Beruf: Arbeiten ist trotz Herzkrankheit oft möglich

Auch mit einer chronischen Herzkrankheit ist es möglich zu arbeiten und körperlich aktiv zu sein. Es ist oft sogar besser, als sich ängstlich aus dem aktiven Leben zurückzuziehen. Eine Berufstätigkeit kann geistige und körperliche Beweglichkeit, Koordination, soziale Kontakte und Selbstbewusstsein fördern. Dies alles sind Faktoren, die auch auf ein krankes Herz vorbeugend und stabilisierend wirken und oft sogar seine Leistungsfähigkeit verbessern.

Für jüngere Patienten, die an einer Herzkrankheit erkrankt sind, stellt sich irgendwann die Frage, welcher Belastung sie sich im Beruf aussetzen können. Dies ist von mehreren Faktoren abhängig, zum Beispiel

Pilot, Kranführer und Busfahrer

Kann Ihr Herz bei mittlerer körperlicher Anstrengung nicht mehr ausreichend pumpen, werden Sie einen Beruf, der mit körperlicher Arbeit verbunden ist, eher nicht mehr ausüben können. Je nach Art des Berufs, Alter und Ihrer Gesamtsituation ermittelt der Vertrauensarzt nach gründlicher Prüfung zunächst, ob und welche Form die Ausübung des Berufes möglich und sinnvoll ist. In einigen Fällen wird Ihnen zu einem Wechsel des Berufs und oder zu einer Umschulung geraten. Mediziner sprechen dann von einer Berufsunfähigkeit. Als Herzkranker sollten Sie beispielsweise nicht mehr als Pilot, Busfahrer oder Kranführer arbeiten.

Aus Fällen schwerer Herzinsuffizienz kann auch eine Erwerbsunfähigkeit resultieren. Das bedeutet, der Patient ist so wenig belastbar, dass er überhaupt keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen kann.

Gutachter der Versicherungen klären die Arbeitsfähigkeit

Stellt sich die Frage nach der Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit und einer Frühberentung, muss der Herzkranke sich zunächst einer Rehabilitationsbehandlung unterziehen. Bei der Entlassung schreibt der behandelnde Arzt ein Gutachten. Hält er den Patienten für nicht mehr erwerbsfähig, stellt der Patient bei dem Träger seiner Sozialversicherung einen Antrag auf vorzeitige Berentung. Für Patienten, die bei einer Ersatzkasse krankenversichert sind, ist dies die jeweilige Landesversicherungsanstalt (LVA), bei den meisten übrigen die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRB), vormals BfA, oder berufsständische Rentenversicherungen. Ein Vertrauensarzt der jeweiligen Sozialversicherung beurteilt dann, ob der Patient generell nicht mehr erwerbsfähig ist oder in irgendeiner Form doch noch arbeiten kann.

In einigen Fällen erstellt ein weiterer Arzt des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) oder der Berufsgenossenschaft ein weiteres Gutachten. Dann wird entschieden, ob und inwieweit der Patient seinen alten Beruf wiederaufnehmen kann. Antworten auf speziellere und individuelle Fragen und Probleme bezüglich des beruflichen Wiedereinstiegs, anderer Arbeitsmodelle oder Frühberentung sollte ein Hausarzt und die Versicherungsträger geben können. Allerdings ist zu bedenken, dass Kranken- und Rentenversicherungen nicht immer alle Informationen vollständig und bereitwillig herausgeben, falls diese zum Nachteil der Versicherung führen könnten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.10.2014
  • Autor/in: Dr. Maria-Beate Effertz, Ärztin für Allgemeinmedizin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: M. Kochen: Allgemein- und Familienmedizin, Hippokrates Verlag Stuttgart 1998
  • D. Model: Practical General Medicine Cardiovascular and Respiratory Diseases, Whurr Pub London (1989)
  • European Society of Cardiology: Guidelines for the diagnosis and treatment of Chronic Heart Failure (update 2005), Volume 7, Issue 3, Pages 291-433
  • Interview mit Dr. Tim Meyer, Sportmediziner am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität Saarbrücken
  • Interview mit Dr. med. Lars Holmer, niedergelassener Internist, Berlin