Herzkrankheiten: Viele leiden unter Erektionsstörungen

Patienten, die sich im Alltag normal belasten können, brauchen auch beim Sex keine besonderen Einschränkungen befürchten. Schwere Herzrhythmusstörungen, ein akutes Herzversagen oder gar Todesfälle während des Geschlechtsverkehrs sind eine große Seltenheit. Die körperliche Belastbarkeit beim Sex muss letztlich an der Belastbarkeit bei Sport und im Alltag gemessen werden.

Das Thema Sex sollten Sie – auch wenn es Überwindung kostet – mit einem Arzt, möglichst einem Kardiologen besprechen. Beginnende Atemnot, Enge in der Brust oder Schwindelgefühl können Zeichen einer Überforderung sein.

Arteriosklerose: Oft sind auch die Penis-Gefäße betroffen

Auch wenn der Geschlechtsverkehr für die meisten Patienten mit Herzkrankheiten keine Gefahren birgt, so leiden doch gerade Männer mit Herzinsuffizienz häufig unter Erektionsstörungen, auch erektile Dysfunktion genannt. Auch in diesem Fall lohnt sich ein Gespräch mit dem Arzt, um gemeinsam nach den Ursachen zu suchen. Eine naheliegende Ursache bei Herzpatienten ist die Arteriosklerose, unter der die meisten von ihnen leiden. Die Gefäßschäden verschlechtern nicht nur die Durchblutung des Herzens, oft sind weitere Gefäße in anderen Körperbereichen betroffen – zum Beispiel auch die kleinen Gefäße, die für die Durchblutung und die Nervenversorgung des Penis zuständig sind.

Viele Herzkranke vertragen potenzsteigernde Medikamente

Reichen allgemein durchblutungsfördernde Maßnahmen nicht aus, kann ein Präparat zur Steigerung der Erektion hilfreich sein. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass ein Patient, der Geschlechtsverkehr ausüben kann, auch ein erektionsförderndes Präparat verträgt. Das Medikament wird zunächst niedrig dosiert, eine Steigerung ist erst sinnvoll, wenn es keine Nebenwirkungen zeigt. Nitrate und nitratähnliche Substanzen dürfen dann allerdings nicht gleichzeitig angewendet werden: Sie können in Kombination mit erektionsfördernden Medikamenten zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckabfall bis hin zum Tod führen. Selbst bei einem Angina-pectoris-Anfall dürfen Sie kein Nitrospray benutzen, wenn Sie zuvor ein potenzsteigerndes Präparat eingenommen haben. Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit und Angina-pectoris-Anfällen wird der Arzt meistens zu einem Betablocker anstelle des Nitrates raten.

Bei der Diagnose der Erektionsstörungen sollten zudem andere Ursachen wie ein Diabetes mellitus, eine Polyneuropathie, Medikamenteneinnahme und anatomische Hindernisse – zum Beispiel durch eine Prostatavergrößerung – ausgeschlossen werden.

Libido-Verlust auch bei Frauen möglich

Auch Frauen mit Herzkrankheiten können unter einer verringerten Libido leiden, da auch die Sexualorgane der Frau bei einer Herzschwäche oder einer Arteriosklerose schlechter durchblutet sein können, ihre Funktion aber ebenso wie beim Mann von einer ungehinderten Durchblutung abhängt. In diesen Fällen empfiehlt sich dringend ein offenes Gespräch mit dem Arzt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.10.2014
  • Autor/in: Dr. Maria-Beate Effertz, Ärztin für Allgemeinmedizin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: M. Kochen: Allgemein- und Familienmedizin, Hippokrates Verlag Stuttgart 1998
  • D. Model: Practical General Medicine Cardiovascular and Respiratory Diseases, Whurr Pub London (1989)
  • European Society of Cardiology: Guidelines for the diagnosis and treatment of Chronic Heart Failure (update 2005), Volume 7, Issue 3, Pages 291-433
  • Interview mit Dr. Tim Meyer, Sportmediziner am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität Saarbrücken
  • Interview mit Dr. med. Lars Holmer, niedergelassener Internist, Berlin