Irrtum Nr. 3: Mit Light-Produkten nimmt man ab

Weniger Fett, weniger Zucker, weniger Kalorien ... weniger Gewicht? Nicht alle Ernährungsexperten glauben, dass Light-Produkte beim Abnehmen helfen.

Joghurt © Thinkstock
Einige begründen das mit einer einfachen Antwort: Oft wird von Nahrungsmitteln, die weniger Kalorien enthalten, also weniger gehaltvoll sind, schlichtweg mehr gegessen. Unterm Strich werden dann genauso viele Kalorien aufgenommen wie bei einem herkömmlichen Produkt.

Zucker wird in Light-Produkten oft durch Süßstoffe ersetzt. Doch laut amerikanischer Studien1 heizt genau diese Ersatzsüße den Heißhunger an. Wissenschaftler erklären das folgendermaßen: Beim Geschmack von Süßstoff erwartet der Körper eine Zufuhr von Zucker und schüttet Insulin aus. Dieses überschüssige Insulin senkt den Blutzuckerspiegel. Ein niedriger Blutzuckerspiegel aber signalisiert dem Körper, dass zu wenige Nährstoffe aufgenommen wurden. Folge: Starkes Hungergefühl! Dem Futter für Tiere in Mastbetrieben wird übrigens ebenfalls Süßstoff zugesetzt.

Es ist entweder der Fett- oder Zuckergehalt reduziert

Außerdem ist bei Light-Produkten entweder der Fettgehalt oder der Zuckergehalt reduziert – nur selten beides. Fettarme Joghurts können beispielsweise so viel Zucker enthalten, dass der Kaloriengehalt insgesamt kaum niedriger ist als bei einem herkömmlichen Joghurt.

Gäbe es laut der Organisation foodwatch2 bereits die Ampelkennzeichnung für die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, bekämen auch viele Light-Produkte die „rote Karte“ für hohen Fett-, Salz- oder Zuckergehalt. Dem Verbraucher suggeriert das Präfix „Light“ jedoch eine kalorienbewusste Ernährung. Er wiegt sich in Sicherheit und nimmt womöglich mehr Kalorien auf, als er vermutet. Ein Blick auf die Nährwertangaben lohnt sich also immer.

Macht sich der Verbraucher diese Fakten bewusst und achtet er genau darauf, wie viele Light-Produkte er zu sich nimmt, so können kalorienreduzierte Lebensmittel durchaus dabei helfen, abzunehmen. Das konnten auch Studien an der Universität Göttingen zeigen.3 Dabei sollte aber möglichst der gesamte Speiseplan konsequent auf „echte“ Light-Produkte umgestellt werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.02.2017
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Christian Grundmann, Dipl.-Biol., Medizinredakteur; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: 1 Swithers SE, Baker CR, Davidson TL et al; General and persistent effects of high-intensity sweeteners on body weight gain and caloric compensation in rats; Behav Neurosci. 2009 Aug;123(4):772-80.
  • 2 Übersichtstabelle der Light-Produkte mit den Ampelfarben (foodwatch) http://foodwatch.de/foodwatch/content/e10/e13946/e29254/e29255/e29294/light-produkte_mitAmpel_uebersichtstabelle_fw_20090123_ger.pdf
  • 3 „Fettkontrolle zur dauerhaften Therapie von Übergewicht“ (Autoren: Thomas Ellrott, Susanne Beilschmidt, Silke Lichtenstein, Monika Neuhäuser-Berthold, Volker Pudel; Universität Göttingen) http://www.ernaehrungspsychologie.org/component/search/Ellrott?ordering=&searchphrase=all