Akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta)

Bei der akuten Mittelohrentzündung handelt es sich um eine eitrige Entzündung des Mittelohrs mit hoher Spontanheilungsrate. Medizinisch spricht man von der Otitis media acuta.

Mittelohrentzündung Mädchen im Park © Thinkstock
Die akute Mittelohrentzündung ist eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Vor allem zwischen dem 6. und 15. Lebensmonat leiden Kinder häufig unter der Erkrankung. Auch Erwachsene können betroffen sein, wenn auch weit seltener.

Mittelohr: Aufbau

Das Mittelohr liegt zwischen dem äußeren Gehörgang und dem Innenohr. Zum Gehörgang wird es durch das Trommelfell abgegrenzt. Im Mittelohr befinden sich die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel. Sie stellen die Verbindung zum Innenohr dar.

Das Mittelohr ist mit Luft gefüllt. Belüftet wird es über die Eustachische Röhre, die das Mittelohr mit dem Nasen-Rachen-Raum verbindet. Bei Kindern ist die Eustachische Röhre kürzer und weiter als bei Erwachsenen. Zudem leiden Kinder häufiger unter Atemwegsinfektionen. Deshalb steigen Krankheitserreger bei ihnen leichter in das Mittelohr auf und sind dort die Ursache für eine akute Mittelohrentzündung.

Symptome und Diagnose bei der Mittelohrentzündung

Eine akute Mittelohrentzündung zeichnet sich vor allem durch plötzlich auftretende, starke Ohrenschmerzen aus. Hinzu kommen weitere Symptome wie ein gerötetes, vorgewölbtes Trommelfell, Ohrfluss, eine verminderte Hörfähigkeit, Fieber, Reizbarkeit und Schwindel. Allein aufgrund dieser Beschwerden kann der Arzt meist den Verdacht auf eine Mittelohrentzündung erhärten.

Zusätzlich wird er eine körperliche Untersuchung und eine Otoskopie – eine Ohrspiegelung – durchführen, um die Diagnose sicher stellen zu können. Diese Untersuchungen sind vor allem bei Kleinkindern sehr wichtig. Denn sie zeigen bei einer akuten Mittelohrentzündung häufig keine eindeutigen Symptome beziehungsweise können diese nicht beschreiben.

Schmerz- und Hausmittel statt Antibiotika

Ob Antibiotika zum Einsatz kommen, sollte bei einer akuten Mittelohrentzündung genau abgewogen werden. Denn eine unkompliziert verlaufende Otitis media heilt meist auch ohne Antibiotika folgenlos aus. Antibiotika können die Krankheitsdauer nur unwesentlich verkürzen, schwere Verläufe nicht verhindern und zur Resistenzbildung bei den Bakterien führen. Zudem verursachen sie oft Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden. Sinnvoll kann die Gabe von Antibiotika jedoch sein, wenn die Symptome nach 48 Stunden nicht nachlassen und wenn sehr kleine Kinder betroffen sind.

Meist reicht es aus, die Schmerzen mithilfe von Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen zu lindern. Auch abschwellende Nasentropfen können kurzfristig eingesetzt werden. Sie sorgen dafür, dass die Nase und die Eustachische Röhre frei sind und das Mittelohr besser belüftet wird. Ohrentropfen jeglicher Art sind nicht empfehlenswert, da sie das Trommelfell quellen lassen, aber nicht zum Ort des Geschehens vordringen können und somit keine Wirkung haben.

Daneben berichten Betroffene immer wieder davon, dass bestimmte Hausmittel bei einer akuten Mittelohrentzündung helfen. Beispiele sind Zwiebel- oder Kamillesäckchen, die auf das betroffene Ohr gelegt werden, oder Wadenwickel gegen das Fieber.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.06.2015
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Christina Landauer, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Dr. med Inge Haas: Otitis media: Die Mittelohrentzündung.
  • Patientenleitlinie Mittelohrentzündung (Otitis media) bei Kindern: http://www.patientenleitlinien.de/Mittelohrentzuendung/mittelohrentzuendung.html
  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Ohrenschmerzen: DEGAM Leitlinie Nr. 7
  • Dr. Haas, Inge: Otitis media – die Mittelohrentzündung (http://www.uni-duesseldorf.de/kojda-pharmalehrbuch/apothekenmagazin/Fortbildungsartikel/2002-05.pdf)
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