Herzkrankheiten und Schwangerschaft

Auch bei Patientinnen in gebärfähigem Alter kann sich eine Herzschwäche entwickeln. Bei jüngeren Patienten sind oft angeborene oder erworbene Herzklappenfehler (Herzvitien) die Ursache der Herzmuskelschwäche. Wird die defekte Herzklappe ersetzt, kann sich das Herz wieder erholen. Häufig müssen trotzdem lebenslang Medikamente eingenommen werden. Was Herzkranke bei einer Schwangerschaft beachten müssen.

Eine Schwangere mit Herzinsuffizienz trägt ein erhöhtes Risiko für ihre eigene Gesundheit und für die ihres Kindes. Ob eine Schwangerschaft vertretbar ist, bespricht eine Frau mit Herzkrankheit am besten mit ihrem Kardiologen. Als Faustregel gilt: Eine herzkranke Frau, die zum Beispiel beim Einkaufen oder Steigen von zwei bis drei Etagen keine Beschwerden wie Luftnot, Schwindel oder Brustenge verspürt, kann ohne großes Mehrrisiko einer Schwangerschaft entgegensehen.

Oft sind Änderungen der Medikamente nötig

Auch wenn die Patientin stärker in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt ist, kann eine Schwangerschaft heute meist ausgetragen werden. Wichtig ist jedoch neben Kontrollen beim Frauenarzt eine engmaschige Überwachung durch den Kardiologen. Zeigen sich Anzeichen für eine Herzschwäche, so müssen Medikamente gegeben werden, die die Herzleistung stärken und – mit besonderer Vorsicht – zur Entwässerung führen. Auch müssen unter Umständen Medikamente für die Dauer der Schwangerschaft abgesetzt oder durch ein anderes Medikament ersetzt werden. So können einige Medikamente zu schweren Behinderungen des Kindes führen. Das bedeutet auch: Hat eine Frau mit einer Herzkrankheit den Verdacht, schwanger zu sein, sollte sie nicht einen Tag zögern und umgehend ihren Kardiologen aufsuchen. Eine Schwangerschaft bedeutet eine erhebliche Mehrbelastung für das Herz:
  • Das Körpergewicht erhöht sich im Laufe der neun Monate um zehn bis 20 Kilogramm. Dieses Mehrgewicht belastet das Herz stärker.
  • Das Blutvolumen vermehrt sich in der Schwangerschaft erheblich, der Blutdruck steigt und das Herz muss bereits in Ruhe mehr Blut durch den Körper bewegen, also mehr Arbeit leisten.
  • Neben dem eigenen Körper muss das Herz auch das Kind ausreichend mit Blut versorgen.
  • Schließlich stellen Geburt oder Kaiserschnitt eine große körperliche Belastung dar.
  • Stillen und das Versorgen des Neugeborenen sind nicht zu unterschätzende körperliche Kraftanstrengungen.

Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig

Die empfohlenen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen sollte die Schwangere unbedingt einhalten. Die Schwangerschaft einer herzkranken Patientin wird immer als Risikoschwangerschaft behandelt – das bedeutet, sie muss öfter zu Vorsorgeuntersuchungen als eine Patientin mit durchschnittlichem Schwangerschaftsrisiko. Per Ultraschall wird so zum Beispiel die Größe des Fötus engmaschiger kontrolliert. Nur so ist es möglich, Komplikationen wie Wachstumsstörungen des Kindes rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Bei Schwangeren mit schwereren Herzfehlern wird in jedem Fall eine stationäre Entbindung und oft auch ein Kaiserschnitt empfohlen.

Gymnastik nur nach Absprache mit dem Arzt

Die herzkranke Schwangere soll alle unnötigen Belastungen des Herzens und des Kreislaufs vermeiden. Auch Sport wird – wenn überhaupt – in geringem, der Herzleistung angepasstem Maße empfohlen. Selbst bei der Schwangerschaftsgymnastik ist Vorsicht geboten. In jedem Fall ist es wichtig, sich auch darüber mit der Frauenärztin und dem Kardiologen zu beraten.

In noch konsequenterer Weise sollte die Ernährung kochsalzarm sein. Mehrere kleine Mahlzeiten sind wenigen großen vorzuziehen, denn sie sind weniger belastend für den Kreislauf. Blähende Nahrungsmittel wie zum Beispiel Kohl oder rohe Pilze sollte eine Schwangere mit Herzinsuffizienz besonders meiden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.10.2014
  • Autor/in: Dr. Maria-Beate Effertz, Ärztin für Allgemeinmedizin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: M. Kochen: Allgemein- und Familienmedizin, Hippokrates Verlag Stuttgart 1998
  • D. Model: Practical General Medicine Cardiovascular and Respiratory Diseases, Whurr Pub London (1989)
  • European Society of Cardiology: Guidelines for the diagnosis and treatment of Chronic Heart Failure (update 2005), Volume 7, Issue 3, Pages 291-433
  • Interview mit Dr. Tim Meyer, Sportmediziner am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität Saarbrücken
  • Interview mit Dr. med. Lars Holmer, niedergelassener Internist, Berlin