Herzkrankheiten: Sport gehört zur Therapie

Sport steigert die Leistungsfähigkeit von Herzpatienten merklich. Das gilt selbst für Frauen und Männer mit einer Herzinsuffizienz. Durch Sport verbessert sich die Sauerstoffaufnahme in der Muskulatur, was letztlich auch das Herz entlastet.

Älterer Mann beim Yoga am Strand © Thinkstock
Geeignet sind für Herzkranke vor allem Ausdauersportarten wie schnelles Gehen (Walken) beziehungsweise Nordic Walking und Fahrrad fahren. Dies sind Aktivitäten, die kontrollierbar sind und gleichmäßig belasten. Tanzen – etwa Standardtanzen – bietet sich ebenfalls an. Es trainiert zudem die Koordination und Geschicklichkeit und ist somit auch eine gute Sturzprophylaxe. Jeder Herzpatient sollte unbedingt mit seinem Arzt abklären, ob und welche sportliche Betätigung für ihn gesundheitlich unbedenklich ist.

Auch moderate Bewegung ist wirkungsvoll

Neuere Studien zeigen: Eine Belastung nahe der maximalen Pulsfrequenz ist nicht erforderlich, um die körperliche Leistung zu steigern. Schon ein zehnminütiger Spaziergang oder eine kleine Radtour zweimal in der Woche verbessern bei vielen Patienten die Leistungsfähigkeit.

Weniger geeignete Sportarten

Von Schwimmen dagegen raten Fachleute vielen Herzpatienten ab. Durch den Wasserdruck können der Blutdruck steigen und eventuell Herzrhythmusstörungen auftreten. Übungen im Wasser empfehlen sich nur unter fachgerechter Anleitung, zum Beispiel in einer Herzsportgruppe. Auch Sportarten wie Handball und Fußball beurteilen Mediziner skeptisch, weil der Kreislauf – je nach Spielsituation – zu unterschiedlichen Belastungssituationen ausgesetzt ist.

Krafttraining in Maßen ist erlaubt

Lange Zeit haben Mediziner bei Herzschwäche auch vor Krafttraining gewarnt. Doch inzwischen empfehlen Kardiologen sogar moderates Krafttraining: Es hilft, die Leistungsfähigkeit zu steigern und – ebenso wie das Geschicklichkeitstraining – Stürzen vorzubeugen.

Herzsportgruppen können helfen

Viele Patienten mit Herzinfarkt schließen sich einer Herzsportgruppe an. Diese Gruppen haben den großen Vorteil, dass sie von Ärzten betreut werden und Herztätigkeit und Leistungsentwicklung unter Kontrolle stehen. Für Patienten mit starker Herzinsuffizienz oder ausgeprägten Herzrhythmusstörungen sind Herzsportgruppen allerdings nicht immer geeignet.

Sportarten bei Herzerkrankungen

Gymnastikübungen lassen sich auch zu Hause unkompliziert und sicher, das heißt im Sitzen oder Liegen, praktizieren. Auch andere Körperübungen wie Yoga, Feldenkrais oder Tai Chi sind für zu Hause geeignet. Sie enthalten alles, was bei einer Herzkrankheit empfehlenswert ist: Dehn-, Kraft-, Koordinations-, Atem- und Entspannungsübungen. Das ausgewogene Wechselspiel zwischen den verschiedenen Haltungen regt Durchblutung und Stoffwechsel an.

Auch das Fahrradergometer eignet sich für zu Hause. Doch sollte dieses Training vorher mit dem Arzt abgestimmt werden. Eine Pulskontrolle ist für den Patienten leicht mithilfe eines Pulsgurtes möglich.
günstig
bedingt geeignet
ungünstig
Wandern Schwimmen Kraftübungen wie Klimmzüge
Dauerlauf Rudern Kniebeugen, Liegestütze, Expanderübungen
Rad fahren Bergwandern Bodybuilding
Golf Reiten Gewichtheben
Gymnastik Fußball Klettern
Skilanglauf Tanzen Bergsteigen
Curling Fitnesstraining Turnen
Faustball alpiner Skilauf Springen
Prellball Eislauf Werfen
Eiskunstlauf Tauchen
Handball Segeln
Basketball Wasserski
Badminton Windsurfen
Tennis Kampfsportarten
Tischtennis Squash
Kegeln
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.11.2014
  • Autor/in: Dr. Maria-Beate Effertz, Ärztin für Allgemeinmedizin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: M. Kochen: Allgemein- und Familienmedizin, Hippokrates Verlag Stuttgart 1998
  • D. Model: Practical General Medicine Cardiovascular and Respiratory Diseases, Whurr Pub London (1989)
  • European Society of Cardiology: Guidelines for the diagnosis and treatment of Chronic Heart Failure (update 2005), Volume 7, Issue 3, Pages 291-433
  • Interview mit Dr. Tim Meyer, Sportmediziner am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität Saarbrücken
  • Interview mit Dr. med. Lars Holmer, niedergelassener Internist, Berlin