Ursachen und Risikofaktoren für ADHS

Die Ursachen für die ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) sind noch nicht vollständig geklärt. Es scheint jedoch gesichert, dass nicht eine einzelne Ursache die Störung auslöst.

Wahrscheinlich sind mehrere Komponenten an ihrer Entstehung beteiligt. Man geht davon aus, dass vor allem genetische Faktoren eine große Rolle spielen. Andere Bedingungen beeinflussen jedoch ebenfalls die Entwicklung sowie die Ausprägung der ADHS.

Genetische Faktoren als Ursache für die ADHS

Studien mit Familien oder Zwillingen legen nahe, dass die Gene die größte Rolle als Ursache der ADHS spielen. Sie konnten zeigen, dass Geschwister, Eltern und andere Verwandte eines Betroffenen ein drei- bis fünfmal höheres Risiko haben, ebenfalls eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung zu entwickeln.

Die Gene führen wahrscheinlich zu den Veränderungen bei Botenstoffen des Gehirns, die viele Kinder mit der ADHS zeigen: Die Funktion von Neurotransmittern – biochemischen Botenstoffen, die für die Informationsübertragung im Gehirn verantwortlich sind – ist gestört.

Weitere Risikofaktoren für eine ADHS

Neben den schon im Erbmaterial angelegten Ursachen scheinen jedoch auch äußerliche Faktoren einen Einfluss auf die Entwicklung der Störung zu haben. Dazu gehören:
  • Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt
  • Infektionen während der Schwangerschaft
  • Alkohol- und Nikotinkonsum der Mutter während der Schwangerschaft
  • ein niedriges Geburtsgewicht
  • Erkrankungen und Verletzungen des zentralen Nervensystems
Auch die Umwelt des Kindes spielt eine wichtige Rolle bei der ADHS. Beispielsweise wirken sich eine schwierige Eltern-Kind-Beziehung, Vernachlässigung oder ungünstige Bedingungen in der Familie negativ auf die Störung aus. Diese Faktoren scheinen jedoch weniger eine Ursache für die ADHS zu sein, als vielmehr den Schweregrad und die Ausprägung zu beeinflussen.

Allergien und Reizüberflutung als Ursachen?

Viele Kinder mit einer ADHS leiden zusätzlich unter Allergien wie Heuschnupfen, Neurodermitis oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Ein ursächlicher Zusammenhang konnte bislang jedoch nicht bestätigt werden. Auch die Annahme, die Störung hinge mit synthetischen Lebensmitteln zusammen, konnte in Studien nicht belegt werden. Nur sehr wenige Kinder sprachen auf eine entsprechende Diät an.

Auch die Hypothese, dass eine Reizüberflutung für die ADHS verantwortlich ist, weil die betroffenen Kinder Reize nur schlecht ausblenden können, konnte in Studien nicht verifiziert werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.04.2015
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V. (2007)
  • Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“ der Bundesärztekammer (2005)
  • Informationen zu ADHS der Universität Bielefeld, Abteilung für Psychologie: http://www.uni-bielefeld.de/psychologie/ae/AE09/beratungsstelle/adhs.html
  • Diagnosequalität mangelhaft. Psychologen beklagen Defizite im Umgang mit ADHS. Pressemittelung des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen (2009)
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