Ursachen und Risikofaktoren für eine akute Mittelohrentzündung

Eine akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta) tritt in den meisten Fällen aufgrund einer sogenannten Superinfektion auf. Das bedeutet, der Betroffene leidet unter einer durch Viren verursachten Erkältung, die sein Immunsystem schwächt. Auf der vorgeschädigten Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raums können sich dann leichter Bakterien ansiedeln.

Steigen die Bakterien über die Eustachische Röhre (auch Ohrtrompete genannt), die den Nasen-Rachen-Raum mit dem Ohr verbindet, auf, kann es zu einer Mittelohrentzündung kommen. Begünstigt wird dies noch dadurch, dass das Mittelohr wegen der geschwollenen Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raums nicht mehr so gut belüftet wird. So können sich die Keime besser verbreiten und zu einer eitrigen Entzündung führen.

In selteneren Fällen gelangen die Bakterien über ein defektes Trommelfell in das Ohr. Sehr selten ist heute der Infektionsweg über die Blutbahn. Dazu kann es beispielsweise bei einer Scharlach- oder Maserninfektion kommen. Der Keim wird dann über das Blut auf das Ohr übertragen und schädigt dort das Gewebe. Man spricht in solchen Fällen von einer Sonderform der Mittelohrentzündung, der Scharlach-Otitis oder der Masern-Otitis.

Meist sind also Bakterien die Verursacher einer akuten Mittelohrentzündung – in mehr als 70 Prozent der Fälle Streptococcus pneumoniae oder Haemophilus influenzae. Aber auch Viren – beispielsweise Grippe-Viren oder Herpes-Viren – können eine Otitis media auslösen.

Risikofaktoren für eine akute Mittelohrentzündung

Kinder leiden besonders oft unter Mittelohrentzündungen. Daran sind einige Risikofaktoren schuld, die bei Kindern häufiger auftreten als bei Erwachsenen:
  • Die Eustachische Röhre ist bei Kindern kürzer und weiter. Bakterien können deshalb leichter vom Nasen-Rachen-Raum ins Ohr gelangen.
  • Durch den täglichen Kontakt mit anderen Kindern in Kindergärten oder Krippen kommen Kinder mit vielen Krankheitserregern in Kontakt, sie leiden häufiger unter Atemwegsinfekten.
  • Kinder, die ständig Schnuller benutzen, haben ein erhöhtes Risiko für Mittelohrentzündungen.
  • Kinder, die oft Zigarettenrauch ausgesetzt sind, leiden häufiger unter Mittelohrentzündungen.
  • Tritt eine Mittelohrentzündung innerhalb der ersten sechs Lebensmonate auf, neigt das Kind meist dazu, immer wieder eine Otitis media zu entwickeln.
  • Kinder, die in den ersten drei Lebensmonaten nicht gestillt wurden, leiden häufiger unter Mittelohrentzündungen.
Weitere Risikofaktoren für Mittelohrentzündungen:
  • Grunderkrankungen oder eine angeborene Veränderung im Rachenbereich können Ursache für eine Mittelohrentzündung sein. Dazu gehören: vergrößerte Rachenmandeln, Gaumenspalten, ein geschwächtes Immunsystem oder Allergien.
    Eine erhöhte Erkältungsgefahr sorgt im Winterhalbjahr für ein höheres Risiko für Mittelohrentzündungen.
  • Langanhaltende Erkältungen führen häufig zu Mittelohrentzündungen.
  • Wer sich mit Schnupfen auf eine Flugreise begibt, hat ebenfalls ein erhöhtes Risiko, an einer Otitis media zu erkranken.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.06.2015
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Christina Landauer, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Dr. med Inge Haas: Otitis media: Die Mittelohrentzündung.
  • Patientenleitlinie Mittelohrentzündung (Otitis media) bei Kindern: http://www.patientenleitlinien.de/Mittelohrentzuendung/mittelohrentzuendung.html
  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Ohrenschmerzen: DEGAM Leitlinie Nr. 7
  • Dr. Haas, Inge: Otitis media – die Mittelohrentzündung (http://www.uni-duesseldorf.de/kojda-pharmalehrbuch/apothekenmagazin/Fortbildungsartikel/2002-05.pdf)
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