Reisen und Herzkrankheit: Extremsituationen vermeiden

Prinzipiell ist bei einer Herzkrankheit gegen eine Reise nichts einzuwenden, sofern Sie selbst es nicht als zu große Belastung empfinden. Allerdings gelten gewisse Einschränkungen: Eine Reise in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit oder hohen Temperaturen ist wegen der großen Belastung des Kreislaufs nicht zu empfehlen. Auch die dünne, sauerstoffarme Luft in Höhenlagen ist für das Herz meistens zu belastend. Mediziner empfehlen grundsätzlich:
  • Ferienziele in Gegenden mit gemäßigtem Klima und nicht zu langer Anreise auswählen
  • Reisen in Höhen oberhalb von 2.000 Metern vermeiden
Wer eine Flugreise plant, befragt seinen Arzt am besten nach den individuellen Risiken. Kurze Flugreisen können sogar empfehlenswerter sein als eine lange Reise mit dem Auto. Auf lange Flugreisen sollten Sie jedoch – besonders wenn bei Ihnen eine schwerere Form der Herzschwäche vorliegt – verzichten.

Hohes Thrombose-Risiko

Die veränderten Druckverhältnisse führen zu einer Volumenzunahme in Körperhöhlen wie in den Nasennebenhöhlen, im Mittelohr, Magen-Darm-Trakt und auch in der Lunge. Bereits ein aufgeblähter Magen oder ein hoher Druck in der Lunge können ein geschwächtes Herz überfordern. Ferner sind sehr geringe Luftfeuchtigkeit (relative Luftfeuchtigkeit zwischen vier und 15 Prozent) und das begrenzte Raumangebot zu berücksichtigen. Gerade Langstreckenflüge sind zudem mit langem Sitzen und einem relativ hohen Flüssigkeitsverlust durch die trockene Klimaanlagenluft verbunden. Für viele Fluggäste besteht deshalb die Gefahr, dass sich ein Blutgerinnsel im Bein – eine sogenannte Beinvenenthrombose – bildet, das beim Aufstehen eine lebensgefährliche Lungenembolie verursachen kann. Patienten mit schwerer Herzmuskelschwäche sind auf Langstreckenflügen besonders gefährdet.

Ein Patient mit einer Herzinsuffizienz, der eine längere Reise plant, sollte mit einem Herzspezialisten die persönlichen Risiken abwägen. In vielen Fällen können auch vorbeugende Maßnahmen das Thrombose-Risiko mindern, wie:
  • das Tragen von Kompressionsstrümpfen während des Fluges
  • ausreichende Flüssigkeitsaufnahme
  • Umherlaufen im Flugzeug
  • blutverdünnende Medikamente
  • das Meiden blähender Speisen schon Tage vor dem Flug
Außerdem empfiehlt sich für Herzkranke auf Reisen eine Notfallmedikation – je nach Fall zum Beipsiel Nitrospray oder ein blutdrucksenkendes Medikament – mit sich zu führen. Wichtig ist auch, sich vorher zu erkundigen, ob und wo am Reiseziel kompetente Ärzte – möglichst mit kardiologischer Erfahrung und Ausrüstung – zu finden sind. In manchen Fällen ist eine organisierte Reise in einer Gruppe unter ärztlicher Begleitung einer Individualreise vorzuziehen.

Bei einer Gewichtszunahme von mehr als zwei Kilo in drei Tagen, ungewohnter Schwäche und Blässe, Beklemmungsgefühl oder gar Luftnot sollten Sie unverzüglich einen Arzt vor Ort aufsuchen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.02.2015
  • Autor/in: Dr. Maria-Beate Effertz, Ärztin für Allgemeinmedizin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: M. Kochen: Allgemein- und Familienmedizin, Hippokrates Verlag Stuttgart 1998
  • D. Model: Practical General Medicine Cardiovascular and Respiratory Diseases, Whurr Pub London (1989)
  • European Society of Cardiology: Guidelines for the diagnosis and treatment of Chronic Heart Failure (update 2005), Volume 7, Issue 3, Pages 291-433
  • Interview mit Dr. Tim Meyer, Sportmediziner am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität Saarbrücken
  • Interview mit Dr. med. Lars Holmer, niedergelassener Internist, Berlin