Herzglykoside: Digitalis stärkt das Herz

Wirkung und Anwendungsgebiete

Herzglykoside haben ihren Namen daher, dass sie auf das Herz wirken und ihre Wirkstoffe einen Zuckerrest (Glykosid) im Molekül enthalten. Sie werden auch als Digitalis-Präparate bezeichnet, denn sie entstammen ursprünglich dem Extrakt des Fingerhuts (Digitalis purpurea oder D. lanata). Ihre herzstärkende Wirkung, aber auch ihre Giftigkeit, ist seit etwa 200 Jahren bekannt.

Herzglykoside steigern die Schlagkraft des Herzens, senken die Herzfrequenz und verlangsamen die Geschwindigkeit der elektrischen Leitung im Herzen. Das Herz schlägt dadurch seltener, aber kräftiger und verbraucht weniger Sauerstoff und Energie.

Deshalb werden Herzglykoside in der Therapie der Herzinsuffizienz eingesetzt – das heißt bei einem „schwachen“ Herzen – sowie zur Behandlung von bestimmten Herzrhythmusstörungen. Allerdings kommen Herzglykoside erst bei starker Einschränkung der Belastbarkeit zur Anwendung, bei leichter Herzinsuffizienz werden sie nicht gegeben. Das Anwendungsspektrum der Herzglykoside hat sich heutzutage stark eingeschränkt gegenüber früheren Zeiten, als die modernen Mittel zur Behandlung einer Herzinsuffizienz noch nicht zur Verfügung standen.

Zu den wichtigsten Herzglykosiden zählen das Digitoxin sowie das Digoxin und seine synthetischen Abkömmlinge. Digitoxin und Digoxin unterscheiden sich stark hinsichtlich ihrer Wasserlöslichkeit und ihrer Verweildauer im Körper.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Die Nebenwirkungen der Herzglykoside sind vielfältig und umfassen solche am Herzen (vor allem Rhythmusstörungen), im Magen-Darm-Trakt und neurologische Störungen. Während Digitoxin auch bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen angewendet werden kann, ist bei Digoxin größte Vorsicht bei Nierenkranken geboten. Gegenanzeigen bestehen bei etlichen Rhythmusstörungen und Herzerkrankungen sowie bei Störungen im Salzhaushalt des Körpers.

Digitalisvergiftung

Alle Herzglykoside haben außerdem eine geringe therapeutische Breite – das heißt, von der gewünschten zur giftigen Wirkung ist es nur ein kleiner Schritt. Eine Digitalisvergiftung verursacht folgende Beschwerden: Im Falle einer Vergiftung wird das Medikament sofort abgesetzt, die Aufnahme durch Aktivkohle gehemmt, die Ausscheidung beschleunigt sowie der Wirkstoff durch Digitalis-Antitoxin möglichst unschädlich gemacht. Um Vergiftungen von vornherein zu vermeiden, muss – in Abhängigkeit von Risikofaktoren – regelmäßig der Blutspiegel des Wirkstoffs kontrolliert werden.

Frauen reagieren anders auf Digoxin als Männer

Aus Untersuchungen ist bekannt, dass herzinsuffiziente Frauen, bei denen die Funktion der linken Herzkammer gestört ist, unter einer Digoxin-Therapie ein erhöhtes Sterberisiko haben. Bei Männern mit der gleichen Erkrankung tritt dieser Effekt nicht auf. Wodurch genau der Unterschied zustande kommt, ist noch nicht geklärt. Für Ärzte bedeutet das, dass die Digoxin-Therapie bei einer Frau mit Herzinsuffizienz besonders kritisch hinterfragt und sorgfältig überwacht werden muss. Außerdem besteht aufgrund einer Östrogenähnlichkeit des Digoxins ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Brustkrebs. Bei Männern hemmt dieser Effekt, statistisch gesehen, die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Prostatakrebs.

Kombinationen

Herzglykoside werden in der Praxis oft mit ACE-Hemmern, Betablockern und Diuretika kombiniert. Bei gleichzeitiger Gabe von Digitalis und Entwässerungsmedikamenten ist besondere Vorsicht geboten: Je nach Medikament kann sich der Kaliumspiegel ändern, mit der Gefahr, dass Digitalis verstärkt oder abgeschwächt wirkt. Allerdings besteht auch bei der Kombination von Digitalis mit einer Vielzahl anderer Medikamente die Möglichkeit einer Wechselwirkung, sodass dies im Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.10.2014
  • Autor/in: Autorin: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Susanne Segebrecht, Ärztin, Apothekerin, Charité - Universitätsmedizin Berlin
  • Quellen: http://www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/2001/2001-21/2001-21-410.PDF (abgerufen am 9.8.12)
  • http://www.klinikum-stuttgart.de/uploads/tx_templavoila/LabTOPs-Ausgabe9-Januar-2011_01.pdf (abgerufen am 8.8.12)
  • Rathore SS, Wang Y, Krumholz HM. Sex-based differences in the effect of digoxin for the treatment of heart failure. N Engl J Med 2002; 347: 1403 – 1411
  • http://www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/2001/2001-21/2001-21-410.PDF (abgerufen am 9.8.12)
  •  Seite empfehlen
  •  Drucken
  •  Newsletter
  •  Weitere Dienste