Das Herz als Kraftwerk: von der Erregung zum Herzschlag

Der Impuls für den Herzschlag geht vom Sinusknoten aus, einer Ansammlung spezialisierter Herzmuskelzellen im rechten Vorhof. Angeregt durch das im „natürlichen Herzschrittmacher" entstehende elektrische Signal ziehen sich die Herzmuskelzellen der Vorhöfe zusammen. In dieser sogenannten Vorhofsystole strömt das Blut aus den Vorhöfen durch die geöffneten Segelklappen in die Herzkammern. Anspannung und Erschlaffung des Herzmuskels werden auch als Systole und Diastole bezeichnet.
Herzerkrankungen Grafik: Erregungsbildungs- und Leitungssystem des menschlichen HerzensDas Erregungsbildungs- und Leitungssystem des menschlichen Herzens

Der Herzschlag ist als Puls spürbar

Vom Sinusknoten wird der elektrische Impuls über die speziellen Fasern des Reizleitungssystems bis zu den Muskelzellen der Herzkammern weitergeleitet und löst dort eine Kontraktion aus, die Kammersystole. Während der Kammersystole wird das Blut durch die geöffneten Taschenklappen in die Lungen- beziehungsweise Hauptschlagader gepumpt. Nach der Kammerkontraktion tritt eine kurze Pause ein, dann beginnt ein neuer Herzschlag. Jeder Herzschlag erzeugt eine Druckwelle in den Gefäßen, die durch den Körper geleitet wird und als Puls spürbar ist. Die Erregungsleitung über den Herzmuskel wird im Elektrokardiogramm, dem EKG, sichtbar gemacht.

Pausen sind lebenswichtig

Die Ruhepause der Diastole ist wichtig, weil sich in dieser Zeit die Herzkammern mit Blut füllen. Erst gegen Ende dieser Pause kann eine neue Erregung die Muskulatur aktivieren. Werden die Pausen zwischen den Kontraktionen zu kurz und folgen die Impulse zu schnell hintereinander, können sich die Kammern nicht vollständig mit Blut füllen und auch nicht kräftig genug zusammenziehen, um genügend Blut in den Kreislauf zu pumpen. Dieses sogenannte Kammerflimmern ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Nur durch sofortige Defibrillation, also einen kräftigen Stromimpuls von außen, kann das Herz wieder in seinen normalen Eigenrhythmus zurückgeführt werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.05.2013
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Charite - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Michael Schünke, Erik Schulte, Udo Schumacher: Lernatlas der Anatomie. Hals und Innere Organe, Thieme, Stuttgart, 2005
  • Stefan Silbernagl, Agamemnon Despopoulos: Taschenatlas der Physiologie, Thieme Stuttgart, 2007