Therapie der ADHS mit Medikamenten

Nur wenn die Symptome der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sehr ausgeprägt sind und mit Psychoedukation und Psychotherapie nicht ausreichend gelindert werden konnten, sollten Medikamente gegen die Störung eingesetzt werden. Stimulantien sind dann die Mittel der ersten Wahl. Als Mittel der zweiten Wahl gilt Atomoxetin. Weitere Wirkstoffe sollten zur Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung nur dann verwendet werden, wenn die zuvor genannten nicht ausreichend wirken oder erhebliche Nebenwirkungen verursachen.

Mit Stimulantien gegen die ADHS

In Studien konnte nachgewiesen werden, dass Stimulantien die Kernsymptome der ADHS effektiv lindern können. Meist werden Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat (dazu gehören zum Beispiel Ritalin®, Equasym® und Medikinet®) eingesetzt. Zeigen diese Medikamente keine ausreichende Wirkung, können Amphetamine zur Therapie verwendet werden. Pemolin, ein weiteres Stimulans, birgt ein erhöhtes Risiko für Leberschädigungen und kommt deshalb nur unter besonderen Bedingungen zum Einsatz.

Methylphenidat wirkt etwa eine halbe Stunde nach der Einnahme. Die Wirkung hält für ungefähr vier Stunden an. Der Wirkstoff ist auch in Retardform erhältlich. Hier wird er zunächst schnell und dann verzögert freigesetzt. Schon eine Tablette kann so eine Wirkdauer von sechs bis zwölf Stunden haben. Retard-Präparate sind jedoch erheblich teurer. Zudem muss immer individuell bestimmt werden, welche Form der Medikamente für das Kind am besten geeignet ist. Auch die Höhe der optimalen Dosis variiert stark von Betroffenem zu Betroffenem.

In der Regel verursachen Medikamente mit Mehtylphenidat kaum Nebenwirkungen, vor allem wenn sie sorgfältig dosiert werden. Denn die unerwünschten Wirkungen sind dosisabhängig. Es kann jedoch – vor allem am Anfang der Medikation – zu Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Blutdrucksteigerungen kommen. In seltenen Fällen wurde auch beobachtet, dass das Wachstum des Kindes unter Methylphenidat beeinträchtigt war. Diese Nebenwirkung des Medikaments ist jedoch vorübergehend. Die Arzneimittel verursachen außerdem keine Abhängigkeit. Auch ein Gewöhnungseffekt, der dazu führen würde, dass die Dosis immer weiter erhöht werden müsste, tritt nicht auf.

Mit Nicht-Stimulantien gegen die ADHS

Atomoxetin ist ein Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer, der für die Behandlung der ADHS zugelassen ist. Das Medikament hat eine Wirkdauer von 24 Stunden, in denen es die Kernsymptome der ADHS deutlich senken kann. Ähnlich wie bei den Stimulantien treten auch unter diesem Medikament nur wenige Nebenwirkungen auf und wenn, dann meist nur zu Beginn der Therapie. Appetitmangel, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Müdigkeit können vorkommen.

Auch trizyklische Antidepressiva haben sich bei der ADHS als wirksam erwiesen. Sie sollten allerdings nur dann angewandt werden, wenn Stimulantien und Atomoxitin nicht ausreichend wirken.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.04.2015
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V. (2007)
  • Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“ der Bundesärztekammer (2005)
  • Informationen zu ADHS der Universität Bielefeld, Abteilung für Psychologie: http://www.uni-bielefeld.de/psychologie/ae/AE09/beratungsstelle/adhs.html
  • Diagnosequalität mangelhaft. Psychologen beklagen Defizite im Umgang mit ADHS. Pressemittelung des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen (2009)
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