Häufige Fragen an den Arzt zur Herzkrankheit

Dr. med. Lars Holmer, niedergelassener Internist aus Berlin, beantwortet wichtige Fragen für Herzpatienten.

Was sind die besonderen Probleme von Herzpatienten?

Dr. med. Lars Holmer:
Häufig kommen herzkranke Patienten mit Fragen zu mir. Meist sind dies Patienten mit einer Herzkranzgefäßverengung, einer koronaren Herzkrankheit (KHK), Herzinfarktpatienten, oder Patienten mit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Herzschwäche. Sie sind oft ängstlich und verlieren durch die Krankheit an Selbstbewusstsein. Im Vergleich zu Gesunden fühlen sie sich weniger leistungsstark und abhängiger von Ärzten und Medikamenten. Hinzu kommt die Angst vor einem plötzlichen Herzversagen, das Bewusstsein der „Motor" könne plötzlich versagen. Herzrhythmusstörungen oder Herzbeklemmung sind oft mit Todesangst verbunden.

Was raten Sie diesen Patienten?

Dr. med. Lars Holmer:
Zunächst versuche ich die Patienten gut und verständlich über ihre Krankheit zu informieren. Sich zurechtzufinden und wichtige Fachbegriffe verstehen zu können hilft sich zu orientieren, und ermöglicht mehr Eigenverantwortung und Sicherheit im Leben mit der Krankheit. So wächst auch wieder ein besseres Selbstbewusstsein. Ein Vergleich mit anderen, vor allem mit Gesunden, ist für einen Herzpatienten nicht sinnvoll. Der Patient sollte auf sich schauen und hier besonders auf das, was er kann und hat. Er muss lernen, die Situation zu akzeptieren, anstatt mit ihr zu hadern. Um auch mit der Krankheit gut zu leben, ist es wichtig, sich auf sich und das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Auf die Möglichkeiten und Fähigkeiten, die vorhanden sind, und nicht auf die Defizite.

Wer seine Grenzen enger steckt als sie in Wirklichkeit sind, engt sich ein. Die meisten tun dies leider. Bewegung und Sport, ja sogar in manchen Fällen Krafttraining, gehören heute selbstverständlich zu der Therapie Herzkranker dazu. Unter ärztlicher Aufsicht lernen Menschen mit Herzkrankheiten dabei ihre eigenen Grenzen auszuloten und langsam zu erweitern. Ein Fortschritt. Noch vor wenigen Jahrzehnten verbot man Herzkranken jegliche körperliche Anstrengung.

Zu viel Anstrengung ist doch auch nicht gut. Wie erkennt der herzkranke Patient dann aber seine Leistungsgrenzen?

Dr. med. Lars Holmer:
Die Belastbarkeit im Alltag und beim Sport sollte der behandelnde Hausarzt oder Kardiologe gemeinsam mit dem Patienten ermitteln. Zunächst einmal ist die Schilderung der Symptome seitens des Patienten bei verschiedenen Belastungen wichtig: Wie viele Treppen kann er oder sie wie schnell steigen? Gibt es Symptome wie Atemnot, Beklemmungsgefühl oder Brustschmerz bei emotionalem Stress? Treten Symptome auch in völliger körperlicher Ruhe auf? Mithilfe des Belastungs-EKG, auch Ergometrie genannt, oder – in speziellen Fällen – der Stress-Echokardiographie, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens unter Einfluss einer Substanz, die die Herzaktion antreibt, stellt der Arzt dann fest, bei welcher körperlichen Belastung Herz oder Blutdruck Probleme bereiten.

Da sich die Leistungsfähigkeit abhängig vom Umgang mit Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen aber auch der medikamentösen Therapie und der Art der Erkrankung verändert, sollte eine Ergometrie in regelmäßigen Abständen und bei einer Verschlechterung der Symptome veranlasst werden.

Kann der Patient auch bevor er Symptome entwickelt wissen, ob sich die Herzfunktion verschlechtert?

Dr. med. Lars Holmer:
In manchen Fällen ja. Patienten mit einer behandelten Herzinsuffizienz rate ich, sich täglich zu wiegen. Eine Gewichtszunahme von zwei Kilogramm innerhalb weniger Tage kann schon auf eine Zunahme der Herzschwäche hinweisen. Dann sollte auf jeden Fall der Arzt informiert werden.

Abschließend: Was würden Sie den herzkranken Patienten wünschen?

Dr. med. Lars Holmer:
In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist sehr viel Positives auf dem Gebiet der Rehabilitation herzkranker Patienten, der Notfallmedizin und der medikamentösen Therapie sowie der Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten geschehen. Das größte Problem sehe ich in der oft immer noch ungenügenden Aufklärung und Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten. Hieran scheinen auch verordnete Fortbildungen und Qualitätsmanagement nichts zu ändern. Eine verständnis- und vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung ist die Voraussetzung für eine gute Therapie.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.10.2014
  • Autor/in: Dr. Maria-Beate Effertz, Ärztin für Allgemeinmedizin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: M. Kochen: Allgemein- und Familienmedizin, Hippokrates Verlag Stuttgart 1998
  • D. Model: Practical General Medicine Cardiovascular and Respiratory Diseases, Whurr Pub London (1989)
  • European Society of Cardiology: Guidelines for the diagnosis and treatment of Chronic Heart Failure (update 2005), Volume 7, Issue 3, Pages 291-433
  • Interview mit Dr. Tim Meyer, Sportmediziner am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität Saarbrücken
  • Interview mit Dr. med. Lars Holmer, niedergelassener Internist, Berlin