Erfahrungsbericht: MRT mit Platzangst – wie geht das?

Unsere Redakteurin muss ins MRT. Das Problem: Sie hat Klaustrophobie – auch Platzangst genannt. Über Ihre Erfahrungen und wie sie die Zeit vor und in der Röhre erlebt hat, berichtet sie uns hier.

MRT © iStock
„Da machen wir jetzt erst einmal ein MRT der Halswirbelsäule“ sagt mein Orthopäde und schiebt mich samt Überweisungszettel in der Hand aus dem Behandlungszimmer. In Ordnung, denke ich. Dann wird mir klar, dass dieser Arzt möchte, dass ich mich in eine kleine, enge, geschlossene Röhre lege, um Bilder von meinen Wirbeln, Bandscheiben und Bändern zu machen. Und das … ist nun wirklich nicht in Ordnung.

Platzangst und MRT – das passt nicht zusammen

Ich habe Klaustrophobie – oder das, was man allgemeinhin auch als Platzangst bezeichnet. In kleinen geschlossenen Räumen fühle ich mich sofort unwohl, Aufzüge meide ich wie die Pest. Und jetzt soll ich mich in eine sargartige enge Röhre legen?

Ich recherchiere im Internet nach einer radiologischen Praxis in meiner Nähe. Treffer. Auf der Homepage lese ich „halboffenes MRT – für Personen mit Platzangst geeignet“. Das muss ich haben.

Offen, halboffen oder Beruhigungsmittel?

„Ich will das Offene, ich habe Klaustrophobie“, erkläre ich der Dame am Telefon. Nun, offen sei das MRT nicht, sondern halboffen und damit wesentlich geräumiger als ein normales, erwidert die Arzthelferin. Es gäbe noch die Möglichkeit, mir Beruhigungsmittel zu geben, wenn ich es nicht aushalte. Nein, Beruhigungsmittel will ich keines. Ich bekomme einen Termin in der nächsten Woche.

Ich befrage erneut das Internet: Ein halboffenes MRT – auch open-bore oder wide-bore MRT genannt – hat den Vorteil, dass die Röhre sehr viel größer ist als bei einem normalen MRT. Außerdem ist sie kürzer: etwa 1,20 anstatt 2,60 Meter lang. Vorne und hinten ist sie offen.

MRT-Erfahrungen anderer, auf die ich verzichten möchte

Eine Röhre ist eine Röhre – und deshalb ist mir trotz des halboffenen MRTs nun doch ein wenig mulmig zumute. Ich lasse mir von Freunden ihre MRT-Erfahrungen berichten. Von Panik, Horror, wahnsinnig laut bis „Ich schlafe da immer ein“ ist alles dabei. Das ist wenig hilfreich und ich schlafe schlecht in dieser Nacht. Am nächsten Morgen beschließe ich, das Thema ruhen zu lassen und mich nicht weiter damit zu beschäftigen.

Ohne BH in der radiologischen Praxis

Mein MRT-Termin ist sehr früh am Morgen. Ich fahre zur radiologischen Praxis – es ist noch dunkel. Entgegen meiner Erwartungen habe ich in dieser Nacht gut geschlafen. Und Angst habe ich momentan auch keine. Ich bin müde.

Am Empfang muss ich ein Patientenformular ausfüllen. Ich sitze noch einige Minuten im Wartezimmer, dann werde ich aufgerufen. Eine junge Röntgenassistentin bringt mich in eine Umkleidekabine. „Bitte allen Schmuck ablegen, keine Metallteile am Körper tragen und den BH ausziehen – Ihren Pullover können Sie anbehalten.“

Ohne BH aber mit Pullover geht es weiter in ein Zimmer mit Monitoren. Dahinter, abgetrennt durch eine abgedunkelte Glasscheibe, befindet sich der Raum mit dem MRT. „Sie sitzen hier?“ frage ich die Röntgenassistentin – genau. „Und Sie gehen auch nicht weg!“ Sie bestätigt mir, dass sie die ganze Zeit da ist und sofort kommt, wenn etwas ist.

Nun stehen wir vor dem MRT. Es sieht aus wie eine Hightech-Raumkapsel mit einem Loch in der Mitte – einem ziemlich großen Loch, wie ich erleichtert feststelle. Ich lege mich auf die Liege, die das MRT wie eine Zunge herausstreckt. Meine Arme kann ich locker neben mich legen. Eigentlich ganz bequem. Ich frage die Assistentin, ob sie denn mit mir während der Aufnahmen sprechen könne. Kein Problem, meint sie, sie würde mir zur Hälfte die Zeit durchsagen, wenn ich das möchte. Dann drückt sie mir einen Gummiball mit Kabel in die Hand. Das ist mein Notfallknopf, den soll ich drücken, falls etwas ist. Gummiball-Test: Es trötet.

Die Röntgenassistentin rät mir, die ganze Zeit die Augen geschlossen zu halten und sie auch nicht zu öffnen. Die Prozedur würde nur knapp eine Viertelstunde dauern. Dann setzt sie mir dicke Kopfhörer auf, weil das MRT ziemlich laute Geräusche macht. In Ordnung, ich bin bereit.

MRT-Gefühle: in der Röhre

„Ich fahre Sie jetzt rein.“ Ich kneife die Augen fest zu. Dann fahre ich samt Liege rückwärts. Die Assistentin berührt mich noch kurz an den Oberschenkeln. „Ab hier sind Sie draußen aus der Röhre.“ Eine Tür schließt sich und ein Gebläse startet. Die Röhre pustet mir angenehm warme Luft ins Gesicht. Dann quietscht und rattert es – über, unter und neben mir. Jetzt wird mir doch etwas anders. Ich spüre, wie mein Herz anfängt zu schlagen. Ich versuche mich zu beruhigen. Um mich herum klopft und dröhnt es. Ich bin mit Atmen beschäftigt und zwinge meinen Körper zur Ruhe. Nicht daran denken, dass Du in einer Röhre liegst, nicht die Augen aufmachen. Langsam entspanne ich mich.

Es erstaunt mich: Das – eigentlich ohrenbetäubende – rhythmische Klopfen und die warme Luft, die mir ins Gesicht bläst, haben tatsächlich eine beruhigende Wirkung auf mich. Wie auf einem alten Kahn, der übers Meer tuckert, denke ich. Und genau das stelle ich mir auch vor: Ich liege auf einem kleinen Boot mit uraltem Motor, der rattert und quietscht. Der warme Fahrtwind bläst mir ins Gesicht.

„Die Hälfte ist geschafft – nur noch sechs Minuten“. Die Stimme reißt mich aus meiner Bootsfahrt. Eigentlich war es gerade ganz gemütlich. Kurze Zeit später kommt die Röntgenassistentin auch schon ins Zimmer und fährt mich aus dem MRT.

Als ich wieder im Wartezimmer sitze und auf das Gespräch mit dem Radiologen warte, der mir meinen Befund mitteilen wird, denke ich – das Schlimmste war der Stress, den ich mir zuvor gemacht habe: Es war mal wieder alles nur in meinem Kopf.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.04.2017
  • Autor/in: Anja Dolski, Medizinredakteurin, vitanet.de