Alltag mit Herzkrankheiten

Herzkrank zu sein, bedeutet für den Betroffenen häufig dauerhafte Veränderungen für den Alltag. Die meisten Herzkrankheiten sind Folge einer koronaren Herzkrankheit und allgemeinen Arteriosklerose. Dies gilt für den Großteil der Patienten mit einem Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen oder einer Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche).

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Wir geben Ihnen im Folgenden einige Hinweise und praktische Tipps für wichtige Bereiche des Lebens wie Beruf, Sexualität, Schwangerschaft, Sport, Autofahren und Familie. Je aktiver Sie Ihren Alltag auch mit einer Herzkrankheit gestalten, umso lebendiger und erfüllter wird Ihr Leben. Gleichzeitig verbessern Sie Ihre Gesundheit.

Sport kann Herz entlasten

Ausdauersportarten wie Nordic Walking und Fahrradfahren steigern die Leistungsfähigkeit der Betroffenen: Die Muskulatur kann Sauerstoff besser aufnehmen, das Herz wird entlastet. Um eine positive Wirkung für das Herz-Kreislauf-System zu erreichen, reicht ein mäßiges Anheben der Pulsfrequenz aus.

Autofahren möglich

Herzkranke müssen nicht zwingend auf das Autofahren verzichten. Patienten sollten nicht selbst fahren, sollte die Neigung zu Angina-pectoris-Anfällen oder Kurzatmigkeit im Ruhezustand bekannt sein oder sie unter Herzrhythmusstörungen mit Symptomen wie Schwindel, Bewusstseinsstörungen oder der Neigung zum Kollaps leiden. Auch Medikamente für den Blutdruck und Schlafmittel können die Fahrtüchtigkeit einschränken.

Die Familie: Anker in Krisenzeiten oder doch Belastung?

Der Familienalltag kann sich durch die Herzerkrankung eines Angehörigen unter Umständen drastisch verändern. Oftmals braucht der Erkrankte Unterstützung bei der Lebensbewältigung. So kann ihm die Familie zum Beispiel dabei helfen, seine Medikamente immer pünktlich einzunehmen oder er benötigt vielleicht Hilfe, sich an- und auszukleiden. Die neue Lebenssituation innerhalb der Familie kann dabei zu Spannungen und Überbelastungen führen.

Der passende Job fördert Körper und Geist

Bei chronischen Herzkrankheiten ist es wichtig, dass  der Patient weiterhin am öffentlichen und aktiven Leben teilnimmt. Er sollte sich nicht zurückziehen – auch nicht aus Angst vor Überbelastung. Oftmals hat eine Berufstätigkeit, die die körperliche sowie geistige Beweglichkeit fördert, positive Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein und wirkt sowohl vorbeugend als auch stabilisierend auf das Herz. Die Wahl des Berufs muss in jedem Falle mit dem Arzt abgesprochen werden. Bei schwerer Herzinsuffizienz kann der Betroffene unter Umständen keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen.

Sexualität: Erektionsstörungen durch Arteriosklerose

Können Herzkranke ihren Alltag normal bewältigen, schränkt die Krankheit in der Regel ihre Sexualität nicht ein. Todesfälle durch akutes Herzversagen sind äußerst selten. Männliche Patienten leiden jedoch häufig unter Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion). Ursache ist oftmals eine Arteriosklerose: Gefäßschäden verschlechtern nicht nur die Durchblutung des Herzens – auch andere Körperbereiche können betroffen sein.

Schwangerschaft meist ohne großes Mehrrisiko

Ob eine Schwangerschaft bei einer Frau mit Herzinsuffizienz vertretbar ist, muss die Betroffene mit ihrem Kardiologen besprechen. Als Faustregel gilt: Kann eine herzkranke Frau zum Beispiel Einkaufen oder zwei bis drei Etagen Treppen steigen ohne an Beschwerden wie Atemnot, Schwindel und Brustenge zu erleiden, dürfte eine Schwangerschaft kein großes Mehrrisiko darstellen. Eine engmaschige Betreuung durch den Kardiologen ist während der gesamten Schwangerschaft empfehlenswert.

Gemäßigtes Klima und kurze Anreise im Urlaub

Für Patienten mit Herzinsuffizienz gilt: Überbelastungen vermeiden. Dies betrifft auch den Urlaub. Als Reiseziel sollte in der Regel eine Gegend mit gemäßigtem Klima und nicht zu langer Anreise gewählt werden. Auch Regionen in Höhen von mehr als 2.000 Metern sind weniger geeignet. Bei der Anreise kann unter Umständen eine kurze Flugreise schonender für das Herz sein als eine lange Autofahrt – am besten den Arzt um Rat fragen.

Im Flugzeug steigt die Thrombosegefahr, vor allem in den Beinen. Das Thromboserisiko lässt sich senken, indem man Kompressionsstrümpfe während der Reise trägt, viel trinkt, blutverdünnende Medikamente einnimmt, im Flugzeug regelmäßig den Gang auf und ab geht und schon ein paar Tage vor dem Flug auf blähende Speisen verzichtet.

Selbsthilfegruppen – gemeinsam stark sein

Herzkranke sind oft von Ängsten geplagt: Sie wollen ihr Herz nicht überfordern, schonen sich zunehmend – und leiden in der Folge auch unter dem Verlust von Lebensqualität. In Selbsthilfegruppen haben Betroffene die Möglichkeit, Menschen kennenzulernen, die denken und fühlen wie sie, die die gleichen Ängste durchstehen und auch mit den körperlichen Einschränkungen Leben lernen müssen. Falls der Leidensdruck zu groß wird, kann auch eine kurzzeitige Psychotherapie ratsam sein.

Messen, wiegen, Blut abnehmen

Herzkranke müssen sehr achtsam mit ihrem Körper umgehen. Sie nehmen regelmäßig – auch in beschwerdefreien Zeiten – Medikamente ein und lassen ihr Blut untersuchen. Doch dies ist nur ein Teil des engmaschigen Untersuchungskonzepts: Betroffene sollten sich täglich wiegen. Ist das Herz geschwächt, kommt es im Körper zu Wassereinlagerungen. Bei einer Gewichtszunahme von mehr als zwei Kilo in drei Tagen, sollte ein Kardiologe hinzugezogen werden. Der Patient kann außerdem einmal in der Woche den Bauchumfang in Taillenhöhe messen, um seine Gewichtszunahme im Bauchbereich zu kontrollieren. Eine solche Gewichtszunahme sollte vermieden werden, da sie das Herz zusätzlich belastet.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 24.10.2014
  • Autor/in: Dr. Maria-Beate Effertz, Ärztin für Allgemeinmedizin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: M. Kochen: Allgemein- und Familienmedizin, Hippokrates Verlag Stuttgart 1998
  • D. Model: Practical General Medicine Cardiovascular and Respiratory Diseases, Whurr Pub London (1989)
  • European Society of Cardiology: Guidelines for the diagnosis and treatment of Chronic Heart Failure (update 2005), Volume 7, Issue 3, Pages 291-433
  • Interview mit Dr. Tim Meyer, Sportmediziner am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität Saarbrücken
  • Interview mit Dr. med. Lars Holmer, niedergelassener Internist, Berlin