Behandlung der akuten Mittelohrentzündung

Eine akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta) heilt meist nach einigen Tagen von alleine folgenlos aus. In diesen Fällen wäre prinzipiell keine Behandlung nötig. Häufig wird jedoch geraten – gerade bei Kindern – die Symptome mithilfe bestimmter Therapiemaßnahmen zu lindern.

Schmerzhemmende und fiebersenkende Mittel

Eine Mittelohrentzündung verursacht oft starke Schmerzen. Dann können schmerzlindernde Mittel helfen. Eventuell kann es auch sinnvoll sein, das Fieber zu senken. Dazu eignen sich beispielsweise Medikamente, die Ibuprofen oder Paracetamol enthalten. Beide Mittel wirken schmerzlindernd und fiebersenkend. Sie können als Tabletten, bei Kindern aber auch gut als Zäpfchen verabreicht werden.
Vorsicht mit Acetylsalicylsäure bei Kindern
Ein weiterer Wirkstoff, der Schmerzen lindert und Fieber senkt, ist Acetylsalicylsäure. Bei fiebernden Kindern sollte Acetylsalicylsäure jedoch keinesfalls eingesetzt werden. Denn sie kann in Verbindung mit einer Viruserkrankung zum sogenannten Reye-Syndrom führen. Das ist eine sehr seltene, aber auch sehr gefährliche Erkrankung, bei der Gehirn und Leber massiv geschädigt werden können.

Abschwellende Nasentropfen

Wenn die Mittelohrentzündung infolge einer Erkältung aufgetreten ist, können abschwellende Nasentropfen oder -sprays Erleichterung verschaffen. Sie sorgen dafür, dass die Nase frei ist. So kann das Mittelohr über die Eustachische Röhre wieder besser belüftet werden. Es gibt jedoch keine Studien, die belegen, dass die Nasentropfen die Heilung unterstützen.
Abschwellende Nasentropfen nur kurzfristig anwenden
Abschwellende Nasentropfen sollten nur kurzfristig – nicht länger als fünf bis sieben Tage – angewendet werden. Sonst kann sich der Körper an den Gebrauch gewöhnen und die Schleimhäute schwellen ohne ihre Hilfe nicht mehr ab.

Antibiotika

Vor- und Nachteile des Einsatzes von Antibiotika bei einer Mittelohrentzündung sollten gut gegeneinander abgewogen werden. Meist heilt die Erkrankung auch ohne die Medikamente, die Bakterien abtöten, folgenlos aus. Auch die Erkrankungsdauer kann in den meisten Fällen nur unbedeutend verkürzt werden, schwere Verläufe treten unter Antibiotika genauso häufig auf wie ohne die Mittel. Darüber hinaus besteht die Gefahr von Resistenzbildungen bei den Bakterien, wenn zu häufig Antibiotika eingesetzt werden.

Bei einer unkompliziert verlaufenden Mittelohrentzündung wiegen daher die Nachteile einer Antibiotikabehandlung – beispielsweise Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen oder Durchfall – meist schwerer als ihr Nutzen. Wenn sich die Symptome allerdings innerhalb von 48 Stunden nicht bessern, bei sehr kleinen Kindern oder bei einer Begleit- oder Grunderkrankung, sollte über eine Gabe von Antibiotika nachgedacht werden.

Ohrentropfen und Parazentese nicht empfohlen

Ohrentropfen sind bei einer Mittelohrentzündung nicht sinnvoll. Denn solange das Trommelfell intakt ist, können die Tropfen nicht ins Mittelohr gelangen und dort auch nicht wirken. Außerdem können sie den ärztlichen Blick auf das Trommelfell erschweren und bei Rissen im Trommelfell sogar dazu beitragen, dass weitere Keime in das Mittelohr gelangen.

Bei der sogenannten Parazentese wird ein kleiner Schnitt im Trommelfell gesetzt. Die Flüssigkeit, die sich dahinter befindet, kann dann in den Gehörgang abfließen. Da eine Parazentese jedoch die Erkrankungsdauer nicht verkürzen kann, sie zum Teil sogar verlängert, wird bei unkompliziert verlaufenden Mittelohrentzündungen davon abgeraten. Treten jedoch Komplikationen auf, kann es sinnvoll sein, einen Trommelfellschnitt zu setzen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.06.2015
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Christina Landauer, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Dr. med Inge Haas: Otitis media: Die Mittelohrentzündung.
  • Patientenleitlinie Mittelohrentzündung (Otitis media) bei Kindern: http://www.patientenleitlinien.de/Mittelohrentzuendung/mittelohrentzuendung.html
  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Ohrenschmerzen: DEGAM Leitlinie Nr. 7
  • Dr. Haas, Inge: Otitis media – die Mittelohrentzündung (http://www.uni-duesseldorf.de/kojda-pharmalehrbuch/apothekenmagazin/Fortbildungsartikel/2002-05.pdf)
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