Phytoöstrogene – die pflanzlichen Östrogene

Phytoöstrogene – auch Phytoserms genannt – sind pflanzliche Inhaltsstoffe, die eine östrogenähnliche Wirkung haben. Ihre Östrogenwirkung ist schwächer als die der natürlichen menschlichen und der synthetisch hergestellten Östrogene (0,1 Prozent der Östradiolwirkung).

Phytoöstrogene erinnern nur in ihrer Struktur an Östrogen. Durch ihre Ähnlichkeit lösen sie an den Östrogenrezeptoren des Körpers sowohl aktivierende als auch hemmende Effekte aus. Des Weiteren wirken sie antioxidativ.

Isoflavone, Lignane und Coumestane

Die bekanntesten Phytoöstrogene sind Isoflavone, Lignane und Coumestane. Isoflavone kommen hauptsächlich in Hülsenfrüchten wie Sojabohnen und in Rotklee vor. Die wichtigsten Vertreter der Isoflavone sind Genistein und Daidzin. Lignane finden sich vor allem in Leinsamen, Vollkorn, Beeren und Flachssamen.

Nachdem in den vergangenen Jahren den Isoflavonen vielfach positive Effekte auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, klimakterische Beschwerden und besonders auch auf die Verhütung von Brustkrebs zugeschrieben wurden, haben neuere Studien gezeigt, dass eine genauere Betrachtung notwendig ist. Die beschriebenen Effekte sind oft nur im Tierexperiment aufgefallen oder sie lassen sich nicht von anderen möglichen Verursachern abgrenzen. Neuerdings wird sogar vermutet, dass Isoflavone das Wachstum des hormonabhängigen Brustkrebses beschleunigen. Auch die positiven Effekte bei leichten Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen sind wohl mit denen der Placebowirkung vergleichbar.  Der schützende Effekt der Isoflavone vor der Entwicklung einer Osteoporose scheint zurzeit möglich, aber die Datenlage lässt noch keine eindeutige Aussage zu.

Keine Empfehlung für Nahrungsergänzungsmittel

Zurzeit geht man bei einer sojareichen Ernährung von positiven Effekten für das Herz-Kreislauf-System sowie einem verringerten Risiko für Osteoporose und Brustkrebs aust. Für eine zusätzliche Zufuhr von Isoflavonen über Nahrungsergänzungsmittel gibt es keine Empfehlung. Wenn Sie Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, sollten Sie potenziell unerwünschte Nebenwirkungen wie das Risiko für Brustkrebs, einen hemmenden Einfluss auf die Schilddrüse und Gebärmutterschleimhautveränderungen beachten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.04.2016
  • Autor/in: vitanet.de
  • Quellen: H.K. Biesalski, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe, Thieme Verlag 2002
  • K. Glagau, Mikronährstoffe und Ernährung, Forum Medizin 2001
  • W. Busse/H. Scholz, Das ABC der Vitalstoffe, Haug Verlag 2001
  • DGE, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr 2000
  • Pharmazeutische Zeitung online: Isoflavone und L-Carnitin. Mehr Risiko als Nutzen (http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=34339)
  • Deutsches Krebsinformationszentrum: Nahrungsergänzungsmittel: Große Versprechen, k(l)eine Wirkung? (https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/nahrungsergaenzungsmittel.php)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Nahrungsergänzungsmittel – Vertrieb über Ärzte und Apotheker (http://www.bfr.bund.de/cm/343/nahrungsergaenzungsmittel_vertrieb_ueber_aerzte_und_apotheker.pdf)
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