Missbrauch von Abführmitteln

Abführmittel, auch Laxantien genannt, sind Medikamente, die eine Darmentleerung veranlassen. Hauptsächlich gibt es zwei Wirkweisen von Abführmitteln. Die einen Steigern die Darmbewegung, die anderen verflüssigen den Stuhl.

Abführmittel können eingenommen werden, wenn es trotz ballaststoffreicher Ernährung, Bewegung und ausreichendem Trinken zu wiederholten Darmverstopfungen - Mediziner sprechen von Obstipation – und ihren Folgen kommt. Das können Schmerzen, Hämorrhoiden, Aussackungen der Darmwand (Divertikel), Darmentzündungen oder Darmverschluss sein.

Abführmittelmissbrauch bei Personen mit Essstörungen und älteren Menschen

Abführmittel werden häufig ohne medizinische Ursache eingenommen. Der Missbrauch dieser Medikamente ist ein weit verbreitetes Problem, da die Mittel frei über Apotheken erhältlich sind.

Insbesondere werden Abführmittel missbräuchlich von Menschen mit Essstörungen, wie der Bulimie oder Magersucht (Anorexie) eingenommen. Die Abführmittel sollen das Gewicht weiter reduzieren und/oder nach Fressattacken der Bulimie die großen Nahrungsmengen schnell wieder aus dem Körper befördern.
Auch in der Altergruppe der über Sechzigjähriger, besonders bei Frauen, gehören Abführmittel zu den häufigsten Tabletten auf dem Medikamentenplan. Ältere Menschen sind häufig auf ihre Verdauung konzentriert, außerdem bewegen Sie sich mit zunehmendem Alter meist weniger und trinken nicht ausreichend, also weniger als 1,5-2 Liter am Tag. All das trägt zu einer Verlangsamung der Darmbewegungen und Schwierigkeiten beim Stuhlgang bei. Zusätzlich können viele Medikamente als Nebenwirkung zu Verstopfung führen.

Missbrauch von Abführmitteln: Risiken und Folgen

Ein regelmäßiger und leichtfertiger Gebrauch von Abführmitteln hat langfristig nicht zu unterschätzende Folgen, wie zum Beispiel Elektrolytstörungen, speziell Kalium- und Kalziummangel. Der Mangel an Kalium und Kalzium kann wiederum zu Verstopfung (Obstipation) führen. Kalziummangel begünstigt außerdem die Entwicklung einer Osteoporose, Störungen des Wasserhaushaltes und Flüssigkeitsverlust bis zur Austrocknung. Auch chronische Entzündungen der Darmschleimhaut und Reizdarm können nach langjährigem regelmäßigem Gebrauch von Abführmitteln entstehen.

Eine Einnahme von Abführmitteln über längere Zeit kann außerdem die Struktur des Darmes unwiderruflich schädigen. Die Darmbewegungen werden schwach und der Stuhl nicht mehr ausreichend aus dem Darm befördert.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.06.2011
  • Autor/in: Dr. med. Beate-Maria Effertz, Ärztin, Charité, Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Band 38, Supp.1. September 2005, S. 45-48
  • Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Themenschwerpunkt: Arzneimittelbehandlung im Alter. Band 38 Heft 3, Juni 2005
  • K. U. Mayer und P. B. Baltes: Berliner Altersstudie, Akademie Verlag 2002
  • Renteln-Kruse: Medizin des Alterns und des alten Menschen, Steinkopff Verlag 2004
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