organismus etwa 0,1 bis 0,2 Promille wieder abbauen. Der Abbau des Alkohols findet dabei zu mehr als 90 Prozent in den Zellen der Leber statt und kann durch keine Maßnahme beschleunigt werden.

Der Konsum von Alkohol kann körperliche Reaktionen wie Schwindelgefühle, einen erhöhten Puls, erweiterte Blutgefäße und vermehrtes Schwitzen verursachen. Psychische Reaktionen sind zum Beispiel das Senken der Hemmschwelle, etwa für riskantes Verhalten, Verhaltensänderung und Stimmungsschwankungen.

Verschiedene Ursachen für die Alkoholkrankheit

Für die Entstehung der Alkoholkrankheit gibt es verschiedene Ursachen, wobei nie nur eine Ursache allein zur Alkoholabhängigkeit führt. Sowohl biologische Faktoren wie die Gene, als auch psychologische und soziokulturelle Faktoren spielen eine Rolle.

Neben körperlichen Symptomen wie übermäßiges Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen, Zittern und ein unsicherer Gang können bei Alkoholsucht auch psychische Symptome wie Vergesslichkeit, innere Unruhe, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen und Potenzstörungen auftreten. Langfristig sind durch Alkoholabhängigkeit Folgeerkrankungen wie Leberschädigungen (Fettleber, Leberentzündung, Leberzirrhose), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelentzündungen), Stoffwechselschädigungen, Krebs oder eine Schädigung des Gehirns möglich.

Therapie je nach Art des Alkoholkonsums

Je nach Art des Alkoholkonsums werden unterschiedliche Therapieverfahren angewendet. Das reicht von motivierenden Gesprächen bis hin zu medikamentengestützten Therapieverfahren.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.02.2015
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Nina Prell, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Alkohol? Kenn dein Limit. (www.kenn-dein-limit.de)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Alkohol? Kenn dein Limit: Alkohol-Bodymap (http://www.kenn-dein-limit.de/?id=bodymap)
  • World Health Organisation (2012): Alcohol in the European Union: Consumption, harm and policy approaches
  • Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen: Alkoholabhängigkeit, Suchtmedizinische Reihe, Band 1
  • Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Informationen zum Thema: Alkoholkonsum und Gesundheit
  • Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche, Selbsthilfeorganisation in der Suchtkrankenhilfe: Alkoholsucht (http://www.blaues-kreuz.org/cms/front_content.php?idart=15)
  • Laux, Gerd / Möller, Hans-Jürgen (2011): Psychiatrie und Psychotherapie
  • Paulitsch, Klaus / Karwautz, Andreas (2008): Grundlagen der Psychiatrie
  • Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Alkohol (http://www.dhs.de/suchtstoffe-verhalten/alkohol.html)
  • Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen (http://www.dg-sucht.de/fileadmin/user_upload/pdf/leitlilnien/AWMF_76-001_S3_Leitlinie_Alkohol.pdf)
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