Ratgeber und Selbsthilfe bei der ADHS: Tipps für Eltern

Das Kind sitzt kaum eine Minute still, kann sich bei den Hausaufgaben nicht konzentrieren und reagiert immer wieder mit Wutanfällen: Der Umgang mit einem Kind mit ADHS ist für die Eltern oft sehr schwierig. Einige Tipps und Tricks können da helfen.

Die Situation ist meist folgende: Die Eltern geben Anweisungen, die das Kind aufgrund seiner ADHS-Symptomatik zunächst nicht befolgt. Reagieren die Eltern dann aggressiv, führt dies dazu, dass das Kind lernt: nur aggressives Verhalten führt zum Erfolg. Sie werden selbst vermehrt aggressiv. Geben die Eltern nach, werden sie von ihrem Kind nicht ernst genommen. Tut das Kind irgendwann, was von ihm gefordert wird, wenden sich die Eltern häufig erleichtert anderen Dingen zu. Auch das ist jedoch problematisch. Denn das Kind lernt, dass das erwünschte Verhalten nicht beachtet wird und es nur dann Aufmerksamkeit bekommt, wenn es nicht tut, was gefordert wurde.

Diese Problematik tritt natürlich auch bei gesunden Kindern auf. Bei Kindern mit ADHS wirken sich Fehler auf Seiten der Eltern jedoch stärker aus und treten häufiger auf.

Einige Tipps und Tricks für das richtige Verhalten:

  • Tipp 1: Positive Beziehung stärken – Die Eltern-Kind-Beziehung wird durch ständige Diskussionen und Kämpfe um die einfachsten Aufgaben oft sehr belastet. Versuchen Sie deshalb auch das Positive zu sehen und Ihre Beziehung zu stärken. Überlegen Sie, welche Situationen gut laufen und sagen Sie das Ihrem Kind auch. Zeigen Sie ihm, worüber Sie sich freuen und dass Sie es lieben. Nehmen Sie sich Zeit für sich und Ihr Kind, in der Sie etwas Angenehmes erleben.
  • Tipp 2: Klare Regeln aufstellen – Ein Kind mit ADHS braucht mehr als andere Kinder klare Regeln. Sie geben Orientierung und Sicherheit. Beachten Sie jedoch: Stellen Sie nicht zu viele Regeln auf, die Sie dann nicht alle durchsetzen können. Beschränken Sie sich vielmehr auf einige sehr wichtige Regeln, bei denen Sie auch bereit sind, sie immer durchzusetzen – eventuell auch gegen Wiederstand. Sonst werden Sie unglaubwürdig.
  • Tipp 3: Konsequent sein – Wenn sich Ihr Kind nicht an die vereinbarten Regeln hält, sollten immer negative Konsequenzen folgen. Wichtig dabei ist nicht, dass Sie das Kind hart bestrafen, sondern vielmehr, dass die Konsequenzen wirklich immer folgen, wenn das Kind Regeln übertritt. Überlegen Sie sich am besten für jede Regel eine entsprechende Konsequenz, die dann auch von allen anderen Bezugspersonen durchgesetzt werden muss.
  • Tipp 4: Das Kind loben – Wenn Ihr Kind eine Regel eingehalten oder eine Aufgabe erledigt hat, sollten Sie es loben. Das muss nicht überschwänglich sein. Wichtig ist nur, dass das Kind weiß: Sie haben bemerkt, dass es etwas gut gemacht hat. Beachten Sie: Sowohl Lob wie auch negative Konsequenzen sollten immer direkt auf das Verhalten des Kindes folgen, nicht verzögert.
  • Tipp 5: Vorhersehbare Probleme vermeiden – Meist sind es immer wieder die gleichen Situationen, die problematisch sind. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber und erinnern Sie es vorher an die wichtigsten Regeln in dieser Situation. Eventuell können Sie bei besonders schwierigen Situationen auch eine Belohnung vereinbaren, wenn es gut läuft.
  • Tipp 6: Gelassen bleiben – Versuchen Sie, möglichst gelassen zu bleiben. Das wird wahrscheinlich nicht immer gelingen, denn ein Kind mit ADHS zu erziehen, ist sehr schwer. Manchmal hilft es, einen Streit zu unterbrechen und nach einer kurzen Auszeit wieder ruhiger an die Situation heranzugehen. Machen Sie sich jedoch auch klar, dass das nicht immer klappen kann und Sie nicht perfekt sein müssen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.04.2015
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V. (2007)
  • Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“ der Bundesärztekammer (2005)
  • Informationen zu ADHS der Universität Bielefeld, Abteilung für Psychologie: http://www.uni-bielefeld.de/psychologie/ae/AE09/beratungsstelle/adhs.html
  • Diagnosequalität mangelhaft. Psychologen beklagen Defizite im Umgang mit ADHS. Pressemittelung des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen (2009)
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